Europa rüstet so schnell auf wie seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr. Doch höhere Verteidigungsausgaben allein reichen nicht aus, um die europäische Sicherheit langfristig zu gewährleisten. Entscheidend ist vielmehr, ob es gelingt, die notwendigen industriellen Kapazitäten aufzubauen, moderne Militärtechnologie bereitzustellen und die europäische Verteidigungsfähigkeit nachhaltig zu stärken.
Unter dem Titel „Lessons from History: Building the Industrial Base for European Deterrence and Defence“ widmete sich eine Podiumsdiskussion der Frage, welche Lehren sich aus der Geschichte der Kriegswirtschaft für die gegenwärtigen sicherheits- und industriepolitischen Herausforderungen Europas ziehen lassen. Die Deutsche Atlantische Gesellschaft veranstaltete die Diskussion gemeinsam mit der Philosophischen Fakultät der Universität Potsdam und dem Kiel Institut für Weltwirtschaft.
Ausgangspunkt war eine neue wissenschaftliche Studie, die aus einem Jahrhundert Kriegswirtschaft zehn zentrale Lehren für die heutige Aufrüstung ableitet. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Europa eine leistungsfähige Verteidigungsindustrie aufbauen, seine Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten verringern und zugleich seine wirtschaftliche Souveränität und Widerstandsfähigkeit bewahren kann.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Spannungsverhältnis zwischen staatlicher Industriepolitik und marktwirtschaftlichen Strukturen. Denn die für eine glaubwürdige Abschreckung erforderlichen Produktionskapazitäten entstehen nicht zwangsläufig durch private Investitionen allein. Gleichzeitig müssen Beschaffungsprozesse beschleunigt, technologische Innovationen gefördert und vorhandene Ressourcen effizient eingesetzt werden.
Die historischen Erfahrungen zeigen jedoch auch die Risiken einer staatlich gelenkten Verteidigungswirtschaft: Einmal geschaffene Strukturen und wirtschaftliche Interessen können weit über die ursprüngliche sicherheitspolitische Notwendigkeit hinaus bestehen bleiben. Die Diskussion beschäftigte sich deshalb auch mit der Frage, wie Europa seine Verteidigungsindustrie heute stärken kann, ohne damit langfristig ineffiziente Strukturen und neue Abhängigkeiten zu schaffen.
Die Veranstaltung beleuchtete damit eine zentrale Herausforderung der europäischen Sicherheitspolitik: Wie lässt sich eine Verteidigungsindustrie schaffen, die kurzfristig die militärische Einsatzbereitschaft erhöht und zugleich langfristig wirtschaftlich tragfähig, technologisch leistungsfähig und politisch unabhängig bleibt?
Im Anschluss an die Podiumsdiskussion hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, eigene Fragen einzubringen und die angesprochenen Herausforderungen weiter zu vertiefen.









