Der Weltraum ist eine strategische Arena, die sich gerade durch eine rasante technische Entwicklung zu einem Wirtschaftsraum kritischer Infrastruktur entwickelt, aber völkerrechtlich kaum geregelt und Bedrohungen ausgesetzt ist. Da Weltraumnutzung natĂŒrlicherweise âdual-useâ ist, hat der Weltraum auch eine militĂ€rische operative Dimension. Die Kosten fĂŒr das Erreichen des erdnahen Orbits haben sich im letzten Jahrzehnt um 80 Prozent vermindert, private Raumstationen und Weltraumflugzeuge sind zukĂŒnftig zu erwarten. Der Weltraummarkt wird von den USA und China dominiert, ganz Europa hatte 2025 einen Marktanteil der Starts von nur 2,5%.
WeltraumgestĂŒtzte Dienste sind heute allgegenwĂ€rtig und wichtig. Wettervorhersage, Kommunikation, Erdbeobachtung, Navigation und hochprĂ€zise Zeitsynchronisation, z.B. im Finanzmarkt, hĂ€ngen von Satelliten ab. Aber diese Dienste werden bereits heute gestört. Beim Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 wurde das Viasat-Satellitensystem von Russland gestört, mit dem auch viele deutsche Windkraftanlagen ĂŒberwacht werden. Und der GPS-Dienst wird von Russland bis heute im Baltikum gestört. Kommunikationssatelliten werden durch Verfolgungssatelliten abgehört oder gestört, Killersatelliten wurden in Position gebracht, Satelliten durch Raketen zerstört. China kann inzwischen Satelliten betanken, aber auch abschleppen.


Bereits zu Beginn der Raumfahrt 1957 war der Weltraum ein strategischer Schauplatz. Sputnikâ1 war nicht nur Propaganda, sondern auch eine Demonstration interkontinentaler RaketenfĂ€higkeit. Man muss seinen Gegner erreichen können, man braucht zur Abschreckung ZweitschlagfĂ€higkeit, dazu muss man aber auch seinen Gegner ĂŒberwachen und KommunikationskanĂ€le fĂŒr schnelle Entscheidungen haben. FĂŒr all das braucht man den Weltraum.
Russland soll inzwischen daran arbeiten, einen nuklearen Sprengkopf im All zu platzieren. haben. Mit seiner Detonation wĂ€re nicht nur die ungeschĂŒtzte Elektronik auf der Erde zerstört, sondern auch ein groĂer Teil der Satelliten.
Die deutsche nationale Sicherheitsstrategie sieht diese Bedrohungen. Daher soll das Weltraumlagezentrum ausgebaut und zusammen mit Partnern ein globales Sensornetzwerk geschaffen werden. Die Raumfahrtstrategie betont die Bedeutung der sicheren Raumfahrt fĂŒr Wirtschaft und Staat und den Schutz eigener FĂ€higkeiten. Im Koalitionsvertrag stehen nationale Satelliten und nationale TrĂ€gersysteme ebenso wie eine Weltraumsicherheitsstrategie. FĂŒr die Weltraumverteidigung sollen bis 2030 insgesamt 35 Mrd.⏠bereitgestellt werden.
Sicherheit im Weltraum besteht aus der Sicherung des Betriebs und der Vermeidung von UnfĂ€llen (Safety) genauso wie dem Schutz und der Verteidigung gegen absichtliche Bedrohungen (Security). Safety ist notwendig, da heute 13.000 Satelliten, 40.000 TrĂŒmmer gröĂer 10 cm und geschĂ€tzt 1 Mio. kleine TrĂŒmmer im Orbit unterwegs sind und diese und das elektromagnetische Weltraumwetter, der Einfluss der Sonne, zu ĂŒberwachen sind. Dies geschieht ressortĂŒbergreifend im Weltraumlagezentrum Uedem. Zur Lagedarstellung kommen Informationen fĂŒr die Truppe ĂŒber ĂberflĂŒge gegnerischer AufklĂ€rungssatelliten, die Planung von Ausweichmanövern gegen Kollisionen und Wiedereintrittswarnungen.
Die Weltraumverteidigung muss gegen Funkstörungen (Jamming), Laserblendung (Dazzling), vom Boden oder aus dem Orbit gestartete Antisatellitenwaffen und Rendezvous zum Abhören oder Rammen wirken. Dazu benötigt die Bundeswehr nicht nur Raumsegmente, sondern ein System mit Bodensegmenten, TrÀgersystemen, einem Lagebild und Entscheidungswegen unter Einschluss der Nutzer.
Weltraumoperationen sind integraler Teil militĂ€rischer Gesamtoperationen. Sie sind Teil von Flugkörperabwehr, AufklĂ€rungsabwehr, elektromagnetischem Kampf und Cyberkampf. Sie erfordern Lagebewusstsein, defensive wie offensive FĂ€higkeiten und FĂŒhrungsfĂ€higkeit. FĂŒr die Bundeswehr spielt Weltraumtechnik bei Wetterinformationen, Kommunikation, AufklĂ€rung, FrĂŒhwarnung, Positionsbestimmung und Navigation sowie bei der Zeitsynchronisation eine wichtige Rolle. Daher mĂŒssen die bodengestĂŒtzte Sensorausstattung sowie die Satelliten fĂŒr Kommunikation, AufklĂ€rung und FrĂŒhwarnung ergĂ€nzt werden. Dazu bringt sich die Bundesrepublik in verschiedene multinationale Initiativen ein.
In der Diskussion wurden noch einige Aspekte vertieft. FĂŒr eine eigene Teilstreitkraft ist das der Luftwaffe zugeordnete Weltraumkommando zu klein. Russland wird auf Dauer bei der Raumfahrt nicht mithalten können, der globale Wettbewerb wird zwischen den USA und China ausgetragen. Bei der Drohnensteuerung ist die Entwicklung schwer vorherzusagen. Derzeit wird auf Glasfaser gesetzt, evtl. ist auch mehr Autonomie und damit weniger Steuerungsnotwendigkeit möglich oder die Steuerung von Drohnen geschieht mittels Laser aus dem Weltraum. Innerhalb der Bundeswehr muss die Kultur der Risikovermeidung aufgebrochen und in eine Kultur des Risikomanagements umgewandelt werden.






