Deutsche Atlantische Gesellschaft e.V.

Abschlussbericht des YATA-Seminars »Strategiewandel durch Klimawandel?«

Wenn in Russland der Permafrostboden taut, in Niger Ackerboden unfruchtbar wird und ganze Inseln in Ozeanien vom Meer verschluckt werden, werden die direkten Folgen des Klimawandels sichtbar. Längst prägen die klimatischen Veränderungen jedoch nicht mehr nur den Alltag der Menschen in den betroffenen Regionen. Auch hier in Deutschland, der EU und der NATO müssen sicherheitspolitische Strategien an die neuen Umstände angepasst werden, denn der Klimawandel ist nicht länger ein Zukunftsszenario, sondern ist schon jetzt ein entscheidender Faktor in vielen Konfliktkontexten und stellte auch die Bundeswehr im Ausland vor neue Herausforderungen.

Am dritten Tag, nach einem Vortrag über den »European Green Deal« der Kommissionspräsidentin von der Leyen fuhr die Seminargruppe zum Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Hier wurde, mit interaktiven Elementen und auf erfrischend kurzweilige Art und Weise, das Thema Klimaresilienz in den besonders betroffenen Staaten Peru und Tansania thematisiert. Ohne ein allzu pessimistisches Bild zu zeichnen, konnten die ST verinnerlichen, dass der Klimawandel nicht nur bekämpft werden muss, sondern auch die individuelle Resilienz gegen die klimatischen Veränderungen erhöht werden muss. Während westliche Zivilisationen durch ein hohes Maß an wirtschaftlicher Sicherheit, guter medizinischer Versorgung oder einer belastbaren Infrastruktur die Folgen des Klimawandels gut abwehren können, sind in Tansania und Peru ganze Existenzen bedroht. Der Vortrag und die anschließende Gesprächsrunde wurde von den ST sehr gut angenommen, wodurch ein reger Austausch mit den Referenten entstand – auch die Frage, inwiefern die Klimakrise noch zu bewältigen sei und ob Resilienz bald wichtiger werde als Bekämpfung des Klimawandels, wurde offen diskutiert.

Am vierten Tag im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) wurden die ST in die Funktionsweise deutscher Entwicklungszusammenarbeit und die Koordinierung mit dem AA und BMVg in Fragen der Krisenprävention eingeführt. Wie Entwicklungszusammenarbeit konkret funktioniert, wurde im Anschluss anhand der Projekte der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Afghanistan mit Förderung des AA und BMZ präsentiert. Als konkretes Beispiel wurde ein Aufforstungsprojekt genannt: In Afghanistan geht die Waldfläche wegen der extensiven Landwirtschaft und krimineller Kapitalisierung der Waldflächen seit Jahren stark zurück, was den Lebensraum vieler BürgerInnen negativ beeinträchtigt. Mit ihrem Projekt forstet die GIZ in Zusammenarbeit mit marginalisierten Gruppen (vorwiegend Frauen) viele Landstriche wieder auf und unterstützt die BürgerInnen, den Aufforstungsprozess selbst zu gestalten, zu verwalten und zu überwachen (local ownership). So werde gesellschaftliche Inklusion und Umweltschutz sinnvoll kombiniert. Am Nachmittag lag der Fokus schließlich wieder auf dem Nexus zwischen Klima und Konflikten. Bei adelphi, einem Think Tank für Klima‑, Umwelt- und Entwicklungsfragen, wurde anhand mehrerer konkreter Beispiele (z.B. Tschadseebecken) veranschaulicht, dass der Klimawandel sowohl Konfliktreiber und ‑katalysator sein kann, oftmals aber auch die Grundlage für internationale Zusammenarbeit ist. Die ST nutzten anschließend in der naheliegenden Buchkantine die Möglichkeit, sich bei einer Mahlzeit über die gesammelten Eindrücke und Erkenntnisse locker auszutauschen. Angesichts des regen Austauschs und der guten Gespräche lässt sich festhalten, dass die ST die Vorträge nicht nur gut angenommen, sondern deren Inhalte und Botschaften auch fest verinnerlicht haben.

Ein Beitrag von:

Timo Eichhammer

Student der Politikwissenschaft
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