Deutsche Atlantische Gesellschaft e.V.
Atlantic Talk Podcast abonnieren:
RSS-Feed Apple Podcast Spotify

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Die Strategische Lage zum Jahresbeginn 2026: „Bruch“ als neue Normalität

Atlantic Talk Podcast abonnieren:
RSS-Feed Apple Podcast Spotify

Am 28. Januar lud die Deutsche Atlantische Gesellschaft zur traditionellen „Strategischen Lage zu Jahresbeginn“ mit dem Abteilungsleiter Politik im Bundesministerium der Verteidigung ein. Begrüßt wurden die Gäste von Präsident der Deutschen Atlantischen Gesellschaft und Hohem Repräsentanten für Bosnien und Herzegowina, BM a.D. Christian Schmidt. Im Mittelpunkt stand der Vortrag von Dr. Jasper Wieck, der die aktuelle sicherheitspolitische Lage – in Anlehnung an den kanadischen Premierminister Mark Carney – als Phase des „Bruchs“ beschrieb: In hohem Tempo geraten Grundannahmen der internationalen Ordnung ins Wanken, während parallel mehrere Krisen Aufmerksamkeit binden – von Nahost bis zu neuen Spannungen im hohen Norden.

Russland als zentrale Bedrohung für Europas Sicherheit

Trotz dieser „disruptiven“ Entwicklungen setzte Wieck einen klaren Schwerpunkt: Russland bleibe die zentrale Bedrohung für die Sicherheit Europas. Der russische Revisionismus richte sich nicht nur auf die besetzten Gebiete in der Ukraine, sondern ziele auf eine hegemoniale Stellung nach sowjetischem Vorbild. Hybride Angriffe auf NATO-Staaten und ihre Gesellschaften gehörten bereits heute zum Instrumentarium Moskaus. Eine politische Beendigung des Krieges ändere daran wenig, solange die strategischen Ziele unverändert blieben.

Transatlantische Lage und europäische Verantwortung

Ein zweiter Schwerpunkt betraf die transatlantische Lage. Der US-Fokus auf China sei seit Jahren absehbar; zugleich erwarteten die USA eine stärkere europäische Verantwortung für konventionelle Verteidigung. Wieck verwies in diesem Zusammenhang auf die NATO-Beschlüsse von Den Haag und den dort markierten Aufwuchs der Verteidigungsanstrengungen. Gleichzeitig warnte er vor Fehlschlüssen, wenn die russische Bedrohung in strategischen Debatten zu stark auf die Ukraine reduziert werde.

Arktis, Grönland und glaubhafte Handlungsfähigkeit

Ausführlich ging Wieck auf die Arktis und die Grönland-Debatte ein. Russland verfüge dort über erhebliche militärische Fähigkeiten; die NATO habe den Nordatlantik und den hohen Norden jedoch seit langem in ihre Planungen und Übungen eingebunden. Entscheidend sei, amerikanische Sicherheitsinteressen glaubhaft im NATO-Rahmen zu adressieren – und diese Politik durch konkrete europäische Fähigkeiten zu untermauern.

Leitlinien zum Schluss: regelbasiert – und machtbewusst

Zum Abschluss formulierte Wieck zwei Leitlinien: Deutschland und Europa sollten an der regelbasierten Ordnung festhalten, müssten zugleich aber stärker in Machtkategorien denken. Europa könne als handlungsfähiger Machtpol auftreten – breiter als nur die EU, ausdrücklich auch mit Partnern wie Großbritannien und Norwegen – und politische Ziele durch belastbare militärische und wirtschaftliche Beiträge absichern.

Ausgiebige Diskussion mit Publikum und Podium

An den Impuls schloss sich eine ausführliche Diskussion an, moderiert von Sina-Maria Schweikle. Neben Dr. Jasper Wieck nahm auch Anna Engelke an der Debatte teil. Die Möglichkeit, Fragen aus dem Publikum zu stellen, wurde dabei intensiv genutzt und prägte den Austausch über die sicherheitspolitischen Herausforderungen zu Jahresbeginn.

Im Anschluss an Vortrag und Diskussion lud die Deutsche Atlantische Gesellschaft zu einem kleinen Empfang ein, der Raum für weitere Gespräche und Vernetzung bot.

Zu Gast:

Dr. Jasper Wieck

Politischer Direktor, Bundesministerium der Verteidigung (BMVg)

Jasper Wieck studierte nach seinem Grundwehrdienst Geschichte in Bonn und Paris. 1995 wurde er promoviert und trat 1994 in den Dienst des Auswärtigen Amtes in Bonn und Berlin ein. 2009 übernahm er die Leitung der Politischen Abteilung der deutschen Delegation bei der NATO in Brüssel. Von 2012 bis 2017 war Wieck Direktor für Grundsatzfragen der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik im Auswärtigen Amt in Berlin. 2017 wurde er stellvertretender Leiter der Deutschen Botschaft in Neu-Delhi. 2020 bis 2021 war Wieck Beauftragter für Ostasien, Südostasien und Pazifik mit Sitz in Berlin. Ab 2021 war er Sonderbeauftragter der Bundesregierung für Afghanistan und Pakistan und stellvertretender Generaldirektor für die Südasien- und Indopazifik-Politik. Seit 2022 ist er Politischer Direktor im Bundesministerium der Verteidigung.

Anna Engelke

Stellvertretende Studioleiterin, ARD-Hauptstadtstudio

Anna Engelke ist seit Juli 2024 Leiterin der Gemeinschaftsredaktion Radio im ARD-Hauptstadtstudio in Berlin. Sie ist Host des sicherheitspolitischen Podcast Streitkräfte und Strategien des NDR. Von 2017 bis 2022 war sie Sprecherin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Als Hörfunk-Korrespondentin des NDR hat sie in Washington, Berlin und Bonn gearbeitet. Engelke begann ihre journalistische Laufbahn beim NDR.

Moderation:

Sina-Maria Schweikle

Verteidigungspolitische Korrespondentin im Berliner Parlamentsbüro, Süddeutsche Zeitung

Sina-Maria Schweikle hat nach Abschluss ihres Studiums in München von 2019 bis 2021 in Libanon gearbeitet - erst für eine politische Stiftung, dann für eine humanitäre Hilfsorganisation. Dort hat sie auch angefangen, journalistisch zu arbeiten. Seit 2022 ist sie bei der Süddeutschen Zeitung, seit März 2024 als verteidigungspolitische Korrespondentin im Berliner Parlamentsbüro.

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Dr. Nicolas Fescharek

Referent
Lennéstraße 11 · 10785 Berlin
030 20649-134
030 20649-136
Bildnachweise für diese Seite
 Copyright
DW 2023 Leo Simon 230411_lsimon_dag-8-150x150.jpeg
Anna Engelke ARD Hauptstadtstudio/ Thomas Kierok image002-scaled-e1738396762165-150x150.jpg
Autorenportraits Friedrich Bungert Schweikle_Bild-scaled-e1730364943780-150x150.jpg
Dr. Nicolas Fescharek Leo Simon dr-nicolas-fescharek-150x150.jpg
14227380994_951574e1ec_o © Roderick Eime - Flickr.com
Für Abbildungen, die hier nicht gelistet sind, ist kein Urheber-Nachweis notwendig, oder wir selbst sind der Urheber.
Double Opt-in by Forge12