Die Deutsche Atlantische Gesellschaft (DAG), Regionalkreis Niederrhein hatte in Kooperation mit dem Zentrum Luftoperationen zum Wintervortrag in das Collegium Augustinianum Gaesdonck eingeladen.
Prof. Dr. Sönke Neitzel war als Referent gewonnen worden, um die Geschichte der Bundeswehr von ihrer GrĂŒndung bis heute zu beleuchten.
Dr. Markus Oberdörster, Schulleiter der Gaesdonck, freute sich ca. 400 GĂ€ste, unter ihnen viele SchĂŒler aus dem eigenen Haus und dem benachbarten Gymnasium in Goch begrĂŒĂen zu können. Die Gaesdonck, ein staatlich anerkanntes bischöfliches Gymnasium, war schon hĂ€ufiger Austragungsort fĂŒr Vortragsveranstaltungen und ist in jedem Jahr der Gastgeber fĂŒr das vorweihnachtliche Benefizkonzert der Bundeswehr. Es war also keine Ăberraschung, dass bei dem Referenten und dem Austragungsort, viele GĂ€ste erschienen waren. So freuten sich wieder Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft auf einen informativen Abend.



Generalleutnant Thorsten Poschwatta, Kommandeur des Zentrums fĂŒr Luftoperationen in Kalkar, stellte den Referenten vor und leitete zum Thema âDoppelte Ambivalenz. Anmerkungen zur Geschichte der Bundeswehr von 1955â2020â ein. Weiterhin informierte er die interessierten Zuhörer ĂŒber die nun wieder regelmĂ€Ăig stattfindenden gemeinsamen Veranstaltungen in PrĂ€senz und ĂŒbergab anschlieĂend das Wort an Prof. Neitzel.
Der hielt sich nicht lange auf und erinnerte in freier Rede an die GrĂŒndung der Bundeswehr. Damals war es sicherlich keine einfache Aufgabe, die BĂŒrger der jungen Republik davon zu ĂŒberzeugen, dass Deutschland sich wiederbewaffnen und einem militĂ€rischen BĂŒndnis anschlieĂen mĂŒsse, wolle man einen möglichen kriegerischen Konflikt mit der sich im Osten ausdehnenden Sowjetrepublik bestehen. Unmittelbar hiermit verbunden war die Frage, ob man eine Armee des Friedens, die Bundeswehr, fĂŒr einen Krieg ausbilden solle. Ein bis in die heutige Zeit reichender Problempunkt war die Frage der Tradition. Klar war, dass man sich nicht von einer nationalsozialistischen Wehrmacht ableiten lassen wollte und dass die TraditionsaufhĂ€nger fachlich bestimmt sein mĂŒssen. Diese Aufgaben waren sicherlich die schwierigsten, konnte man bei der neuen Bundeswehr doch auch nur auf kriegsgediente Ausbilder zurĂŒckgreifen. Unvermeidbar waren dann auch die Konflikte im Umgang mit ĂŒberlieferten Ritualen, âTribal Cultureâ.


Die Bundeswehr, so der Referent, hat diese Aufgaben weitgehend gut gemeistert und ist mittlerweile bei der Bevölkerung anerkannt, 88% der Deutschen stehen hinter der Bundeswehr. Aber, ist die Bundeswehr auch ihre Armee, die Armee der Deutschen, eine Parlamentsarmee? Zweifelslos ist der Ruf der Bundeswehr im Katastropheneinsatz, wie bei der UnterstĂŒtzung der Hilfeleistung beim Ahrtalhochwasser oder bei der UnterstĂŒtzung der GesundheitsĂ€mter in der Corona-Pandemie sehr hoch. Wenn es jedoch darum geht, sie aufgabengerecht auszustatten, fĂ€llt die Zustimmung ungleich geringer aus. Deshalb, so Neitzel, sei es nicht nur Aufgabe von Politik und Presse allein, hier Ăberzeugungsarbeit zu leisten, sondern die FĂŒhrung der Bundeswehr mĂŒsse sich selbst engagieren und aus ihrer zurĂŒckhaltenden Stille erwachen. Hierbei bezog Prof. Neitzel ausdrĂŒcklich auch die Ebene der Abteilungsleiter und hohen Generale mit ein.
45 Minuten hielt Neitzel seine Zuhörer in freier Rede, mit geschliffenen Formulierungen, logischen Ableitungen und spannenden Erinnerungen in seinem Bann. Reichlich Applaus war Dank fĂŒr diesen gelungenen Vortrag.



Im Anschluss ĂŒbernahm Michael Urban, Regionalleiter der DAG, die Moderation der Diskussion. 30 Minuten hatte man sich Zeit genommen, die Fragen des Publikums zu beantworten. Diese kamen auch prompt und umfassten den gesamten Inhalt des Vortrages und darĂŒber hinaus, wie auch zu erwarten war, das aktuelle Zeitgeschehen um den Ukrainekrieg. Erfreulich war, dass die vielen jugendlichen Teilnehmer nicht nur aufmerksam zuhörten, sondern auch ihre Fragen platzierten.
Die Oberstufe hatte sich bereit erklĂ€rt, das formlose âGet-Togetherâ bei einem GetrĂ€nk im Foyer zu organisieren und so war es nicht verwunderlich, dass viele GĂ€ste noch einige Zeit im GesprĂ€ch mit sich und dem auskunftsfreudigen Prof. Dr. Sönke Neitzel auf der Gaesdonck


Autor: Michael K. Urban
Fotos: Pressestelle Luftwaffe Kalkar / Marvin Hofmann
















