Drohnen, die ihr Ziel selbst finden, Abwehrsysteme, die anfliegende Drohnen fast ohne menschliches Zutun vom Himmel holen oder Software, die schneller Ziele vorschlägt, als ein Mensch sie prüfen kann. Das ist längst keine Science-Fiction mehr, sondern real in den Kriegen in der Ukraine und im Nahen Osten. Gleichzeitig ringen Staaten darum, wie viel Entscheidung Maschinen haben sollen.
In dieser Folge des Atlantic Talk Podcasts ist Dr. Frank Sauer von der Universität der Bundeswehr München zu Gast und erklärt, was heute schon im Einsatz ist: KI-Systeme, die Sensordaten aus Satelliten, Drohnen, Kameras und Radar zusammenführen und daraus Ziele generieren. „Und dadurch hat man diese enormen Zielmengen, die man in kurzer Zeit abarbeitet und dadurch eben eine Beschleunigung von dem, was man im Allgemeinen die Kill Chain nennt.“
Sauer macht deutlich, dass der Begriff „Künstliche Intelligenz“ zu unscharf ist. Entscheidend seien konkrete Funktionen wie Sensordatenfusion und Objekterkennung – Technologien, die auch in Smartphones stecken. Das zeigt eine Besonderheit dieser Technologie-Entwicklung: Im Gegensatz zu vielen Entwicklungen in der Vergangenheit war hier die primäre Nutzung zivil, und seit ein paar Jahren „hecheln eigentlich die Militärs der zivilen Innovation hinterher“.
Auch Deutschland rüstet um, hat erstmals Kamikaze-Drohnen bestellt und tauscht Gefechtsfelddaten mit der Ukraine. „Was so eine Loitering Munition ausmacht, ist, dass der Operator sich mit dem Waffensystem vorher darauf verständigt hat, was das Ziel ist“, erklärt Sauer. Diese Waffen seien gerade für den Fall entwickelt worden, dass elektronische Kampfführung den Funkkontakt zum menschlichen Bediener unterbrechen kann.
Die Zeit der langen deutschen Debatten über bewaffnete Drohnen sei zu seinem Bedauern angesichts der gegenwärtigen Sicherheitslage vorbei, so Sauer. Dennoch: KI macht Fehler, und im Krieg können diese Fehler Leben kosten. Die menschliche Freigabe sei dabei keine Garantie für Kontrolle. „Der Human in the Loop war im Grunde schon länger ein Zombie“. Er plädiert stattdessen für Meaningful Human Control: Menschen müssen Verantwortung übernehmen, Kriegsvölkerrecht anwenden und tatsächlich urteilen können. Doch auch dieses Konzept stößt an Grenzen, wenn der Wettlauf um Geschwindigkeit immer weitergeht.
„Die Zukunft ist da, nur nicht gleichmäßig verteilt“ – Im Gespräch mit Host Dario Weilandt über die die Entwicklungen nächsten Jahre gibt Frank Sauer zu bedenken, dass er heute wesentlich mehr für wahrscheinlich hält als vor ein paar Jahren: Humanoide KI wird es geben. Ebenso viele unbemannte Flugkörper, die miteinander kommunizieren. Kampfpanzer werden eher eine Art Mutterschiff für Drohnen sein. Die Welt werde sehr „rumpelig“ werden. Und es werde wohl erst dann echte Rüstungskontrolle geben, wenn ein Vorfall „die Welt heimgesucht hat“. Deshalb sei es wichtig, sich „mit Eindringtiefe“ mit diesem Thema zu beschäftigen.












