Strategie im „postfaktischen Zeitalter“: Wie kann sich unser freiheitlich-demokratisches System gegen Desinformation und Propaganda verteidigen?


30 März, 2017

Berlin am 25.04.2017, 19.00 Uhr, Einlass ab 18.30 Uhr

EINLADUNG | Vortrag und Podiumsdiskussion

In Gedenken an den in Burg bei Magdeburg geborenen preußischen General Carl von Clausewitz führen die Deutsche Atlantische Gesellschaft e.V., die Clausewitz-Gesellschaft e.V. und die Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt beim Bund in Berlin seit 2010 die Clausewitz-Strategiegespräche durch.

Kaum ein Begriff ist derzeit so umstritten, wie das Wort des Jahres 2016. „Wer vom postfaktischen Zeitalter spricht, hat die Demokratie schon aufgegeben“ behaupten die Einen. „Wenn überhaupt irgendetwas ‚postfaktisch‘ im heute gemeinten Sinne sei, dann der Begriff selbst“ sagen die Anderen. „Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber niemand hat das Recht auf eigene Fakten“ ergänzen Dritte. Wieder andere behaupten, dass man „kontrafaktisch“ handeln könne, aber eine „postfaktische Politik“ nur schwer zu denken sei. Ein hinreichend gemeinsames Verständnis scheint allerdings dahingehend zu bestehen, dass „postfaktische Politik“ ein politisches Denken und Handeln beschreibt, bei dem Fakten nicht im Mittelpunkt stehen. Anders als in einem aufgeklärten demokratischen Diskurs, bei dem über zu ziehende Schlussfolgerungen aus belegbaren Fakten gestritten wird, ist ein „postfaktischer Diskurs“ eher dadurch geprägt, dass in ihm bewusst gelogen, abgelenkt und verwässert wird, ohne dass dies entscheidende Relevanz für das Zielpublikum hätte. Letzterem wird unterstellt, dass es für Erklärungsmodelle empfänglich sei, die eine Nähe zu seiner Gefühlswelt hätten. Zugleich wird eine gewisse Neigung angenommen, größere Distanzen zwischen Fakten und emotional geprägten Perzeptionen durch Verschwörungstheorien zu überbrücken und faktenbasierter Argumentation nicht zugänglich zu sein. Besondere Brisanz erhält all dies durch die inzwischen alle Bereiche durchdringende Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologie, die zunehmend wie ein Katalysator für die rasche, weiträumige Verteilung von Lügen, Desinformation und Propaganda zu wirken scheint und über das Potential zu strategisch wirkender Manipulation breiter Massen verfügt. Was bedeutet es für die Politik und für unsere Sicherheit, wenn Fakten nicht mehr zählen, Algorithmen die Realität verzerren und massive, rasante Verbreitung von Lügen, Tabubrüchen und Fälschungen unsere demokratischen Strukturen und Prozesse unterminieren und eine nachhaltige moralische Erosion bewirken können? Welche Verteidigungs- oder Gegenstrategien im gesamtstaatlichen Rahmen sind erforderlich, realistisch und erfolgversprechend? Mit diesen und weiteren Fragen wollen wir uns in unserem zehnten Clausewitz-Strategiegespräch befassen. Zu diesem Gespräch mit anschließendem Empfang sind Sie herzlich eingeladen.

PROGRAMM

Begrüßung
Staatssekretär Dr. Michael Schneider
Leiter der Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt beim Bund

Impulse
Professor Dr. Christian Schicha
Professur für Medienethik am Institut für Theater und Medienwissenschaften der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg
„Fake News im digitalen Zeitalter – ein altes Phänomen mit neuem Gefahrenpotential“

Georg Streiter
Stellvertretender Sprecher der Bundesregierung
„Welche konkreten Verteidigungsstrategien gegen Desinformation und Propaganda sind im gesamtstaatlichen Rahmen erforderlich, realistisch und erfolgversprechend?“

Gespräch und Aussprache unter der Leitung von
Generalleutnant a.D. Kurt Herrmann
Präsident der Clausewitz-Gesellschaft e.V.

Empfang

Die Veranstaltung ist leider bereits ausgebucht.

ANFAHRT

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