Karl-Theodor zu Guttenberg nennt als Vorbild das Land auf Platz 1 des World Happiness Index: Finnland. Dort, wo die Menschen besonders glĂŒcklich sind, gibt es hohes Vertrauen in die Regierung und öffentliche Institutionen, weil dort Politik Lage und Entscheidungen nicht nur erklĂ€rt, sondern auch zuhört, transparent und ehrlich kommuniziert. Das gelinge dort auch bei sicherheitspolitischen Themen gut, wĂ€hrend Finnland gleichzeitig eines der am meisten bedrohten LĂ€nder Europas sei.
Als Karl-Theodor zu Guttenberg 2009 Verteidigungsminister wurde, bestimmten vor allem abstrakte Bedrohungen und AuslandseinsĂ€tze die sicherheitspolitische Agenda. Ăber die RealitĂ€t des Afghanistan-Einsatzes beispielsweise habe damals ein âDeckmantel des Schweigensâ gelegen. â Er habe versucht, offen und ohne Euphemismen darĂŒber zu kommunizieren. Das sei auch fĂŒr die heutige Situation der richtige Weg.
WĂ€hrend seiner Amtszeit setzte er die Wehrpflicht aus â eine damals richtige Entscheidung, wie er sagt. Heute habe sich die Lage aber grundlegend verĂ€ndert: Russland fĂŒhre nicht nur Krieg in der Ukraine, sondern bedrohe ganz Europa und das NATO-BĂŒndnisgebiet mit fast tĂ€glichen Cyberangriffen, Sabotageakten und DrohnenĂŒberflĂŒgen. âIch gehe schon so weit, dass ich sage: Wir befinden uns â Europa â bereits in einem Krieg.â Ăber die Konsequenzen daraus mĂŒsse offener gesprochen werden â ohne Angst vor Reaktionen in der Debatte.
Die Dringlichkeit sicherheitspolitischer Entscheidungen mĂŒsse in einer realitĂ€tsbezogenen Kommunikation oft wiederholt werden, das gehe auch ohne âTonalitĂ€t des SĂ€belrasselnsâ. Inder Narrative wie âNie wieder Kriegâ und âFrieden schaffen ohne Waffenâ seien tief in der Gesellschaft verankerte WĂŒnsche, blieben historisch betrachtet aber fast immer eine Utopie. Er findet: âFrieden schaffen, ohne Waffen einzusetzen, aber sie gleichzeitig zu haben, um zu vermeiden, dass die andere Seite, die auch ĂŒber sie verfĂŒgt, sie selbst einsetztâ, das mĂŒsse das Ziel sein und auch so formuliert werden, auch wenn es âein Halbsatz mehrâ sei.
Im GesprĂ€ch mit Atlantic Talk-Moderator Dario Weilandt plĂ€diert zu Guttenberg fĂŒr eine Streitkultur mit mehr Substanz, Respekt und ernsthaftem Zuhören â sowohl in der Ăffentlichkeit als auch im familiĂ€ren und gesellschaftlichen Umfeld. Am Ende dieser Podcast-Folge verrĂ€t âKTâ zu Guttenberg, wie er sich selbst nennt, seine drei GrundsĂ€tze fĂŒr ein Kommunikationskonzept fĂŒr deutsche Sicherheitspolitik.






