Unter der Moderation von Redakteur Thomas Ihm vom SĂŒdwestrundfunk Baden-Baden diskutierten der CDU Bundestagsabgeordnete und Obmann im AuswĂ€rtigen Ausschuss Roderich Kiesewetter, der Buchautor, Journalist und Friedensaktivist Dr. Franz Alt, die IGM-Metall-BevollmĂ€chtigte Claudia Peter und der Karlsruher Regionalleiter der DAG Rudolf Horsch. Schwerpunkt der Diskussion war der Krieg in der Ukraine, das Thema Einsatz von Streubomben sowie die Energieversorgung nach Nordstream 2.



Ralf Joachim Kraft berichtete in den Badischen Neuen Nachrichten vom 18.07.2023 unter dem Titel »Verhandeln oder mehr Waffen liefern?«:
»Frieden war in Europa nach dem Ende des Kalten Krieges selbstverstĂ€ndlich geworden. Zumindest sah man das so. Es schien, als sei man nur noch von Freunden und Partnern umgeben und daher sicher. Doch das war ein groĂer Irrtum. Vor knapp eineinhalb Jahren hat Russland seinen völ-kerrechtswidrigen Angriffskrieg auf die Ukraine gestartet. Und ein Ende ist nicht in Sicht.
Was sind die Optionen, um Frieden in der Ukraine zu schaffen? Hilft hier noch Diplomatie? Oder muss der Westen der Ukraine fĂŒr ihren Ăberlebenskampf gegen ein repressives imperialistisches System noch mehr Waffen liefern? Uber diese und weitere Fragen ging es am Sonntagabend bei einem Forum, zu dem der CDU-Kreisverband Rastatt unter Vorsitz von Brigitte SchĂ€uble und der Bundestagsabgeordnete Kai Whittaker eingeladen hatten.
âWaffen, Wenden, Wortgefechte. Wie sicher ist Europa?â lautete das Motto der Veranstaltung, die mehr als 100 interessierte Besucher ins im Unimog-Museum lockte. Durch den Abend fĂŒhrte SWR2Moderator Thomas Ihm. CDU-Bundestagsabgeordneter Roderich Kiesewetter erklĂ€rte als AuĂen- und Verteidigungsexperte seiner Partei: âDie deutsche Politik lieĂ sich von Putin tĂ€uschen â obwohl er schon Ende der 90erJahre den Zerfall der Sowjetunion als die gröĂte Katastrophe bezeichnet hat, die er rĂŒckgĂ€ngig machen wolle.â Ein Schutz der Ukraine ohne Waffen, ohne militĂ€rische und zivile UnterstĂŒtzung sei undenkbar, betonte der frĂŒhere Oberst der Bundeswehr. In diesem Krieg mĂŒsse der ukrainischen Zivilbevölkerung eine klare Perspektive gegeben und die Freiheit in den Mittelpunkt gestellt werden. âVerhandlungen mit Putin greifen nicht.â
Auch Rudolf Horsch, Regionalkreisleiter der Deutschen Atlantischen Gesellschaft, glaubt nicht, dass es noch gelingen wird, âjemanden an Verhandlungstisch zu bringen, der nicht verhandeln willâ. Es mĂŒsse Putin aber klargemacht werden, dass der Einsatz von Atomwaffen keine Option ist, sagte der ehemalige Gaggenauer Hauptamtsleiter und Oberstleutnant der Reserve.
Der Baden-Badener Journalist und Buchautor Franz Alt (âFrieden ist noch immer möglichâ) gab zwar zu, dass Verhandlungen derzeit sehr schwierig seien. Gleichwohl mĂŒsse weiter versucht werden, auf diplomatischer und Vertragsebene etwas zu erreichen. âIch vermisse das Nachdenken ĂŒber Alternativen. Krieg ist keine Optionâ, unterstrich Alt, der am Montag seinen 85. Geburtstag feierte.
âEin Atomkrieg wĂ€re der letzte Krieg der Menschheitsgeschichte. Daher mĂŒssen wir alles tun fĂŒr eine atomwaffenfreie Welt.â Abwehrwaffen, die vielen Ukrainern das Leben gerettet hĂ€tten, könne er noch akzeptieren, sagte Alt. âIch bin Real-PaziïŹst.â
Die erste BevollmĂ€chtigte der IG Metall Gaggenau, Claudia Peter, erklĂ€rte: âImmer mehr Waffen bedeutet auch immer mehr Tote. Daher halte ich die Diplomatie und auch das GesprĂ€ch mit einem Despoten nach wie vor fĂŒr wichtig.â Wer sich heute kritisch zu Waffenlieferungen Ă€uĂere und andere Positionen vertreten, der werde angeprangert und verbal niedergemacht, bedauerte die Gewerkschafterin, die eine gesellschaftliche Debatte fĂŒr notwendig hĂ€lt.
Im zweiten Teil des Abends durfte auch das Publikum im Unimog-Meseum Fragen stellen.«








