Deutsche Atlantische Gesellschaft e.V.

Perspektiven der transatlantischen Partnerschaft unter US-PrÀsident Donald Trump

Veranstaltungsaufzeichnung vom 21. Januar 2025, 15:00 Uhr mit dem Politischen Bildungsforum Hessen der Konrad-Adenauer-Stiftung

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Nach BegrĂŒĂŸung und inhaltlicher EinfĂŒhrung durch Moderatorin Marion Sendker, in der sie – keine 24 Stunden nach dem Amtsantritt von Donald Trump als neuer alter US-PrĂ€sident – die Bedeutung dieser ZĂ€sur in den internationalen Beziehungen deutlich machte, indem sie die bereits unmittelbar erfolgten vielfachen Dekrete ansprach, stellte sie auch die beiden Experten vor: Dr. David Sirakov, Direktor der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz e.V. und Dr. Andrew B. Denison, US-amerikanischer Politikwissenschaftler, Kommentator und Publizist sowie Direktor des Forschungsverbunds Transatlantic Networks.

Das GesprĂ€ch dominierten die außen- und sicherheitspolitischen Herausforderungen und Ansichten der neuen US-Administration: MilitĂ€rische Konflikte in der Ukraine und in Nahost, potenzielle Konflikte in Ostasien mit dem systemischen Rivalen China, eine uneinige EU und nach wie vor ein Deutschland, das nicht genug fĂŒr seine eigene Sicherheit sorge.

Zu Beginn analysierte Dr. Sirakov, dass sich nun der Isolationismus, eine alte amerikanische Tradition in der Außenpolitik, zurĂŒckkehre, kombiniert mit einer EinflusssphĂ€renpolitik, bei der es um Migration, Wirtschaft und Sicherheit gehe. Allerdings sei hierbei eine gewisse Unberechenbarkeit das Markenzeichen Trumps. Hinzu komme die Problematik, dass sich die Hyperpolarisierung in den USA zwischen Demokraten und Republikanern ebenfalls auf die Außenpolitik auswirke. Bestes Beispiel sei das Pariser Klimaabkommen: Unter Obama Zustimmung, unter Trump Ablehnung, unter Biden Zustimmung, unter Trump Ablehnung. Der einzige, weiterhin breiter Konsens in diesem Bereich Konsens sei die Identifizierung Chinas als Hauptgegner der USA. Unter Trump werde hier allerdings, wie allgemein in der Wirtschafts- und Sicherheitspolitik, der Ton deutlich schĂ€rfer werden.

Dr. Denison wandte den Blick nach Deutschland. In einer Zeit voller ZĂ€suren gelte es, Trumps Amerika zu verstehen und sich nicht zu sehr an der Person des PrĂ€sidenten abzuarbeiten. Denn PrĂ€sidenten kĂ€men und gingen, amerikanische Interesse und Institutionen blieben hingegen bestehen. Europa sei und bleibe wirtschaftlich und sicherheitspolitisch wichtig fĂŒr die USA und umgekehrt, wobei die AbhĂ€ngigkeit Europas und vor allem Deutschlands von den USA grĂ¶ĂŸer sei (vom amerikanischen Markt, Dollar und MilitĂ€r). Aber natĂŒrlich habe die USA vitale Interessen in Europa und tĂ€tigte große Investitionen hier. Ohne Freiheit, Frieden und Wohlstand in Europa könnte sie auch in Asien nicht ihre Ziele erreichen. Aber: Insbesondere Deutschlands VerlĂ€sslichkeit werde zunehmend hinterfragt, dessen „Trittbrettfahrerei“ kritisch gesehen. Sind die Aufgaben und der Nutzen fair verteilt? Nutzt Deutschland die USA aus? Mit anderen EuropĂ€ern bestĂŒnden gegenseitig keine so großen Vorbehalte. Dass Russland und China ernste Bedrohungen seien, werde hierzulande noch nicht mit aller Klarheit gesehen bzw. fĂŒhre nicht zu den notwendigen Konsequenzen, wofĂŒr man auch bereit sein mĂŒsse, Opfer zu bringen. Es mĂŒssten endlich die entsprechenden politischen Maßnahmen ergriffen werden.

Dr. Sirakov ergĂ€nzte, Trump teile grundsĂ€tzlich alte amerikanische Interessen, wĂ€hle aber andere Instrumente und eine klar artikulierte, harte Sprache. Die Frage, wo die USA vitale Interesse habe, ausgenutzt oder unfair behandelt wĂŒrden, treibe alle Amerikaner um und liege jeder geopolitischen Äußerung zugrunde, ob beim Panama-Kanal, Einfluss in Grönland oder den NATO-BeitrĂ€gen. Die Forderung, die letzteren in den Mitgliedsstaaten auf 5 Prozent des BIP zu steigern, seien dabei als GesprĂ€chsangebot zu werten, nicht als absolut und realistisch zu erreichendes Ziel. Dass insbesondere Deutschland seinen Etat aber signifikant erhöhen mĂŒsse, sei nicht nur ein valider Punkt Trumps, sondern eine amerikanische Forderung seit Jahrzehnten. Allerdings sei zu bezweifeln, dass dieser erneute Weckruf diesmal fĂŒr eine robustere deutsche Sicherheitspolitik sorgen werde; es fehle schlicht der politische Wille, das hierzu Nötige umzusetzen – obwohl mittlerweile jedem klar sein sollte, dass das alte „Modell Deutschland“ (Sicherheit von den USA, Energie aus Russland, Absatzmarkt Asien) so nicht mehr funktioniere.

Trotz der schĂ€rferen Töne und Forderungen dĂŒrfe nicht ĂŒbersehen werden, dass Deutschland geostrategisch fĂŒr die USA als MilitĂ€rstandort immense Wichtigkeit behalte, so Dr. Denison. Hier liege auch die Chance auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit, denn lĂ€ngst seien die militĂ€rischen Strukturen ineinander gewachsen. Er betonte, dass Deutschlands geringe NATO-Ausgaben dennoch nicht lĂ€nger hingenommen werden könnten, und verwies auf die Beispiele skandinavische und baltische Staaten, Polen und Ukraine, die zudem mit Hightech und Innovationen aufwarteten, was auch der Anspruch Deutschlands sein mĂŒsse.

Deutschlands Bedeutung als Drehkreuz amerikanischer Sicherheitspolitik unterstrich auch Dr. Sirakov, schließlich gebe es hier auch die grĂ¶ĂŸte amerikanische Community inkl. des grĂ¶ĂŸten MilitĂ€rkrankenhauses außerhalb der USA. Trotzdem mĂŒssten Deutschland und Europa dringend eigene Sicherheitsinteressen und ‑strategien identifizieren und vertreten, um dann mit den USA in Austausch gehen zu können. Dr. Denison prĂ€zisierte, Ideen seien ja vorhanden, aber bislang fehle es an der Bereitschaft, die nötigen Investitionen zu tĂ€tigen.

„Deutschland, ‚get real‘.“ – So könnte das Fazit nach diesem hochinteressanten und sehr informativen GesprĂ€ch lauten, schloss Marion Sendker: weniger moralischer Impetus, mehr Handeln und alles dafĂŒr zu tun, ein kooperatives VerhĂ€ltnis zu den USA zu bewahren.

Zu Gast:

Dr. David Sirakov

Direktor Atlantische Akademie Rheinland-Pfalz e.V.

Dr. Andrew B. Denison

Direktor von Transatlantic Networks

Dr. Andrew B. Denison promovierte an der Nitze School of Advanced International Studies der Johns Hopkins UniversitĂ€t in Washington D.C., seinen Magister machte er an der UniversitĂ€t Hamburg und seinen “Bachelor of Arts” an der University of Wyoming. Der ĂŒberzeugte Transatlantiker Andrew Denison, aufgewachsen und tief verwurzelt im Cowboystaat Wyoming, ist passionierter Fahrradfahrer und Bergwanderer, Ehemann und Vater zweier Söhne. Er wirkt seit ĂŒber 15 Jahren regelmĂ€ĂŸig als Kommentator und Experte in Funk und Fernsehen mit und ist Gast in Talkshows wie Presseclub (ARD), Internationaler FrĂŒhschoppen (Phoenix), Quergefragt (SWR), Hart aber fair (WDR), Talk in Berlin (n-tv), Talk vor Mitternacht (NDR), Phoenix Runde, Morgenmagazin (ARD/ZDF), Talk im Hangar 7 (servus tv), DeutschlandRadio Kultur, NDR Info, Maybrit Illner (ZDF) und Anne Will (ARD).

Moderation:

Marion Sendker

Journalistin und Juristin, Istanbul

Marion Sendker ist Journalistin, Moderatorin und Diplomjuristin mit Studium in MĂŒnster, Rom, Stellenbosch und Köln. Sie hat die Journalistische Nachwuchsakademie der Konrad-Adenauer-Stiftung absolviert, ist Altstipendiatin der Mercator-Stiftung und arbeitet fĂŒr verschiedene Hörfunk- und Social-Media-Redaktionen im WDR und Deutschlandfunk. Außerdem berichtet sie aus und in der TĂŒrkei, unter anderem fĂŒr Zeit und Zeit Online, die Welt und Welt/N24, den Deutschlandfunk und die tĂŒrkische Tageszeitung Milliyet. Ihr Schwerpunkt ist Sicherheits- und Außenpolitik. Sie lebt in Istanbul und Köln.

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Michael Simon

BĂŒroleitung · Referent
Wenzelgasse 42 · 53111 Bonn
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0228 – 61 66 04
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