YATA connects special: Die Zukunft der deutschen StreitkrÀfte
Wie wirkt sich der russische Angriffskrieg auf die deutschen StreitkrĂ€fte aus? WofĂŒr könnte das Bundeswehr-Sondervermögen eingesetzt werden? Und fĂŒr welche Aufgaben muss die Bundeswehr zukĂŒnftig aufgestellt sein?
Unter der Moderation von Pieter Brandt diskutierten am 16. Mai 2022 die PodiumsgĂ€ste Merle Spellerberg (Bundestagsabgeordnete von BĂNDNIS 90/DIE GRĂNEN) und Brigadegeneral a.D. Rainer Meyer zum Felde (Senior Fellow am Institut fĂŒr Sicherheitspolitik an der UniversitĂ€t Kiel) mit allen Teilnehmer:innen zur Zukunft der deutschen StreitkrĂ€fte.
âIch wĂŒnsche mir, dass Deutschland die Co-FĂŒhrungsrolle in der Allianz wieder einnimmt, die wir von 2013 bis 2017 hatten. Damals haben wir zusammen mit den USA, Frankreich und GroĂbritannien genau die richtigen Konzepte entwickelt. Es waren Konzepte, um der russischen Aggression gegen die Ukraine, die es durch die Annexion der Krim 2014 schon gab, entgegenzuwirkenâ, erlĂ€utert Meyer zum Felde. Ab 2018 habe Deutschland das Zwei-Prozent-Ziel und andere Zusagen immer wieder bekrĂ€ftigt â ohne diese einzuhalten â ein schwerer strategischer Fehler. Das Resultat laut Meyer zum Felde: âEs ist der Eindruck entstanden, dass Deutschland der eigentliche unsichere Kantonist ist in der NATO. Dieses Vertrauen wieder aufzubauen, wird lange dauern und wird erst gelingen, wenn wir alle Zusagen zĂŒgig und konsequent auch umgesetzt und eingelöst haben.â Deutschland sei also am Zug, in den nĂ€chsten Jahren den verlorengegangenen Ruf als verlĂ€sslicher BĂŒndnispartner zu korrigieren.
Frieden schaffen mit Waffen?
âAufrĂŒstung ist kein typisch grĂŒnes Themaâ, meint Spellerberg, Ordentliches Mitglied im Verteidigungsausschuss sowie AuswĂ€rtigen Ausschuss. Der brutale Ukraine-Krieg habe jedoch viele politische GrundsĂ€tze infrage gestellt und die Landes- und BĂŒndnisverteidigung wieder an oberster Stelle platziert. Das 100-Milliarden-Paket der Ampel finde sie daher richtig. Es soll Deutschlands Armee stĂ€rken und das Land sichern. Sie betont: Die Bundeswehr mĂŒsse einsatzfĂ€hig sein, die Soldat:innen sollen bestmöglichen Schutz erhalten und die Bundesregierung mĂŒsse mindestens zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts fĂŒr Verteidigung ausgeben.
Effizient eingesetzte Steuergelder?
»Wir mĂŒssen die Beschaffung reformieren. Das ist keine neue Feststellung, aber gerade wenn wir jetzt so viel Geld in die Bundeswehr stecken, muss dieses effizient eingesetzt werden«, sagt Spellerberg. Die Bundestagsabgeordnete appelliert, beim Thema Sicherheit nicht nur an die militĂ€rischen Komponenten zu denken. Sicherheit bedeute auch EnergiesouverĂ€nitĂ€t. âIch wĂŒnsche mir fĂŒr die Bundeswehr, dass sie so ausgestattet ist, wie sie es verdient hat und dass sie auch gerade jetzt im Rahmen der Nationalen Sicherheitsstrategie auch den Rahmen erhĂ€lt, um fĂŒr Sicherheit zu sorgenâ, sagt die Obfrau im Unterausschuss AbrĂŒstung, RĂŒstungskontrolle und Nichtverbreitung.
Was steckt hinter dem RĂŒstungsprojekt FCAS?
»Das Future Combat Air System (FCAS) ist ein politisches Projekt zwischen Deutschland und Frankreich, getrieben von Frankreich. Es besteht aus einem modernen Kampfflugzeug, das mit Drohnen, Satelliten und anderen KrĂ€ften vernetzt sein sollâ, erklĂ€rt Meyer zum Felde. Er halte die Entscheidung, dass die deutschen StreitkrĂ€fte versuchen, mit den Franzosen in Europa FCAS langfristig in Angriff zu nehmen fĂŒr gelungen, weil es der europĂ€ischen RĂŒstungsindustrie Zukunftsperspektiven eröffnet. Mit Blick auf die kĂŒnftige Legislaturperiode macht Spellerberg die Nationale Sicherheitsstrategie Hoffnung. Diese werde in einem gemeinsamen Prozess erarbeitet, der unterschiedlichen Ressorts der Bundesregierung, den Deutschen Bundestag, und viele nationale und internationale Partner:innen mit einbezieht.
















