Deutsche Atlantische Gesellschaft e.V.
NATO Secretary General Jens Stoltenberg meets with the Minister of Foreign Affairs of the Russian Federation, Sergey Lavrov

Standfestigkeit und Klarheit gegenĂŒber Moskau

Botschafter a.D. Martin Erdmann mit fĂŒnf GrundsĂ€tzen gegen Wunschdenken und fĂŒr mehr Realismus

Atlantic Talk Podcast abonnieren:
RSS-Feed Apple Podcast Spotify

Original-Beitrag auf kas.de

Der brutale Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine tritt in diesen Tagen in den fĂŒnften Monat. Die Nachrichten und Fernsehbilder aus den Kampfzonen werden hierzulande weiterhin in empathisch-mitfĂŒhlender Weise verfolgt, das Entsetzen der ersten Wochen ist gleichwohl einer routinierteren Betrachtung gewichen. Demonstrationen gegen die barbarische Moskauer KriegsfĂŒhrung, sollte es sie noch vereinzelt geben, erreichen nicht mehr das öffentliche Bewusstsein. Die Schlagzeilen werden zunehmend bestimmt von ausbleibenden Gaslieferungen, Gasknappheit im kommenden Winter und den Auswirkungen der westlichen Sanktionen und russischen Reaktionen fĂŒr die Menschen in Deutschland und Europa.

Selbsternannte „Intellektuelle“ mit scheinbar friedensethischem moralischen Anspruch rufen zu einem Ende der Kampfhandlungen auf und schlagen „GesprĂ€che“ sowie eine nebulöse „Verhandlungslösung “ vor – mit einem Moskauer RĂ©gime, das zuletzt ausschließlich durch LĂŒgen, Hasspropaganda und einem beispiellosen Abschlachten der ukrainischen Zivilbevölkerung aufgefallen ist. Ein Ende dieser menschenverachtenden russischen Aggression ist nicht absehbar; im Gegenteil, jetzt bedient sich Russland noch militĂ€rtechnischer UnterstĂŒtzung aus dem Iran. Nichts deutet derzeit auf ein Einlenken Moskaus hin!

In dieser Situation ist politische Klarheit und Standfestigkeit gefordert, weder Wunschdenken noch diplomatische Verrenkungen gegenĂŒber Moskau helfen weiter.

Klar muss sein, dass

  1. fĂŒr einen unvorhersehbar langen Zeitraum der politische Westen, vor allem der euro-atlantische Raum seine Sicherheit nicht mehr mit oder ohne, sondern nur gegen Russland organisieren wird;
  2. die Gestaltung einer kĂŒnftigen Sicherheitsarchitektur in Europa dem Grundsatz der Sicherheit vor Russland folgen muss. Dies betrifft in erster Linie unsere militĂ€rische SolidaritĂ€t mit den EU- und Nato-Staaten an der Ostflanke, insbesondere im Baltikum;
  3. die RĂŒcksichtnahme auf außen- und sicherheitspolitische Empfindlichkeiten Moskaus ein Ende haben muss. Die blauĂ€ugige Beschwichtigungspolitik der vergangenen drei Jahrzehnte – trotz Georgienkrieg 2008, Krimannexion 2014, des grausamen Vorgehens gegen die syrische Zivilbevölkerung und staatliche Auftragsmorde sowie Cyberattacken – sind in der RĂŒckschau eine moralische BankrotterklĂ€rung des Westens. Kein Geringerer als der BundesprĂ€sident hat auf diese IrrtĂŒmer hingewiesen;
  4. Putin vor allem auf Deutschland und seine öffentliche Meinung schaut. Er setzt auf die Erosion der bisher ĂŒberwiegend gezeigten Standhaftigkeit der deutschen Politik gegenĂŒber dem russischen Angriffskrieg;
  5. sich vor diesem Hintergrund ein Gerede ĂŒber GesprĂ€chsangebote und BrĂŒckenbau gen Moskau verbietet. Das damit verbundene außen- und sicherheitspolitische GlaubwĂŒrdigkeitsdesaster wĂ€re verheerend fĂŒr das deutsche Ansehen und wĂŒrde Putin in die Karten spielen.
     

Ob, wann und wie eine von RealitĂ€tssinn geprĂ€gte GesprĂ€chskultur mit Moskau je wieder möglich sein wird, hĂ€ngt einzig und allein vom Kreml ab. Voraussetzungen sind die Abkehr von Angriffskrieg, Barbarei, LĂŒgen, Hasspropaganda und eine insgesamt auf Vernichtung des „Westens“ ausgerichtete Politik.

Ein Beitrag von:

Botschafter a.D. Martin Erdmann

Deutscher NATO-Botschafter (2010 – 2015); Botschafter in der TĂŒrkei (2015 – 2020)

Botschafter a.D. Martin Erdmann war zuletzt von 2015 bis 2020 Deutscher Botschafter in der TĂŒrkei. WĂ€hrend seiner knapp 40-jĂ€hrigen Zugehörigkeit zum AuswĂ€rtigen Dienst der Bundesrepublik Deutschland ĂŒbernahm er zahlreiche hochrangige Aufgaben. So war er u.a. Sprecher des AuswĂ€rtigen Amtes von 1995 bis 1999 unter den Außenministern Klaus Kinkel und Joschka Fischer.

Von 2005 bis 2010 berief ihn der damalige NATO-GeneralsekretĂ€r Jaap de Hoop Scheffer als Beigeordneten GeneralsekretĂ€r fĂŒr Politische Fragen (Assistant Secretary General) in den Internationalen Stab der NATO-Zentrale in BrĂŒssel.

Anschließend war er von 2010 bis 2015 der deutsche StĂ€ndige Vertreter im Nordatlantikrat des BĂŒndnisses im Range eines Botschafters, von 2014-2015 als Doyen des NATO-Rates.

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Dario Weilandt

Leiter Kommunikation und Digitale Medien
LennĂ©straße 11 · 10785 Berlin
030 20649-134
030 20649-136
Bildnachweise fĂŒr diese Seite
 Copyright
NATO Secretary General attends the 76th Session of the United Nations General Assembly © NATO - Flickr.com
Botschafter Martin Erdmann Martin Erdmann unbenannt-150x150.jpg
DW 2023 Leo Simon 230411_lsimon_dag-8-150x150.jpeg
CS Mitgliederversammlung 4 DAG / Andreas Schwarz CS-Mitgliederversammlung-4-150x150.png
FĂŒr Abbildungen, die hier nicht gelistet sind, ist kein Urheber-Nachweis notwendig, oder wir selbst sind der Urheber.
Double Opt-in by Forge12