Deutschland befindet sich im Krieg, einem hybriden Krieg. Neben Spionage und Cyberangriffen ist vor allem die Bevölkerung das Angriffsziel. âDie öffentliche Meinung wird tatsĂ€chlich gezielt und sehr, sehr strukturiert angegriffen, und zwar seit etwa 2015. Und das ist natĂŒrlich mit das GefĂ€hrlichste, was man machen kann, wenn das Ziel eine Demokratie ist, wenn also die öffentliche Meinung schlieĂlich zu policy wird.â
Im Atlantic Talk Podcast analysiert Marina Weisband die Mechanismen russischer Einflussnahme und zeigt am Beispiel des gesellschaftlichen Zusammenhalts der Ukrainerinnen und Ukrainer Wege zur StÀrkung demokratischer Widerstandskraft auf. Sie beschreibt, welche Methoden, die sie seit der Annexion der Krim genau beobachtet hat, heute auch in Deutschland angewendet werden. In der Ukraine verbreiteten Bot-Armeen gezielt Desinformation, posteten manipulierte Fotos und pushten die Nazi-ErzÀhlung. Seit 2015 seien viele dieser Bots, die vorher vermeintliche Ukrainer waren, vermeintliche Deutsche geworden.
Der Mechanismus dahinter ist simpel aber fatal: Von Sozialen Medien sickern Desinformationen auch in die groĂen Medien. ErzĂ€hlungen beispielsweise ĂŒber nie wirklich geschehene sexuelle BelĂ€stigungen durch Migranten seien gezielt gestreut worden. âDann haben echte Journalisten das aufgegriffen. Dann haben echte Menschen sich Sorgen gemacht. Und dann kam es zu Talkshows rund um das Thema.â
Weisband erlĂ€utert im GesprĂ€ch mit Moderator Dario Weilandt, wie leicht die mediale Ăffentlichkeit zu beeinflussen sei. Besonders fatal sei das Zusammenspiel von Medienlogiken und ihrer Mitschuld, einer Politik, die ohne Emotion und Vision kommuniziert, und gezielten Angriffen aus dem Ausland, die diese Schwachstellen ausnutzen.
Der SchlĂŒssel zur ukrainischen Widerstandskraft liege in einem fundamentalen Wandel wĂ€hrend der Maidan-Bewegung: âEs entstand dort etwas, das ich der Ukraine nie zugetraut hĂ€tte aus der Geschichte heraus, nĂ€mlich ein GefĂŒhl von Selbstwirksamkeit, ein GefĂŒhl von: Das ist unser Platz.â Diese Ownership wirke: âWenn ich Ownership ĂŒber eine Gesellschaft habe, dann verteidige ich die Gesellschaft. Dann fĂŒhle ich mich mehr in Kontrolle. Je mehr ich mich in Kontrolle fĂŒhle, desto ruhiger bin ich, desto reflektierter kann ich gucken.â
Genau davon brauche es mehr in Deutschland: mehr Zusammenhalt, mehr Selbstwirksamkeit. Dazu sei BĂŒrgerbeteiligung wichtig. Die Politik insgesamt und insbesondere auch die EuropĂ€ische Union brauche eine emotionale ErzĂ€hlung fĂŒr ihre positive Macht: âDie EU ist das, was zwischen dem absoluten Monopol steht â Digital-Feudalismus, auf den wir gerade mit groĂen Schritten zusteuern â und Demokratien.â







