Deutsche Atlantische Gesellschaft e.V.

Zum 70. Geburtstag der Deutschen Atlantischen Gesellschaft

Auch in herausfordernden Zeiten im Dienst von Freiheit, Sicherheit und transatlantischer Partnerschaft

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Die Deutsche Atlantische Gesellschaft begeht heute ihren 70. Geburtstag. Dieses JubilĂ€um erfĂŒllt uns mit Dankbarkeit, mit Stolz und mit einem klaren Bewusstsein fĂŒr die Verantwortung, die aus unserer Geschichte erwĂ€chst. Als die Deutsche Atlantische Gesellschaft am 20. MĂ€rz 1956 in Bonn gegrĂŒndet wurde, stand die Bundesrepublik Deutschland noch am Anfang ihrer sicherheitspolitischen Selbstverortung. Die Schrecken des Zweiten Weltkriegs waren allgegenwĂ€rtig, die Erinnerung an Zerstörung, Leid und Diktatur lebendig, und zugleich vollzog sich mit der Westintegration eine historische Weichenstellung. 

Der Beitritt der Bundesrepublik zur NATO am 9. Mai 1955 war damals alles andere als selbstverstĂ€ndlich. Er war das Ergebnis einer tiefen politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung ĂŒber Freiheit, Verantwortung, VerteidigungsfĂ€higkeit und die feste Einbindung Deutschlands in die Gemeinschaft der westlichen Demokratien. Aus dieser Stunde des Umbruchs heraus entstand unsere Gesellschaft: als Forum der AufklĂ€rung, des Dialogs und der festen Überzeugung, dass Deutschlands Zukunft nur in enger Partnerschaft mit seinen VerbĂŒndeten gesichert werden kann.

Die Deutsche Atlantische Gesellschaft wurde dabei aus der Mitte des Deutschen Bundestages heraus gegrĂŒndet. FederfĂŒhrend war der ehemalige Chef des Bundeskanzleramtes Otto Lenz, der zum ersten PrĂ€sidenten der Deutschen Atlantischen Gesellschaft gewĂ€hlt wurde. Nach seinem plötzlichen Tod folgte ihm Richard Jaeger im Amt. Dem Vorstand gehörten mit Eva GrĂ€fin Finckenstein, Dr. Richard Jaeger, Fritz Berendsen, Ministerialrat Dr. August Wegmann, Prof. Dr. Adolf SĂŒsterhenn und Ursula Fischbach-Wilke Persönlichkeiten an, die der jungen Gesellschaft von Beginn an politisches Gewicht und ĂŒberparteiliche Strahlkraft verliehen.

Schon die GrĂŒndungszeit zeigt, was die Deutsche Atlantische Gesellschaft von Anfang an ausmachte. Sie wollte nie nur ĂŒber MilitĂ€r und Strategie sprechen. Sie verstand die Atlantische Gemeinschaft immer auch als Wertegemeinschaft, gegrĂŒndet auf Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und mit der Einsicht, dass Sicherheit niemals selbstverstĂ€ndlich ist, sondern politisch erklĂ€rt, gesellschaftlich getragen und gemeinsam verteidigt werden muss. Gerade darin lag 1956 die eigentliche historische Leistung: In einer jungen Demokratie, in einer Zeit großer Zweifel und heftiger Debatten, fĂŒr die Ziele der NATO und fĂŒr die Notwendigkeit transatlantischer Verbundenheit zu werben.

Seitdem hat sich die Welt tiefgreifend verĂ€ndert. Aus der Blockkonfrontation des Kalten Krieges wurden Jahre der Hoffnung auf eine friedlichere europĂ€ische Ordnung. Auf die Teilung unseres Kontinents folgte seine WiederannĂ€herung. Deutschland gewann seine Einheit zurĂŒck und ĂŒbernahm Schritt fĂŒr Schritt mehr Verantwortung in Europa und im BĂŒndnis. Doch die Geschichte hat uns nicht in ein Zeitalter bleibender Sicherheit gefĂŒhrt. Heute erleben wir erneut, wie zerbrechlich Frieden ist: Russlands Krieg gegen die Ukraine, hybride Bedrohungen, Cyberangriffe, Desinformation, strategische Konkurrenz und die RĂŒckkehr harter Machtpolitik fĂŒhren uns mit aller Deutlichkeit vor Augen, dass Sicherheitspolitik kein Randthema ist, sondern eine zentrale Aufgabe freier Gesellschaften. 

Die NATO bleibt bis heute das erfolgreichste VerteidigungsbĂŒndnis unserer Zeit. Sie hat ihren Mitgliedern ĂŒber Jahrzehnte Schutz, StabilitĂ€t und politischen Zusammenhalt gegeben. Sie hat Freiheit gesichert, Abschreckung glaubwĂŒrdig organisiert und damit wesentlich dazu beigetragen, Frieden im BĂŒndnisraum zu bewahren. Dass dieses BĂŒndnis auch heute Vertrauen genießt, zeigen nicht nur die fortdauernd hohen Zustimmungswerte in den Mitgliedstaaten, sondern auch die Entscheidung Finnlands und Schwedens, der Allianz beizutreten.

Die GrĂŒndung der DAG vor siebzig Jahren hatte zum Ziel, die Rolle der NATO als die eines wertegebundenen DefensivbĂŒndnisses in die Gesellschaft durch Information und Dialog hineinzutragen und auch eine Plattform fĂŒr Diskussion in der sicherheitspolitischen Community zu bieten. Die NATO an sich wurde in Westdeutschland – von sehr linken Kampagnen gegen die sogenannte „Wiederbewaffnung“ und teilweise von der DDR-FĂŒhrung gezielt konstruierten und infiltrierten Desinformation abgesehen – nicht infrage gestellt. Das ist heute nicht fundamental anders, aber doch nicht sozusagen selbsterklĂ€rend. Deswegen ist es heute noch viel mehr unsere Aufgabe, in klassischen und neuen medialen Formaten aufsuchend auf Diskussionsbasis fĂŒr unsere sicherheitspolitischen Überzeugungen einzutreten und BĂŒrgerinnen und BĂŒrger dort zum Dialog einzuladen, wo sie stehen und sind. Zudem muss die politische Relativierung der Bedeutung der NATO durch disruptive Positionen geduldig und ĂŒberzeugend besprochen werden. Unser „NATO-Talk“ als Leitveranstaltung in Berlin trĂ€gt seit knapp zwanzig Jahren dieser Herausforderung Rechnung.

All diesen Aufgaben könnte die Deutsche Atlantische Gesellschaft ohne das engagierte ehrenamtliche Wirken vieler in Regionen und in Berlin nicht gerecht werden. Auf diese BeitrĂ€ge können wir stolz sein und zur Umsetzung des Mottos „Vigilia pretium libertatis“ („Wachsamkeit ist der Preis der Freiheit“) beitragen.

Wenn wir heute auf 70 Jahre Deutsche Atlantische Gesellschaft blicken, dann tun wir das nicht nur mit historischem RĂŒckblick, sondern mit einem klaren Auftrag fĂŒr die Zukunft. Die transatlantische Partnerschaft ist kein Relikt vergangener Jahrzehnte. Sie bleibt eine unverzichtbare Voraussetzung fĂŒr Sicherheit, Freiheit und StabilitĂ€t in Europa. Seit 70 Jahren steht die Deutsche Atlantische Gesellschaft fĂŒr die Überzeugung, dass die StĂ€rke des Westens nicht allein aus militĂ€rischer FĂ€higkeit erwĂ€chst, sondern aus gemeinsamen Werten, gegenseitigem Vertrauen und dem festen Willen, Frieden und Freiheit gemeinsam zu schĂŒtzen. Gerade in unsicheren Zeiten sind AufklĂ€rung, Dialog und BĂŒndnissolidaritĂ€t wichtiger denn je. Ihnen fĂŒhlt sich die Deutsche Atlantische Gesellschaft seit sieben Jahrzehnten verpflichtet – und diesem Auftrag wird sie auch in Zukunft mit Entschlossenheit dienen.

Wir werden weiterhin sehr aktiv bleiben!

Bundesminister a. D. Christian Schmidt
PrÀsident der Deutschen Atlantischen Gesellschaft

Ein Beitrag von:

Bundesminister a. D. Christian Schmidt

Hoher ReprĂ€sentant fĂŒr Bosnien und Herzegowina; PrĂ€sident der Deutschen Atlantischen Gesellschaft

Bundesminister a. D. Christian Schmidt trat 2021 das Amt des Hohen ReprĂ€sentanten fĂŒr Bosnien und Herzegowina an und ist seit 2006 PrĂ€sident der Deutschen Atlantischen Gesellschaft. Seit 1990 war er Abgeordneter des Deutschen Bundestages. Von 2002 bis 2005 war er Verteidigungspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und im Anschluss bis 2013 Parlamentarischer StaatssekretĂ€r beim Bundesminister der Verteidigung. 2014 wurde er zum Bundesminister fĂŒr ErnĂ€hrung und Landwirtschaft ernannt; ein Amt, das er bis 2018 bekleidete. Er ist stellvertretender Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung.

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Dario Weilandt

Leiter Kommunikation und Digitale Medien
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