Die transatlantische Freundschaft ist keine Selbstverständlichkeit: Die Delegationsreise der Deutschen Atlantischen Gesellschaft sorgt für Verständigung


2 Dezember, 2019

Washington, D.C. – Mitten in eine durch die Impeachment-Anhörungen gegen Donald Trump in Aufruhr geratene Hauptstadt entsandte die DAG auch in diesem Jahr eine Delegation von vierzehn engagierten Transatlantikerinnen und Transatlantikern. Vom 18. bis zum 21. November traf sich die Delegation mit Vertreterinnen und Vertretern zahlreicher Thinktanks und wurde unter anderem in der deutschen Botschaft, im Pentagon und von einem Vertreter im National Security Council des Weißen Hauses empfangen.
Die Gruppe setzte sich zusammen aus Mitgliedern des DAG- und des YATA-Vorstands, aus YATA-Mitgliedern, Vertretern des Militärs aus dem BMVg und der Vertretung bei der NATO und EU, einem Experten des Instituts für Sicherheitspolitik Universität Kiel (ISPK) sowie aus Expertinnen der Hanns-Seidel-Stiftung und des German Marshall Fund of the United States (GMF), die als Teilnehmerinnen des „Young Leaders in Security Policy“-Programms der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) dabei waren. Bei der Reise ging es darum, den Zustand der transatlantischen Beziehung zu evaluieren, gegenseitige Standpunkte zu verstehen und die Beziehung weiterhin zu vertiefen und voranzubringen. Besonderer Fokus der diesjährigen Delegation war jedoch die Beteiligung jüngerer Transatlantikerinnen und Transatlantikern und die Förderung des Engagements für die transatlantische Partnerschaft bei zukünftigen Generationen. Dazu trug auch bei, dass im Rahmen des 2019 zum ersten Mal ausgelobten Jürgen Bornemann NATO’s Future-Preises der Gewinner, ein junger Global-Governance Student, an der Reise teilnehmen konnte.


Im Vorfeld des Programms trafen sich die mitreisenden Mitglieder des YATA-Vorstands in Washington D.C. mit Vertreterinnen und Vertretern von Thinktanks und Organisationen sowie deren Young Leaders Programmleiterinnen, um über die Möglichkeiten von Kooperationen im Bereich der Jugend- und Frauenförderung in der Branche der Sicherheitspolitik, aber auch über die transatlantischen Beziehungen zu sprechen. Mit von der Partie waren Rebecca Hersman, Senior Advisor im International Security Program des Center for Strategic and International Studies (CSIS), Michelle Shevin-Coetzee, Direktorin von Women in International Security (WIIS) Washington, D.C., und Laura Hope, Leiterin des Young-Transatlantic-Leaders Programm des GMF.
Den Beginn des vollen Programms machten drei Briefings in der deutschen Botschaft zum Stand der U.S.-Deutschlandpolitik in diplomatischer, wirtschaftlicher und militärischer Hinsicht. Danach war die Delegation, teilweise auch auf dem Podium, zur Teilnahme an Roundtables und Diskussionsveranstaltungen beim U.S.-Gegenstück der DAG, dem Atlantic Council und beim GMF eingeladen. Während es hier um die transatlantischen und die deutsch-amerikanischen Beziehungen ging, widmete man sich abends beim Hudson Institute zusammen mit der Hanns-Seidel-Stiftung Washington dem Thema „Geopolitics and Strategic Stability in Europe“. Zu dieser öffentlich beworbenen Veranstaltung stießen Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der sicherheitspolitischen Community Washingtons hinzu.

Am zweiten Tag begegnete die Delegation der BAKS und ihrem Präsidenten, Botschafter Ekkehard Brose, der zur selben Zeit auf einer USA-Reise war. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer brachten sich rege in die Workshop-Serie „The U.S. and Germany: Partnership under Stress“ ein, die das American Institute for Contemporary German Studies (AICGS) der Johns Hopkins Universität zusammen mit der BAKS organisiert hatte. Nach einem kurzen, produktiven Gespräch im Center for European Policy Analysis (CEPA) zur Strategie der NATO an ihren östlichen und südöstlichen Grenzen, hatte die Delegation am Abend die Ehre, zusammen mit der BAKS vom deutschen Heeresattaché in Washington, Oberst i.G. Stefan Weber, zu einem Dinner im Army und Navy Club empfangen zu werden.
Am letzten Tag bekam die Delegation zunächst ein ernüchterndes Briefing von Craig Kennedy, dem ehemaligen Präsidenten des GMF, zur Realität des beiderseits des Atlantiks schwindenden gesellschaftlichen Rückhalts für die transatlantische Freundschaft. Danach ging es zu aufschlussreichen Gesprächen ins Pentagon und zum United States Institute of Peace (USIP), einer vom Kongress finanzierten Entwicklungshilfe-Organisation. Beim CSIS unterhielt sich die Delegation mit einer Expertin und einem Experten zu China und neuen Technologien. Im ARD-Studio Washington konnten anschließend die mediale Perspektive auf den Zustand der transatlantischen Beziehungen eingenommen und Einblicke in die aktuellen Geschehnisse um das mögliche Impeachment-Verfahren gegen Donald Trump gewonnen werden. Den Höhepunkt der Reise bildete zum Abschluss ein Gespräch mit einem Vertreter des National Security Council im Weißen Haus zu internationaler und amerikanisch-russischer Rüstungskontrolle sowie U.S.-Sicherheitspolitik in Europa und dem Nahen Osten.
Die Delegationsreise hat nochmals deutlich gemacht: Die transatlantische Freund- und Partnerschaft ist in der Welt von heute keine Selbstverständlichkeit mehr.
Es ist nach wie vor zwar so, dass die Partner viele Werte und gar Ziele teilen, dass die Arbeits- und Verwaltungsebenen nach wie vor rege und gut zusammenarbeiten, und dass Experten und Expertinnen betonen wie wichtig die transatlantische Bindung in einer sich geostrategisch ändernden Welt für eine liberale, regelbasierte internationale Ordnung ist. Doch ist es auch Realität, dass die Vorstellungen darüber, wie gemeinsame Werte gelebt und Ziele erreicht werden können schon seit längerem auseinandergehen. Wie auf der Reise besprochen wurde sehen zudem die Bevölkerungen der USA und Deutschlands die Beziehungen zum jeweils anderen Land in einem ganz unterschiedlichen Licht. Während die Deutschen die Beziehungen zu Amerika als schwer belastet empfinden, halten die U.S.-Amerikaner das Verhältnis zu Deutschland für unverändert positiv. Politische und gesellschaftliche Realität sind auch Donald Trumps vorwurfsvolle Außen- und Handelspolitik auf der einen Seite, Anti-Amerikanismus auf der anderen und eine heranwachsende Generation mit bedeutend weniger Erfahrungen aus erster Hand im europäisch-amerikanischem Austausch.
Die transatlantische Freundschaft ist kein Automatismus mehr. Daher sind Delegationsreisen wie die der DAG so wertvoll. Die Verbindungen pflegen, neue knüpfen, Verständnis schaffen und ebenenübergreifend offen miteinander reden, all das wurde hierbei gefördert. Was jedoch eine der größten und wichtigsten Aufgaben dabei ist, ist die neue Generation auf beiden Seiten des Atlantiks für das Thema, für die Probleme und Möglichkeiten zu sensibilisieren. Die jungen Transatlantikerinnen und Transatlantiker müssen einbezogen werden in den etablierten Dialog, um mit ihren Vorschlägen und Ideen die Partnerschaft zu erhalten und sinnvoll voranzutreiben. Das gilt gerade in Bezug auf neue Herausforderungen, die erst in den letzten 20 bis 30 Jahren entstanden sind. Die Delegationsreise der DAG leistete dazu einen wertvollen Beitrag.

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