Herbst 2029. In der Ukraine herrscht seit drei Jahren Waffenstillstand. In Deutschland gestaltet sich nach der Bundestagswahl die Bildung einer neuen Regierung schwierig. Frankreich ist unter PrĂ€sident Jordan Bardella aus der integrierten Kommando-Struktur der NATO ausgetreten. JD Vance ist PrĂ€sident der USA und macht deutlich: EuropĂ€ische Sicherheit ist allein Sache der EuropĂ€er. In dieser Situation gibt es wĂ€hrend einer Ăbung auffĂ€llige russische Truppenbewegungen, die verstörend wirken. Der Generalinspekteur lĂ€utet die Alarmglocken âŠ
Der Atlantic Talk Podcast startet diesmal mit einem fiktiven Worst-Case-Szenario, das Dr. Jana Puglierin fĂŒr ihr neues Buch âWer verteidigt Europa?â entwickelt hat. Die Leiterin des Berliner BĂŒros des European Council on Foreign Relations ist bei Dario Weilandt zu Gast und spricht mit ihm darĂŒber, wie realistisch ein russischer Angriff auf Europa in den nĂ€chsten Jahren ist. Immerhin gibt es nachrichtendienstliche Hinweise, dass so ein Angriff vorbereitet wird. Puglierin sagt, es gebe in Europa eine Art Konsens, dass die europĂ€ischen Staaten in den nĂ€chsten fĂŒnf Jahren am verwundbarsten seien.
Sie verweist auf die FĂ€higkeiten Russlands, den Einfluss von âGelegenheitsfensternâ und erlĂ€utert die Intentionen Russlands: imperiale Kontrolle, die Umgestaltung der europĂ€ischen Sicherheitsordnung mit RĂŒckabwicklung der NATO-Osterweiterung und eine neue Weltordnung mit anderen Regeln. Welche hybriden und militĂ€rischen Mittel Russland dafĂŒr tatsĂ€chlich wĂ€hlt, das sei nicht so klar.
Unterdessen stellen die USA die EuropĂ€er als Konkurrenten dar oder gar als strategische Gegner und unterstĂŒtzen europĂ€ische RechtsauĂen-Parteien. Droht den EuropĂ€ern eine ideologische Informations-Doppelfront? Welche realistischen Optionen gibt es trotzdem fĂŒr Europa, die USA langfristig zu binden oder die nötigen FĂ€higkeiten zu entwickeln, sich eigenstĂ€ndig zu verteidigen?
Im GesprĂ€ch ĂŒber diese Fragen kommen Moderator Dario Weilandt und Jana Puglierin auch auf die Verzahnung von konventioneller (europĂ€ischer) und nuklearer (vor allem US-amerikanischer) Abschreckung zu sprechen. Sie sprechen auch darĂŒber, inwieweit mehr europĂ€ische taktische Atomwaffen nötig und sinnvoll sind.
Puglierin betont, dass die europĂ€ischen Staaten strategische SchlĂŒsselkapazitĂ€ten gemeinsam aufbauen sollten, weil solche Kooperationen zu einer langfristigen Bindung zwischen den Staaten fĂŒhren. Ob die EuropĂ€er diese Einigkeit und EigenstĂ€ndigkeit hinbekommen sei eine Schicksalsfrage. Vorauseilend zu sagen, âwir schaffen es eh nichtâ, sei hingegen keine Option.
Buch: Jana Puglierin (2026): Wer verteidigt Europa? Die neuen Kriegsgefahren und was wir tun mĂŒssen, um uns zu schĂŒtzen. Rowohlt, ISBN: 978â3â498â00799â7, https://www.rowohlt.de/buch/jana-puglierin-wer-verteidigt-europa-9783498007997
Studie: Greenpeace (2025): Wann ist genug genug? KrĂ€ftevergleich NATO â Russland. https://www.greenpeace.de/frieden/kraeftevergleich-nato-russland
Report: University of St. Gallen & Hertie School Centre for International Security (2026): Mind the Deterrence Gap: Assessing Europeâs Nuclear Options, https://securityconference.org/assets/02_Dokumente/01_Publikationen/2026/ENSG/Mind_the_Deterrence_Gap%E2%80%93Report_of_the_ENSG.pdf
Podcast: Machtwechsel: Der Kanzler im Interview (18.02.2026), https://machtwechsel.podigee.io/236-machtwechsel-im-interview-mit-bundeskanzler-friedrich-merz
Podcast: Mark Leonardâs World in 30 Minutes: Munich Security Conference Special with Elbridge Colby (13.02.2026), https://ecfr.eu/podcasts/episode/munich-security-conference-special-with-elbridge-colby/







