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Die Strategische Lage zum Jahresbeginn 2026: „Bruch“ als neue NormalitĂ€t

Aufzeichnung der Veranstaltung vom 28.01.2026

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Am 28. Januar hat die Deutsche Atlantische Gesellschaft zur traditionellen „Strategischen Lage zum Jahresbeginn“ eingeladen. Hauptredner war wieder der Abteilungsleiter Politik im Bundesministerium der Verteidigung, Dr. Jasper Wieck. Der DAG-PrĂ€sident und Hohe ReprĂ€sentanten fĂŒr Bosnien und Herzegowina, BM a.D. Christian Schmidt begrĂŒĂŸte die GĂ€ste im vollbesetzten Hörsaal des Kaiserin-Friedrich-Hauses in Berlin. Im Mittelpunkt des Abends stand der Vortrag von Dr. Jasper Wieck, der die aktuelle sicherheitspolitische Lage, in Anlehnung an den kanadischen Premierminister Mark Carney, als Phase des „Bruchs“ beschrieb: In hohem Tempo gerieten derzeit Grundannahmen der internationalen Ordnung ins Wanken, wĂ€hrend parallel mehrere Krisen Aufmerksamkeit binden – von Nahost bis zu neuen Spannungen im hohen Norden.

Russland als zentrale Bedrohung fĂŒr Europas Sicherheit

Trotz dieser vielfĂ€ltigen „disruptiven“ Entwicklungen setzte Wieck einen klaren Schwerpunkt: Russland bleibe die zentrale Bedrohung fĂŒr die Sicherheit Europas. Der russische Revisionismus richte sich nicht nur auf die besetzten Gebiete in der Ukraine, sondern ziele auf eine hegemoniale Stellung nach sowjetischem Vorbild. Hybride Angriffe auf NATO-Staaten und ihre Gesellschaften gehörten bereits heute zum Instrumentarium Moskaus. Eine politische Beendigung des Krieges Ă€ndere daran wenig, solange die strategischen Ziele unverĂ€ndert blieben.

Transatlantische Lage und europÀische Verantwortung

Ein zweiter Schwerpunkt der Rede lag auf einer Bestandsaufnahme der transatlantischen Beziehungen. Der US-amerikanische Fokus auf China sei seit Jahren absehbar; zugleich erwarteten die USA eine stĂ€rkere europĂ€ische Verantwortung fĂŒr konventionelle Verteidigung. Wieck verwies in diesem Zusammenhang auf die NATO-BeschlĂŒsse von Den Haag und den dort verabredeten Aufwuchs der Verteidigungsanstrengungen.

Arktis, Grönland und glaubhafte HandlungsfÀhigkeit

AusfĂŒhrlich ging Dr. Wieck auf die Arktis und die Grönland-Debatte ein. Russland verfĂŒge dort ĂŒber erhebliche militĂ€rische FĂ€higkeiten; die NATO habe den Nordatlantik und den Hohen Norden jedoch seit langem in ihre Planungen und Übungen eingebunden. Entscheidend sei, amerikanische Sicherheitsinteressen glaubhaft im NATO-Rahmen zu adressieren – und diese Politik durch konkrete europĂ€ische FĂ€higkeiten zu untermauern.

Leitlinien zum Schluss: regelbasiert – und machtbewusst

Zum Abschluss formulierte Dr. Wieck zwei Leitlinien: Deutschland und Europa sollten an der regelbasierten Ordnung festhalten, mĂŒssten zugleich aber stĂ€rker in Machtkategorien denken. Europa könne als handlungsfĂ€higer Machtpol auftreten – das umfasse ausdrĂŒcklich nicht nur die EU-Mitgliedsstaaten, sondern auch Partner wie Großbritannien und Norwegen – und politische Ziele durch belastbare militĂ€rische und wirtschaftliche BeitrĂ€ge absichern.

Ausgiebige Diskussion mit Publikum und Podium

Im Anschluss an die Rede fĂŒhrte Anna Engelke (ARD-Hauptstadtstudio) in einem ausfĂŒhrlichen Kommentar durch die einzelnen Aspekte der Rede und stellte prĂ€zise Nachfragen zu Punkten wie der autonomen HandlungsfĂ€higkeit Europas oder dem Wunsch nach einer effizienteren europĂ€ischen Beschaffungspolitik. Darauf folgte eine ausfĂŒhrliche Diskussion, moderiert von Sina-Maria Schweikle. Die Möglichkeit, Fragen aus dem Publikum zu stellen, wurde dabei intensiv genutzt und prĂ€gte den Austausch ĂŒber die sicherheitspolitischen Herausforderungen zu Jahresbeginn.

Im Anschluss an die Veranstaltung lud die Deutsche Atlantische Gesellschaft zu einem kleinen Empfang ein, der Raum fĂŒr weitere GesprĂ€che und Vernetzung bot.

Hier können Sie den Vortrag nachlesen.

Zu Gast:

Dr. Jasper Wieck

Politischer Direktor, Bundesministerium der Verteidigung (BMVg)

Jasper Wieck studierte nach seinem Grundwehrdienst Geschichte in Bonn und Paris. 1995 wurde er promoviert und trat 1994 in den Dienst des AuswĂ€rtigen Amtes in Bonn und Berlin ein. 2009 ĂŒbernahm er die Leitung der Politischen Abteilung der deutschen Delegation bei der NATO in BrĂŒssel. Von 2012 bis 2017 war Wieck Direktor fĂŒr Grundsatzfragen der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik im AuswĂ€rtigen Amt in Berlin. 2017 wurde er stellvertretender Leiter der Deutschen Botschaft in Neu-Delhi. 2020 bis 2021 war Wieck Beauftragter fĂŒr Ostasien, SĂŒdostasien und Pazifik mit Sitz in Berlin. Ab 2021 war er Sonderbeauftragter der Bundesregierung fĂŒr Afghanistan und Pakistan und stellvertretender Generaldirektor fĂŒr die SĂŒdasien- und Indopazifik-Politik. Seit 2022 ist er Politischer Direktor im Bundesministerium der Verteidigung.

Anna Engelke

Stellvertretende Studioleiterin, ARD-Hauptstadtstudio

Anna Engelke ist seit Juli 2024 Leiterin der Gemeinschaftsredaktion Radio im ARD-Hauptstadtstudio in Berlin. Sie ist Host des sicherheitspolitischen Podcast StreitkrÀfte und Strategien des NDR. Von 2017 bis 2022 war sie Sprecherin von BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier. Als Hörfunk-Korrespondentin des NDR hat sie in Washington, Berlin und Bonn gearbeitet. Engelke begann ihre journalistische Laufbahn beim NDR.

Moderation:

Sina-Maria Schweikle

Verteidigungspolitische Korrespondentin im Berliner ParlamentsbĂŒro, SĂŒddeutsche Zeitung

Sina-Maria Schweikle hat nach Abschluss ihres Studiums in MĂŒnchen von 2019 bis 2021 in Libanon gearbeitet - erst fĂŒr eine politische Stiftung, dann fĂŒr eine humanitĂ€re Hilfsorganisation. Dort hat sie auch angefangen, journalistisch zu arbeiten. Seit 2022 ist sie bei der SĂŒddeutschen Zeitung, seit MĂ€rz 2024 als verteidigungspolitische Korrespondentin im Berliner ParlamentsbĂŒro.

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Dr. Nicolas Fescharek

Referent
LennĂ©straße 11 · 10785 Berlin
030 20649-134
030 20649-136
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