»Wir mĂŒssen als Partner der Ukraine klar machen, was unser Ziel der militĂ€rischen UnterstĂŒtzung ist. Denn eine dosierte UnterstĂŒtzung hat zwar dazu gefĂŒhrt, dass Putin seine militĂ€rischen Ziele nicht erreicht hat. Sie ist aber das Rezept fĂŒr einen sehr langen Krieg, wo die Ukraine die Kosten zu tragen hat.« Ein klares Ziel nennt Nico Lange von der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz im GesprĂ€ch mit Moderator Oliver Weilandt die wichtigste Voraussetzung fĂŒr ein baldiges Ende des Krieges in der Ukraine, und er fĂŒgt eine zweite hinzu: »Keine Angst mehr vor Putin«.
Der Politikwissenschaftler und ehemalige Leiter des Leitungsstabs im Bundesministerium der Verteidigung unter Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) kennt die Ukraine. Er war dort unter dem russlandfreundlichen PrĂ€sidenten Viktor Janukowitsch selbst einmal kurzzeitig in Haft geraten. Auch war Lange im russischen St. Petersburg als Gastdozent tĂ€tig. Heute wĂŒrde er mit den Petersburger Studierenden gern diskutieren, welche Zukunft sie fĂŒr Ihr Land eigentlich anstreben: WĂŒrden sie Wert darauf legen, wie die Menschen gut leben können, oder wĂŒrden sie sich ein Russland wĂŒnschen, vor dem sich im Inneren wie im Ausland alle fĂŒrchten? Als Deutscher, ergĂ€nzt Lange, könnte er vielleicht glaubwĂŒrdig von dieser Alternative sprechen.
Noch aber tobt der russische Angriffskrieg, und er droht ein langer Abnutzungskrieg zu werden. Wem nutzt die lange Dauer dieses Krieges, wem schadet sie? FĂ€llt Putin seine Sonderaktion mangels Erfolgen bald selbst auf die FĂŒĂe? Ist das Festhalten am groĂen Credo des Westens vom Nicht-Eingreifen in den Krieg eher einer Angst vor der Eskalation geschuldet, oder spiegelt es eine systemische UnfĂ€higkeit wider, im pluralen System der EU eine einheitliche Strategie zu verabschieden?
Die Positionen des französischen PrĂ€sidenten Emmanuel Macron und des deutschen Bundeskanzlers Olaf Scholz könnten allem Anschein nach kaum weiter auseinander liegen, wenn Olaf Scholz der Ukraine eher zurĂŒckhaltend erbetene Waffensysteme wie den Marschflugkörper Taurus verweigert und Emmanuel Macron eine Medienwelle in Gang setzt, indem er öffentlich ĂŒber die Entsendung von Bodentruppen diskutiert. Könnte dem Zögern von Kanzler Scholz vielleicht ein taktisches KalkĂŒl zugrunde liegen, das auf Kosten der Ukraine eine dauerhafte SchwĂ€chung des imperialen Russlands zum Ziel hat? Nico Lange setzt dieser These ein Nein entgegen. Die Folge 53 schaut aber nicht nur aus der Distanz sicherheitspolitscher Analytik auf das Geschehen in der Ukraine. Nico Lange beschreibt auch das Grauen des Krieges hinter der Front. Und er lĂ€sst spĂŒrbar werden, was ihn selbst bei seiner Arbeit antreibt: Es ist das mutige, mitreiĂende Eintreten der Ukrainerinnen und Ukrainer fĂŒr Freiheit, das sie ihrer Angst inmitten des Krieges ebenso erfolgreich wie ĂŒberzeugend entgegensetzen.






