Der Text ist zuerst bei EuropÀische Sicherheit & Technik (ES&T) erschienen.
Schon seit Jahren hat er das brisante Thema immer wieder ins GesprĂ€ch gebracht, jetzt hat er klargestellt, was Frankreich will: PrĂ€sident Emmanuel Macron hat den europĂ€ischen VerbĂŒndeten angeboten, sie mit unter den französischen atomaren Schutzschirm zu nehmen. Und dabei die Deutschen als âSchlĂŒsselpartnerâ bezeichnet.
Das klingt erstmal vielversprechend, ja geradezu historisch. Aber eines wird so bleiben, wie es immer war: Wenn es um die letzten Entscheidungen ĂŒber den Einsatz der Atomwaffen geht, dann wird nur der französische PrĂ€sident diese Sprengköpfe freigeben.
Die âEurobombeâ also wird es auch in Zukunft nicht geben.
Macron öffnet den französischen Nuklearschirm
Dennoch: Macron traut sich was. Er holt die einzige EU-Atommacht politisch aus der abgeschotteten Exklusivrolle heraus und bietet nicht nur Deutschland, sondern auch weiteren Partnern wie Polen, DĂ€nemark, den Niederlanden, Belgien, Griechenland und Schweden an, bei einer europĂ€ischen nuklearen Abschreckung mitzumachen. Und das ganz schnell. Die ersten Schritte der Zusammenarbeit âwerden noch in diesem Jahr beginnenâ. Was das konkret heiĂen soll, deutet er zumindest an. Die Zusammenarbeit könne âBesuche strategischer Standorte sowie gemeinsame Ăbungen umfassenâ. Das wĂŒrde bedeuten, dass sich dann auch die Bundeswehr daran beteiligen sollte, denn seine Rede macht ĂŒberdeutlich, dass eben vor allem Deutschland bei diesem Angebot gemeint ist.
Gemeinsame Ăbungen sollen rasch starten
Es wird also ernst, wenn es um die Zukunft der nuklearen Abschreckung geht. Und Berlin muss sich dazu verhalten. Schon im Vorfeld freilich wurde klar, dass es dazu keine einfachen Antworten geben kann. Zwar hat sich Bundeskanzler Friedrich Merz auf einen Dialog mit Macron darĂŒber eingelassen und ihn anscheinend auch ermutigt, Deutschland als âSchlĂŒsselpartnerâ herauszustellen.
Aber das Dilemma ist doch offensichtlich. Was wird mit dem amerikanischen Schutzschirm, auf den sich die Bundesrepublik doch seit einem halben Jahrhundert immer verlassen hat? Und in dem Berlin doch mit der Komplettrenovierung des Atombomben-Standortes BĂŒchel und der Anschaffung der neuen TrĂ€gerwaffe Fâ35 doch gerade viele Milliarden investiert. Sind wir dabei, dieses Kernelement der NATO aufzugeben und gegen eine französische Force de FrappĂ© einzutauschen?
Gewiss nicht, so hat auch Merz schon vorab klargestellt. Es solle alles im Rahmen der NATO-Strukturen geschehen. Und seine Minister wurden noch deutlichen: Verteidigungsminister Boris Pistorius warnte nachdrĂŒcklich vor Doppelstrukturen und sprach von einem âfalschen Signalâ, Ă€hnlich Ă€uĂerte sich auch AuĂenminister Johann Wadepfuhl. Eine Abkehr von der nuklearen Teilhabe unter dem Schutzschirm der USA hat in der derzeitigen Koalition keine Freunde. Auch wenn die Skepsis gegenĂŒber der VerlĂ€sslichkeit der Trump-Regierung insgesamt wĂ€chst, gibt es bisher intern aus Washington keine Anzeichen dafĂŒr, dass man sich dort aus dem nuklearen Schutzschirm zurĂŒckziehen will.
Berlin sucht den Kurs zwischen Paris und Washington
Aber politisch ist der Geist durch Macrons Rede aus der Flasche. Es wird unmöglich sein, ihn dort wieder hereinzubekommen. DafĂŒr hat der PrĂ€sident jetzt nachdrĂŒcklich gesorgt. Er verweist sicherlich zu Recht auf die verĂ€nderte, zutiefst angespannte internationale Lage und nannte ausdrĂŒcklich Russland und China. Frankreich wird hier StĂ€rke zeigen. Er kĂŒndigte eine Erhöhung der Zahl der atomaren Sprengköpfe an, die derzeit bei rund 290 liegen, ein neues Atom-U-Boot soll ebenfalls gebaut werden. âWer frei sein will, muss gefĂŒrchtet sein. Wer gefĂŒrchtet sein will, muss stark seinâ, begrĂŒndete er das.
Die Frage steht im Raum: Geht es ihm vor allem darum, Paris zumindest auf diesem Gebiet in Europa eine fĂŒhrende Rolle zu geben? Die Endlos-Saga um das mit Deutschland angestrebte neue Kampfflugzeug FCAS, bei dem die Franzosen auf einer technischen Dominanz bestehen, legen diesen Verdacht zumindest nahe.
Paris rĂŒstet nuklear auf und reklamiert FĂŒhrung
WĂ€hrend Macron damit nun gerade Schlagzeilen macht, steigt Kanzler Merz ins Flugzeug in Richtung Washington. Die explosive Lage im Nahen Osten und die neuen US-Zölle werden dort die GesprĂ€che mit dem US-PrĂ€sidenten beherrschen. Ob dabei jetzt auch Macrons Angebot fĂŒr eine erweiterte nukleare Zusammenarbeit angesprochen wird, muss man abwarten. Trumps Aufmerksamkeit dĂŒrfte gewiss eher in Richtung Verhinderung von Atomaffen im Iran liegen.
Debatte ĂŒber Abschreckung gehört ins Parlament
Genauso klar ist aber auch, dass die Berliner Politik sich zu deutlichen Antworten bekennen muss. Die nukleare Abschreckung bleibt ein zu ernstes Thema fĂŒr die deutsche, aber auch fĂŒr die europĂ€ische Sicherheitspolitik. In Zeiten immer neuer Kriege braucht es jetzt eine intensive Diskussion nicht nur unter Experten, sondern auch in den Parlamenten, in Berlin und auch in BrĂŒssel.






