Deutsche Atlantische Gesellschaft e.V.

(35) Erfolg ohne Plan – Die TĂŒrkei als Vermittlerin im Krieg um die Ukraine

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Die TĂŒrkei und Russland stehen sich derzeit in gleich mehreren internationalen Konflikten gegenĂŒber: in Bergkarabach, in Syrien, in Libyen. Auch die russische Besetzung der Krim hatte die TĂŒrkei scharf kritisiert. Dass es dem tĂŒrkischen PrĂ€sidenten Recep Tayyip Erdoğan dennoch gelungen ist, Ukrainer und Russen in Istanbul an einen Tisch zu bringen, ist ein Erfolg und stĂ€rkt das politische Gewicht der tĂŒrkischen Regierung nach außen wie nach innen. Einen tĂŒrkischen Masterplan sieht die in Köln und Istanbul lebende Publizistin Marion Sendker in der tĂŒrkischen Sicherheitspolitik allerdings nicht. Vielmehr verfahre der PrĂ€sident nach dem Motto eines tĂŒrkischen Sprichworts: „Nimm den Karren, fahr los, er wird den Weg schon sĂ€ubern“. 

Dass die russische Seite zeitgleich zu den GesprĂ€chen weiter ukrainische StĂ€dte in Schutt und Asche lege, sei nicht außergewöhnlich. Denn der Verhandlungsweg bis zu einem Frieden sei meistens ein langer Prozess. Und so sei auch ein Waffenstillstand nicht gleich am Anfang von Verhandlungen zu erwarten. Viel erfolgloser als die tĂŒrkischen Vermittlungsversuche seien die des Westens und insbesondere die des französischen PrĂ€sidenten Emmanuel Macron gewesen. Wer sich so einseitig auf die Seite der Ukraine stelle, falle doch automatisch als Vermittler aus. 

Die Stimmung innerhalb der TĂŒrkei bewertet Marion Sendker im Vergleich zu Deutschland als deutlich russlandfreundlicher. So zeigten auch unabhĂ€ngige Umfragen, dass die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger in der TĂŒrkei zwar mehrheitlich gegen den Angriff auf die Ukraine seien, die Verantwortung fĂŒr den russischen Angriff auf die Ukraine sĂ€hen die TĂŒrken aber mit einer knappen Mehrheit auf der Seite der USA und ihrer NATO-Partner. 

Die TĂŒrkei ist seit dem russischen Einmarsch bei westlichen StaatsfĂŒhrern massiv umworben und feiert mit dem Comeback auf der diplomatischen BĂŒhne gerade eine große Sternstunde. Dass die zivilgesellschaftliche Opposition in der TĂŒrkei diese internationale Anerkennung mit sehr gemischten GefĂŒhlen zur Kenntnis nimmt, sieht Sendker sehr klar. Auch wenn das vermittelnde Engagement der Regierung als große innenpolitische Imagekampagne diene, so sei die Innenpolitik sicher nicht das Hauptmotiv fĂŒr die aktive NeutralitĂ€tsrolle als Mediator im Ukrainekonflikt. 

Punkt fĂŒr Punkt analysieren Moderator Oliver Weilandt und Marion Sendker die sechs wichtigsten Konfliktfelder, die die UnterhĂ€ndler der Ukraine und Russlands bei ihren Verhandlungen trennen. Hier auch unter der Fragestellung, welche Interessen der tĂŒrkische PrĂ€sident mit jedem dieser Konfliktfelder verbindet. 

Zu Gast:

Marion Sendker

Journalistin und Juristin, Istanbul

Marion Sendker ist Journalistin, Moderatorin und Diplomjuristin mit Studium in MĂŒnster, Rom, Stellenbosch und Köln. Sie hat die Journalistische Nachwuchsakademie der Konrad-Adenauer-Stiftung absolviert, ist Altstipendiatin der Mercator-Stiftung und arbeitet fĂŒr verschiedene Hörfunk- und Social-Media-Redaktionen im WDR und Deutschlandfunk. Außerdem berichtet sie aus und in der TĂŒrkei, unter anderem fĂŒr Zeit und Zeit Online, die Welt und Welt/N24, den Deutschlandfunk und die tĂŒrkische Tageszeitung Milliyet. Ihr Schwerpunkt ist Sicherheits- und Außenpolitik. Sie lebt in Istanbul und Köln.

Moderation:

Oliver Weilandt

GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Hörfunkagentur Internationaler Audiodienst (iad)

Oliver Weilandt moderiert den »Atlantic Talk Podcast« der Deutschen Atlantischen Gesellschaft. Der Agenturleiter und Autor zahlreicher Radiofeature und politischer Hintergrundberichte auf den Wellen der ARD sowie in den Programmen des Deutschlandradios verantwortet unter anderem auch das Privatfunkprogramm der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Dario Weilandt

Leiter Kommunikation und Digitale Medien
LennĂ©straße 11 · 10785 Berlin
030 20649-134
030 20649-136
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