Am 27. Mai 2026 fand die dritte Ausgabe des ersten Security Slams Deutschlands in den Räumlichkeiten unseres Partners, der Friedrich-Ebert-Stiftung, statt. Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, dass sicherheitspolitische Themen auch auf kreative und unterhaltsame Weise vermittelt und diskutiert werden können. Sechs Slammerinnen und Slammer präsentierten ihre Forschungsarbeiten und Perspektiven vor einem engagierten Publikum. Die Beiträge spannten einen Bogen von strategischer Kultur und Demokratie über digitale Radikalisierung und Klimasicherheit bis hin zu kultureller Einflussnahme, innerer Sicherheit und geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten.



DR. Charalampos Babis Karpouchtsis (Democratic Resilience Center, Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg) – Gewinner des Security Slam 2026
In seinem Beitrag „German Strategic Culture: Protecting the Border, Defending the Order?“ untersuchte Dr. Charalampos Babis Karpouchtsis die Veränderungen der deutschen strategischen Kultur im Kontext der Zeitenwende. Er analysierte, wie sich Deutschlands Sicherheitsverständnis angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und neuer sicherheitspolitischer Herausforderungen wandelt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie äußere Verteidigung und die Resilienz der freiheitlich-demokratischen Grundordnung miteinander verbunden sind. Anhand einer Diskursanalyse strategischer Dokumente und gesellschaftlicher Einstellungen zeigte er, dass strategische Kultur weit über militärische Aspekte hinausgeht. Sein Vortrag verdeutlichte, dass die Verteidigung der Demokratie sowohl gegen äußere als auch gegen innere Bedrohungen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist.
Kaiya Marrin Reisch (BAG RelEx)
Mit dem Vortrag „Mit 5 Klicks zum Extremisten – Wenn KI unsere Wut verstärkt“ beleuchtete Kaiya Marrin Reisch die Rolle künstlicher Intelligenz in modernen Radikalisierungsprozessen. Sie zeigte auf, wie extremistische Akteure generative KI und datenbasierte Methoden nutzen, um ihre Botschaften gezielt an unterschiedliche Zielgruppen anzupassen. Dabei stehen nicht nur offen radikale Inhalte im Fokus, sondern auch subtile Kommunikationsstrategien, die schrittweise extremistische Narrative verbreiten. Kaiya erklärte, wie soziale Medien und algorithmische Systeme als Verstärker solcher Inhalte wirken können. Ihr Beitrag machte deutlich, dass Radikalisierung aus dem Zusammenspiel von Technologie, Kommunikation und menschlicher Wahrnehmung entsteht und deshalb ein differenziertes Verständnis dieser Mechanismen erforderlich ist.



Dominik Juling (Stanford University)
Dominik Juling stellte in seinem Beitrag „Apokalypse abgesagt: Warum der Klimakonflikt-Diskurs ein Update braucht“ gängige Annahmen über den Zusammenhang von Klimawandel und Konflikten kritisch infrage. Basierend auf ethnographischer Feldforschung in Varanasi, Indien, zeigte er, dass Umweltstress nicht zwangsläufig zu Gewalt und gesellschaftlichem Zerfall führt. Stattdessen beobachtete er funktionierende lokale Gemeinschaften und Formen der Kooperation trotz schwieriger klimatischer Bedingungen. Er argumentierte, dass sicherheitspolitische Analysen häufig von bestimmten Vorstellungen menschlicher Natur geprägt sind und dadurch Konflikte voreilig prognostizieren. Sein Vortrag plädierte für einen Perspektivwechsel, der kooperative Lösungsansätze stärker berücksichtigt und Klimasicherheit nicht als unvermeidbare Konfliktspirale versteht.
Bozena Meske (Hochschule fĂĽr Musik und Theater Hamburg)
Bozena Meske präsentierte ihre Forschung zum Thema „Kulturmanagement im Kontext des kognitiven Krieges“. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie kulturelle Räume und Institutionen im Rahmen hybrider und kognitiver Kriegsführung als Einflussfelder genutzt werden können. Sie analysierte insbesondere die kulturellen Aktivitäten der Russischen Föderation in Deutschland und untersuchte diese vor dem Hintergrund sogenannter anthropologischer Aggression. Dabei beleuchtete sie Methoden wie Desinformation, gezielte Kommunikation und den Einsatz künstlicher Intelligenz. Ziel ihrer Arbeit ist die Entwicklung von Abwehrstrategien für Kultureinrichtungen, um gesellschaftlicher Destabilisierung vorzubeugen. Ihr Vortrag machte deutlich, dass Kultur zunehmend auch als sicherheitspolitischer Faktor betrachtet werden muss.
Jacqueline Thiele (Hochschule fĂĽr Wirtschaft und Recht Berlin, Polizeikommissarin in Berlin)
In ihrem Vortrag „Personalmangel in der Polizei: Die unterschätzte Gefahr für die innere Sicherheit“ thematisierte Jacqueline Thiele die Auswirkungen personeller Engpässe auf die Sicherheitsarchitektur. Anhand des Beispiels Berlin zeigte sie, dass Personalmangel weitreichende Folgen für die Polizeiarbeit und das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung hat. Sie erläuterte, wie reduzierte Präsenz im öffentlichen Raum und steigender Priorisierungsdruck die Einsatzfähigkeit der Polizei beeinträchtigen können. Als Polizeikommissarin brachte sie dabei sowohl praktische Erfahrungen als auch wissenschaftliche Erkenntnisse ein. Ihr Beitrag verdeutlichte, dass Personalmangel nicht nur ein organisatorisches Problem, sondern ein relevantes sicherheitspolitisches Risiko darstellt.



Amar Günther (Zeppelin Universität)
Amar Günther widmete sich in seinem Beitrag den Veränderungen des levantinischen Sicherheitskomplexes und deren Bedeutung für die arabische Welt. Er argumentierte, dass der Zerfall staatlicher Autorität in Syrien nicht zu einem Machtvakuum, sondern zu einer neuen hybriden Sicherheitsordnung geführt hat. Regionale Akteure wie Iran, Israel, die Türkei und die Golfstaaten prägen dabei zunehmend lokale Machtstrukturen. Auf Grundlage von Forschungsaufenthalten im Nahen Osten untersuchte er insbesondere die Handlungsspielräume lokaler Gemeinschaften und Minderheiten. Sein Vortrag zeigte, dass die Entwicklungen in der Levante beispielhaft für tiefgreifende Transformationsprozesse in der arabischen Welt stehen und zugleich sicherheitspolitische Auswirkungen auf Europa haben.
Die dritte Ausgabe des Security Slams verdeutlichte die große thematische Bandbreite aktueller sicherheitspolitischer Forschung. Die Beiträge zeigten, wie eng Fragen von Demokratie, KI, Kultur, Klimawandel, innerer Sicherheit und geopolitischen Entwicklungen miteinander verknüpft sind. Gleichzeitig machte die Veranstaltung deutlich, dass komplexe sicherheitspolitische Themen auch in innovativen und publikumsnahen Formaten erfolgreich vermittelt werden können.















