Veranstaltungsbericht von Klaus Jochen Arnold vom Politischen Bildungsforum Brandenburg:
Die letzte Veranstaltung 2021 in der Reihe Politik & Sicherheit widmete sich dem Thema »Maritime Sicherheit«
Thomas Puls vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln schilderte Fragen der Handels- und Lieferkettensicherheit an drei Beispielthemen: Langfristige Entwicklungen im Welthandel, die Bedeutung fĂŒr Deutschland am Beispiel der Autoindustrie sowie zur Rolle der chinesischen SeidenstraĂe. Die Globalisierung auf dem Gebiet des Welthandels zeige sich auf vielen Gebieten. Der Containerumschlag der gröĂten HĂ€fen habe sich seit 2004 verdoppelt. Ein groĂer Teil des Schiffsverkehrs werde inzwischen ĂŒber chinesische HĂ€fen abgewickelt. Beim ContainerrĂŒcklauf gebe es zudem Probleme, weil weniger Waren nach China geliefert werden als umgekehrt. Zu verzeichnen sei ein enormer Anstieg der Containerfrachtpreise beim Chinahandel, u.a. deshalb, weil dort zahlreiche HĂ€fen wegen der Coronakrise nicht voll arbeiten und es zu langen Staus kommt.
Der Standort Deutschland habe sich bei der Autoindustrie ĂŒber lange Jahre stabil gehalten, die Produktionszahlen seien in den letzten Jahren insgesamt aber gesunken. FĂŒr die deutsche Autoindustrie sei der Export von Premiummarken besonders wichtig. Die SeidenstraĂe werde die in sie gesetzten Erwartungen kaum erfĂŒllen. Sie diene vor allem der Anbindung innerchinesischer Zentren an die WeltmĂ€rkte, die TransportkapazitĂ€ten seien jedoch per Eisenbahnverkehr begrenzt.
Flottillenadmiral Ulrich Reineke begann mit einem Gedankenspiel: Wer hĂ€tte sich vor 20 Jahren vorstellen können, dass China in wenigen Jahren so viele Kriegsschiffe neu baut, wie die gesamte französische Marine besitzt? Wer hĂ€tte sich vorstellen können, dass Russland auch militĂ€rtechnisch bedeutsame Fortschritte erzielen wĂŒrde? Wer hĂ€tte mit einer Migrationskrise in diesem AusmaĂ gerechnet? Alle diese Faktoren kĂ€men nun in ihrer ganzen KomplexitĂ€t zusammen. Dies stelle auch die Marine vor enorme Herausforderungen.
Flottillenadmiral Reineke erlĂ€uterte die Lage maritimer Sicherheit mit Blick auf den Nordatlantik und die Ostsee, das Mittelmeer und den Indopazifik. Alle seien durch spezifische Besonderheiten und Ereignisse geprĂ€gt. In der Ostsee sehe man sich mit russischen UnterwasseraktivitĂ€ten konfrontiert. Russland verlagere zudem die SeekriegsfĂŒhrung zu einem signifikanten Teil unter das Wasser, sowohl auf dem Gebiet der Kommunikation als auch autonomer Waffen. Im Nordatlantik gehe es vor allem um die Sicherung der Verkehrs- und Versorgungswege zum amerikanischen Kontinent. Im Mittelmeer seien Migrations- und FlĂŒchtlingsbewegungen bedeutsam, auch etwa Konflikte wie in Syrien und der Streit um Ressourcen, etwa bei der Förderung von Gas. Im Indopazifik entwickle sich eine besorgniserregende Lage in Bezug auf China. Australien habe in ungewöhnlich kurzer Zeit die Technologie zum Bau atomar getriebener UâBoote von den USA und GroĂbritannien erhalten, die australische Regierung wende sich deutlich gegen China. Strategische VerlegefĂ€higkeit sei in diesem Raum zukĂŒnftig besonders wichtig. China sei inzwischen in der Lage, RĂ€ume zu sichern, auch offensivere Tendenzen seien erkennbar. Deutschland habe als ânationales Signalâ die Fregatte Bayern in die Region entsandt, was auf positive Reaktionen gestoĂen sei. Aus seiner persönlichen Sicht, so Flottillenadmiral Reineke, wĂ€re ein gröĂeres âmaritimes Bewusstseinâ in der Gesellschaft wĂŒnschenswert.
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Unsere Sicherheit und unser Wohlstand liegen auf den Weltmeeren. Ăber sie werden knapp 80 Prozent des globalen Handels abgewickelt. Deutschland ist drittgröĂte Handelsnation der Welt, nach den USA und China. Rund 30 Prozent unserer Im- und Exporte werden ĂŒber das Meer verschifft. Im Bereich der Containerschifffahrt verfĂŒgt die Bundesrepublik sogar ĂŒber rund 15 Prozent der weltweiten KapazitĂ€ten und liegt damit auf Platz zwei. Gleichzeitig hat die Deutsche Marine â die kleinste Teilstreitkraft der Bundeswehr â erhebliche Schwierigkeiten, die Sicherheit unserer ĂŒberlebenswichtigen wirtschaftlichen Nachschublinien zu garantieren. Wie kann Deutschland zur Sicherung des freien Handels beitragen? Diese Frage wird aus politisch-wirtschaftlicher sowie sicherheitspolitischer Sicht behandelt.
Referenten:
Eine Anmeldung unter Angabe einer Mailadresse ist erforderlich. Den Zugangslink erhalten Sie am Tag der Veranstaltung.




