Der Text ist zuerst bei EuropÀische Sicherheit & Technik (ES&T) erschienen.
NatĂŒrlich bringt DĂ€nemarks MinisterprĂ€sidentin Mette Frederiksen es auf den Punkt, wenn sie vor dem Ende der NATO warnt, falls sich Donald Trump Grönland gewaltsam einverleibt. Deshalb ist es das Mindeste, wenn sich Europas Kernstaaten, darunter Deutschland, in einer gemeinsamen ErklĂ€rung gegen eine Annexion stemmen und darauf verweisen, dass Grönland allein seinem Volk gehöre und es allein Sache Grönlands und DĂ€nemarks sei, ĂŒber die eigenen Angelegenheiten zu entscheiden.
Keine Frage: Grönland darf nicht zum zweiten Venezuela werden. Das Recht des StÀrkeren darf sich nicht ungebremst fortsetzen. Und dennoch stellt sich die Frage: Hat Trump nicht vielleicht doch recht, wenn er auf die Sicherheitsinteressen der USA hinweist? Und nicht nur das: Sind die US-Interessen nicht auch die NATO-Interessen, und damit auch unsere, die deutschen Interessen?

Annexion darf keine Option sein â aber die Sicherheitsfrage bleibt
Die Begehrlichkeiten der USA, das wird leicht vergessen, sind allerdings keineswegs neu. Schon 1946 hatte PrĂ€sident Harry Truman versucht, die gröĂte Insel der Welt fĂŒr 100 Millionen Dollar zu kaufen, wie frĂŒher schon Alaska. Die damalige Kolonialmacht DĂ€nemark lehnte ab. Gelungen, und zwar mit Zustimmung des Königreiches, jedoch ist damals eine umfassende amerikanische Militarisierung Grönlands mit zahlreichen Basen, darunter auch einem geheimen AtomstĂŒtzpunkt unter dem Eis, von dem anscheinend auch die dĂ€nische Regierung nichts wusste.
In Zeiten des Kalten Krieges war die amerikanische MilitĂ€rprĂ€senz auch von der NATO durchaus erwĂŒnscht. Sie war zum einen fĂŒr die amerikanische Sicherheit entscheidend wichtig, weil ĂŒber Grönland hinweg die Flugbahn sowjetischer Raketen gelegen hĂ€tte. Zum anderen tummelten sich auch damals schon Schiffe der sowjetischen Flotte in der Arktis, die fĂŒr Moskau ohne Zweifel genauso strategisch bedeutsam war (und auch heute bleibt) wie fĂŒr die NATO-Staaten USA und Kanada. Die groĂe US-PrĂ€senz auf der Insel war also durchaus im ureigensten Interesse auch der ĂŒbrigen Mitglieder der westlichen MilitĂ€rallianz. Sie hat sich damit bequem arrangiert.
Darauf hat soeben US-VizeprĂ€sident J.D. Vance hingewiesen. Europa und DĂ€nemark hĂ€tten hier âkeinen guten Job gemachtâ. Auch heute sei die Insel weiterhin wegen möglicher Raketenangriffe aus Russland und China fĂŒr die USA âkritischâ.

Warum Grönland fĂŒr die NATO strategisch zĂ€hlt â damals wie heute
Neu sind jedoch zwei Dinge: Zum einen der Klimawandel. Das Grönland-Eis schmilzt zunehmend, neue Schifffahrtsrouten werden möglich. Das ist sowohl wirtschaftlich wie militĂ€risch bedeutend. Zum zweiten gibt es einen Spieler, den es im Kalten Krieg so nicht gab: China, im Wettbewerb mit den USA als fĂŒhrende Weltmacht, zeigt immer stĂ€rker PrĂ€senz und will die Nord-Passage zum Teil seiner SeidenstraĂen-Initiative machen.
Die Arktis rĂŒckt also immer mehr in den geostrategischen Fokus. Trump hatte das schon frĂŒh verkĂŒndet und erhöht nun den Druck massiv. Immer wieder betont er, der Besitz Grönlands sei fĂŒr Sicherheit der USA unerlĂ€sslich.
Dass das WeiĂe Haus hier auch mit der militĂ€rischen Option droht, darf nicht hingenommen werden. Das sehen auch Trumps UnterstĂŒtzer im Kongress zunehmend so. Das eigentliche Ziel jedoch, dass sich in Washington herauskristallisiert, ist der erneute Versuch, Grönland mit seiner durchaus DĂ€nemark-kritischen Bevölkerung zu kaufen und von Kopenhagen abzuspalten. Auch das darf man weder im EU-Staat DĂ€nemark noch in der ĂŒbrigen EU akzeptieren.
PrĂ€sident Donald Trump lĂ€sst hier nicht locker. In seinem groĂen, sehr demonstrativen Interview mit der New York Times wiederholte er erneut, es ginge um den Besitz von Grönland. Er glaube, Besitz sei âpsychologisch wichtig fĂŒr den Erfolgâ. Es sei etwas anderes als Mieten oder einen Vertrag.
Und auf die Frage, was PrioritĂ€t habe, Grönland zu ĂŒbernehmen oder die NATO zu erhalten, antwortete er zwar nicht direkt, sagte aber: âEs könnte eine Wahl sein.â
Gemeinsame Arktis-Strategie statt amerikanischer Alleingang
Was also tun? Es wird höchste Zeit, die gemeinsamen Interessen Europas und der USA in der Arktis herauszuarbeiten. Sie sind ohne Zweifel vorhanden. Grönland ist NATO-Territorium. Die SicherheitsansprĂŒche Amerikas sind nachvollziehbar, das aggressive Auftreten Chinas und Russlands ist auch eine Bedrohung fĂŒr Europa. Die westliche Allianz sollte ihrer FĂŒhrungsmacht Amerika anbieten, sich zusammen fĂŒr die Sicherheit im Norden einzusetzen. Das wĂ€re ein starkes Signal in Richtung Moskau und Peking. Und es wĂ€re vor allem ein Angebot an Washington. Trump hat durchaus erfolgreich Druck auf die NATO gemacht, sich bei der Verteidigung massiv stĂ€rker einzubringen, um die USA bei der Stange zu halten. Europa sollte ihn hier beim Wort nehmen, wenn es um die Sicherheit in der Arktis geht.







