„Atomwaffen sind der größte Irrsinn, den diese Menschheit erfunden hat“, sagt Agnieszka Brugger, eine europäische Atomwaffe hält sie für eine schlechte Idee. Aber die deutsche Beteiligung an der französischen Nuklearübung »Poker« und die daraus entstehende engere Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Großbritannien findet sie richtig. Die sei vor allem eine politische Stärkung der europäischen Abschreckung und Ergänzung des US-Schutzschirms und demonstriere Geschlossenheit.
Die stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion sagt im Atlantic Talk Podcast, diese Geschlossenheit könne mehr Sicherheit bringen, wenngleich Frankreich Finanzierung, Entwicklung und Entscheidungsgewalt in nationaler Hand behalte. Das sei der viel bessere Weg als eine deutsche, skandinavische oder gesamteuropäische Nuklearwaffe anzustreben, denn das würde den Nichtverbreitungsvertrag weiter schwächen und andere Staaten zur Nachahmung ermuntern: »Man muss überlegen, wie man seinen Schutz vergrößern kann, ohne auf der anderen Seite eine große Spirale der Verbreitung auszulösen«.
Weil New START und andere Verträge nicht mehr gelten und damit Obergrenzen, Inspektionen, Datenaustausch und funktionierende Kommunikationskanäle fehlen, sei die Welt jetzt ohnehin »extrem viel gefährlicher«. Deshalb greife der Vergleich der Gegenwart mit dem Kalten Krieg zu kurz, denn damals habe man ja erkannt, dass Risiken durch Verträge und Dialog eingeht werden müssen.
Im Gespräch mit Podcast-Host Dario Weilandt spricht Agnieszka Brugger auch darüber, wie sich ihrer Meinung nach nukleares Wettrüsten kontrollieren ließe und die Welt zu funktionierender Rüstungskontrolle zurückkehren könnte. Sie hofft am Ende von den politischen Verantwortlichen der Welt, »dass angesichts der brutalen Realität irgendwann dann doch wieder die Einsicht kommt, dass man hier im Sinne der gesamten Menschheit sich an einen Tisch setzen muss«.
Sie selbst und ihre Partei, die ihre Wurzeln in der Friedensbewegung hat, sei weiterhin »eine Partei, die sich für Frieden, Menschenrechte und Sicherheit einsetzt«. Das bedeute in der gegenwärtigen Realität die Verteidigung der europäischen Friedensordnung mit Waffenlieferungen an die Ukraine, dem Ausbau militärischer Fähigkeiten und der nuklearen Teilhabe. Diese Erkenntnis sei bitter. Trotz allem halte sie am idealistischen Abrüstungsziel fest, das hoffentlich kommt, ohne dass die Welt eine nukleare Katastrophe erlebt.
(Aufgezeichnet am 24.08.2026)




