Putins Welt – das neue Russland und der Westen


27 November, 2018

„Ingwertee statt Wodka“, das alte neu Russland

Kalkar. Auf eine Reise nach Russland nahm Katja Gloger die Zuhörer des traditionellen Wintervortrages in der von Seydlitz Kaserne in Kalkar am 15. November 2018 mit. Es war zugleich der Auftakt der Wintervortragsreihe 2018/2019, zu der der Kommandeur Zentrum Luftoperationen, Generalleutnant Klaus Habersetzer und der Leiter des Regionalkreises Niederrhein der Deutschen Atlantischen Gesellschaft, Michael Urban immer wieder hunderte von Zuhörern gewinnen können.

Foto: Jessica Hagen. Generalleutnant Habersetzer bei der Begrüßung zum Wintervortrag.

Die Referentin Gloger war jahrelang Russlandkorrespondentin für das Magazin ‚Der Stern‘ und nicht nur am Puls des politischen und wirtschaftlichen Zeitgeschehens, vielmehr konnte sie aus einem reichhaltigen Repertoire an Russlanderfahrung, vom einfachen Menschen auf der Straße bis hin zu gemeinsamen Gesprächen mit dem Präsidenten, Vladimir Putin berichten. Und genau diese Erfahrung konnte die Zuhörer auf das folgende einstimmen – den Versuch Russland aus der Sicht eines Russen (oder einer Russin) zu betrachten.

Die Bewegte Geschichte des Landes
Dabei ging sie in der Zeitgeschichte etwas zurück, um dem Zuhörer dieses Verständnis für ein Land, das, wie Churchill es einst nannte, ein „Rätsel innerhalb eines Rätsels“ ist, zu erleichtern. Ausführlich ging sie dabei auf den Großen Vaterländischen Krieg (1941 – 1945) ein, ein Kapitel, das über viele Jahre hinweg die Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland verständlicherweise prägen sollte. „Russland sucht Trost in einer angeblich glorreichen Vergangenheit“, so die Referentin. Eine Siegermacht des Krieges, die für den Sieg über Nazi Deutschland einen hohen Preis zahlen musste.

Foto: Jessica Hagen. Die Referentin und Russlandexpertin Katja Gloger.

An die Zeit des kalten Krieges schloss sich „Glasnost“ und „Perestroika“ (Transparenz und Umbau) in Russland als Zeitepoche an. Wir Deutschen nahmen das aus der Perspektive der Wiedervereinigung Deutschlands war. Der Zerfall des Kommunismus hin zu einer Demokratie der etwas anderen Art. Über viele Jahre hinweg schloss sich für Russland der Weg aus dem Sozialismus bis hin zum heutigen Tag an, geprägt durch einen Mann, den die junge Generation Russlands nur als einziges Staatsoberhaupt, fasst schon ähnlich einem Monarchen, Vladimir Putin kennt.

Putins Russland heute
Und genau dieser Mann hat wie kein anderes Staatsoberhaupt Russlands die jüngste Geschichte dieses Landes, aber auch die Rolle Russlands innerhalb der internationalen Staatengemeinschaft, geprägt. “Putin hat Russland die gelenkte Demokratie geschenkt“, so Gloger. Und so prägt Putin natürlich auch unser Bild von einem Russland als Macht, die wir in jüngster Zeit durch die Annexion der Krim, durch die Konflikte in der Ost-Ukraine oder durch die militärische Intervention in Syrien wahrgenommen haben. Ein Wechselspiel aus Annäherung und Distanzierung zu einem Westen, welches Russlands konservative politische und wirtschaftliche Führung unter vorgehaltener Hand, als antiwestliche Avantgarde bezeichnet. Es stellt sich die Frage, so Gloger, „Will Russland überhaupt ein Partner des Westens sein, von Nord Stream 2 (der neuen Pipeline von Wyborg nach Greifswald durch die Ostsee) mal abgesehen? Zweifelsohne hat Russland Interesse an Deutschland, das ist unstrittig“. Dieses Interesse ist aber deutlich ökonomischer Natur, „Maschinen für Rohstoffe“, so die Referentin.

Foto: Jessica Hagen

Und so bleibt abzuwarten wie sich Russlands Rolle innerhalb der nächsten Jahre als Großmacht entwickeln wird. Derweil trinken die jungen Menschen in Moskau schon längst nicht mehr den berüchtigten Wodka aus Teegläsern, sondern ein neues Getränk das Einzug in die bewegte Geschichte dieses riesigen Landes gefunden hat, den Ingwertee. „Und genau diese Generation von Menschen wird es sein die das Russland dann führen werde, wenn Putin die Geschichte dieses Landes nicht mehr prägen, sondern in die Geschichte dieses Landes eingehen wird“, so Gloger in ihren abschließenden Worten.

Nach diesem sehr packenden Vortrag ging es, unter der Moderation von Michael Urban in die Frage- und Antwort-Session, bevor nach der Verabschiedung durch Generalleutnant Habersetzer, noch viele Gespräche beim anschließenden Empfang den Abend abrundeten.

Foto: Jessica Hagen. Katja Gloger und Michael Urban als Moderator bei der Beantwortung der Fragen.

Foto: Jessica Hagen. Generalleutnant Habersetzer verabschiedet die Referentin mit einem kleinen Gastgeschenk.

Text: Arthur Fontani
Bilder: Jessica Hagen

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