„Wir müssen uns tatsächlich darauf vorbereiten, dass wir unsere Streitkräfte so ausbilden müssen, dass sie einen Einsatz und das heißt eben auch in einem Krieg gegen einen militärisch gleichstarken Gegner auch bestehen können“, sagt Nicole Schilling. Die Lage sei hochkomplex mit einer Gleichzeitigkeit militärischer Konflikte und einer Dynamik, wie es sie seit Jahrzehnten nicht gab. Die Reaktion der Bundeswehr: Sie hat sich erstmals in ihrer Geschichte eine Militärstrategie gegeben. Die deutsche Armee soll in den nächsten Jahren zur „konventionell stärksten Streitkraft Europas“ werden. Was bedeutet das konkret für die Bundeswehr organisatorisch, für die Menschen, die dienen sollen – aktiv oder in der Reserve – und die Gesellschaft?
DarĂĽber spricht Host Dario Weilandt in dieser Folge des Atlantic Talk Podcasts mit der Stellvertreterin des Generalinspekteurs der Bundeswehr im Bundesverteidigungsministerium, Generaloberstabsarzt Dr. Nicole Schilling.
Statt in Kontingenten müsse man die Bundeswehr jetzt wieder als Ganzes denken; im Prinzip ähnlich wie im Kalten Krieg. Man kann also innerhalb der Bundeswehr einerseits auf bestehende Konzepte zurückgreifen, aber einiges werde auch neu organisiert und das unter Zeitdruck.
Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, in denen es in der Bundeswehr durchaus Probleme bei der Beschaffung gab, laufe es „auf allen Ebenen gut an“, so Schilling, beispielsweise in der Logistik, beim Luftverteidigungssystem Aero 3 und: 2025 war das einstellungsstärkste Jahr seit dem Aussetzen der Wehrpflicht 2011. Projekte würden heute ganz anders aufgesetzt: Entwicklung, Erprobung, Nutzung und Schulung würden viel mehr parallel stattfinden, in engem Dialog auch zwischen Truppe und Industrie. Das Innovationszentrum Erding werde entsprechend aufgestellt.
In dieser Podcast-Episode geht es auch um die Änderungen in der Planung von Operationen in Bezug auf KI, um die Panzerbrigade 45 an der NATO-Ostflanke in Litauen, das Zusammentragen von Aufklärungsergebnissen mit den NATO-Partnern, Drohnenabwehrfähigkeiten und den Host-Nation-Support, den Deutschland gewährleisten muss. Denn im Falle eines Falles würde Deutschland zur Drehscheibe, Material und Truppen der NATO würden sich durch Deutschland bewegen.
Dabei werde die „neue Reserve“ eine besondere Rolle spielen. Nicole Schilling erläutert, wie diese künftig Aufgaben bekommt, die die aktive Truppe nicht (mehr) übernimmt. Anders gesagt: Die aktive Truppe ist dann auf die Reserve auch angewiesen. „Ein ganz neues Denken, was wir so, glaube ich, tatsächlich noch nie hatten“, so Schilling. Sie erläutert, wie dazu die Aus- und Weiterbildung der Reservisten neugestaltet wird.
Sind die Menschen in Deutschland – und damit eine Gesellschaft, die seit Jahrzehnten im Frieden lebt – bereit für eine glaubwürdige Verteidigung? Nicole Schilling sagt, sie sei fest davon überzeugt, ebenso wie davon, dass die Bundeswehr auf demokratisch festen Füßen stehe, die robust genug sind gegenüber undemokratischen Tendenzen. Für Truppe und Bevölkerung findet sie eins besonders wichtig: Handlungssicherheit.






