Deutsche Atlantische Gesellschaft e.V.
Atlantic Talk Podcast abonnieren:
RSS-Feed Apple Podcast Spotify

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die SchaltflÀche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Bericht aus Washington zum Stand der transatlantischen Beziehungen

Aufzeichnung der Veranstaltung vom 10.02.2025

Atlantic Talk Podcast abonnieren:
RSS-Feed Apple Podcast Spotify

Die zweite traditionsreiche sicherheitspolitische Veranstaltung der Deutschen Atlantischen Gesellschaft in diesem Jahr widmete sich der aktuellen Lage der transatlantischen Beziehungen. Zu Gast waren Botschafter Andreas Michaelis, Deutschlands Vertreter in Washington, sein AmtsvorgĂ€nger Botschafter a.D. Dr. Klaus Scharioth sowie die erfahrene ARD-Journalistin Anna Engelke. Die Moderation ĂŒbernahm die verteidigungspolitische Korrespondentin der SĂŒddeutschen Zeitung, Sina-Maria Schweikle.

Einordnung der transatlantischen Beziehungen: Wandel in unsicheren Zeiten

In seiner einleitenden Analyse betonte Botschafter Andreas Michaelis, dass die USA fĂŒr Deutschland und Europa noch wichtiger geworden seien als je zuvor. UnabhĂ€ngig von der jeweiligen Administration bleiben die Vereinigten Staaten ein zentraler Partner in sicherheits- und wirtschaftspolitischen Fragen. Er unterstrich die enorme wirtschaftliche Dynamik der USA, die insbesondere in den Bereichen Digitalisierung, Energie und Forschung neue RealitĂ€ten schafft. Die wachsende Kluft zwischen den USA und Europa im wirtschaftlichen Fortschritt sei unĂŒbersehbar: WĂ€hrend Deutschland mit Nullwachstum kĂ€mpft, verzeichnen die USA ein erhebliches Wirtschaftswachstum, verstĂ€rkt durch massive Investitionen in Forschung und neue Industrien.

Gleichzeitig zeigte sich Michaelis besorgt ĂŒber die zunehmende Abkoppelung der USA von bisherigen außenpolitischen GrundsĂ€tzen. Unter der neuen Trump-Administration sei eine Strategie der „maximalen Disruption“ zu beobachten, die sich sowohl auf innenpolitische als auch auf außenpolitische Prozesse auswirke. Dabei seien Entscheidungen hĂ€ufig weniger an etablierten multilateralen Prozessen orientiert als an direkten, kurzfristigen Ergebnissen. Dies betreffe unter anderem die Haltung der USA zur Ukraine, zu Europa und zu multilateralen Institutionen.

Die Herausforderungen fĂŒr die NATO und Europas Sicherheit

Ein zentrales Diskussionsthema war die Zukunft der NATO unter der neuen US-Regierung. Moderatorin Schweikle stellte das Publikum vor die Frage, ob die USA im Falle eines Angriffs auf die baltischen Staaten ihre Beistandspflicht erfĂŒllen wĂŒrden. Die Reaktionen darauf waren geteilt, was die Unsicherheiten innerhalb des BĂŒndnisses widerspiegelt.

Botschafter a.D. Dr. Klaus Scharioth erinnerte daran, dass sich die republikanische Partei ĂŒber Jahrzehnte hinweg gewandelt hat – von einer klassischen konservativen Partei hin zu einer von populistischen Strömungen geprĂ€gten Bewegung. Er hob hervor, dass die Trump-Administration weniger Interesse an einer langfristigen diplomatischen Einbindung Europas zeige und stattdessen auf unmittelbare Interessenmaximierung setze. Dennoch sei es fĂŒr Europa von zentraler Bedeutung, nicht in eine passive Rolle zu verfallen, sondern sich strategisch eigenstĂ€ndiger aufzustellen.

Anna Engelke lenkte die Debatte auf die Ukraine-Politik der USA. Bereits jetzt sei eine verĂ€nderte UnterstĂŒtzungspolitik spĂŒrbar, da zentrale Finanzierungsmechanismen infrage gestellt wĂŒrden. Dennoch gebe es in der Ukraine auch Hoffnungen auf Trumps Unberechenbarkeit: WĂ€hrend einige in Washington fĂŒr eine Verhandlungslösung mit Russland plĂ€dierten, könnten andere im Umfeld des PrĂ€sidenten eine FortfĂŒhrung der UnterstĂŒtzung anstreben – möglicherweise mit dem Ziel, Trump als entscheidenden Friedensstifter darzustellen.

Eine fragmentierte US-Innenpolitik und ihre Auswirkungen auf Europa

Ein weiteres wichtiges Thema war die innenpolitische Entwicklung in den USA. Botschafter Michaelis stellte fest, dass die Exekutive unter Trump in einem bisher beispiellosen Ausmaß versuche, ihre Macht auszuweiten – unter anderem durch den Einfluss auf Justiz, Sicherheitsbehörden und öffentliche Institutionen. WĂ€hrend die Gerichte bislang eine gewisse Kontrolle ausĂŒbten, sei unklar, ob diese langfristig bestehen bleibe.

In der Diskussion wurde zudem der Einfluss von Wirtschaftsakteuren wie Elon Musk auf die öffentliche Meinung und politische Prozesse thematisiert. Dr. Scharioth betonte, dass soziale Medienplattformen zunehmend Einfluss auf politische Entscheidungen und Wahlergebnisse nĂ€hmen – ein Faktor, den auch europĂ€ische Staaten ernster nehmen mĂŒssten.

Fazit: Die transatlantischen Beziehungen auf einem PrĂŒfstand

Die Diskussion zeigte deutlich, dass die transatlantischen Beziehungen durch strukturelle Herausforderungen, wirtschaftliche DisparitĂ€ten und politische Unsicherheiten geprĂ€gt sind. Europa mĂŒsse sich darauf einstellen, strategisch unabhĂ€ngiger zu agieren und eigene sicherheitspolitische KapazitĂ€ten auszubauen. Die enge Zusammenarbeit mit den USA bleibe essenziell, doch dĂŒrfe man nicht darauf hoffen, dass Washingtons UnterstĂŒtzung in jedem Szenario selbstverstĂ€ndlich sei.

Wir danken allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern fĂŒr ihre Fragen und Einblicke sowie unseren GĂ€sten fĂŒr ihre spannenden Analysen. Die Diskussion hat gezeigt, wie wichtig der transatlantische Dialog fĂŒr die sicherheitspolitische und wirtschaftliche Zukunft Europas ist. Wir freuen uns auf den nĂ€chsten Atlantic Talk.

Zu Gast:

Botschafter Andreas Michaelis

Deutscher Botschafter in Washington D.C.

Andreas Michaelis ist seit August 2023 Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in den Vereinigten Staaten von Amerika. Er trat 1989 in den AuswĂ€rtigen Dienst ein und war vor seiner aktuellen TĂ€tigkeit unter anderem Botschafter Deutschlands in Israel, StaatssekretĂ€r des AuswĂ€rtigen Amts und Botschafter im Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland.

Botschafter a.D. Dr. Klaus Scharioth

Deutscher Botschafter in den Vereinigten Staaten (2006 – 2011)

Dr. Klaus Scharioth schloss sein Studium der Rechtswissenschaften in Bonn, Freiburg und Genf mit dem ersten juristischen Staatsexamen ab, bevor er Internationale Beziehungen und Völkerrecht und Internationale Wirtschaft an der Fletcher School of Law and Diplomacy sowie an der Harvard Law School und der John F. Kennedy School of Government studierte. 1976 trat er in den diplomatischen Dienst ein und leitete von 1993 bis 1996 das BĂŒro des NATO-GeneralsekretĂ€rs in BrĂŒssel. Im AuswĂ€rtigen Amt diente er unter anderem als Referatsleiter Verteidigungs- und Sicherheitspolitik, Unterabteilungsleiter fĂŒr Internationale Sicherheit und Nordamerika sowie anschließend als Politischer Direktor und Leiter der Politischen Abteilung (1999-2002). Vor seiner letzten Verwendung als deutscher Botschafter in den Vereinigten Staaten (2006-2011) war er StaatssekretĂ€r des AuswĂ€rtigen Amtes (2002-2006).

Anna Engelke

Stellvertretende Studioleiterin, ARD-Hauptstadtstudio

Anna Engelke ist seit Juli 2024 Leiterin der Gemeinschaftsredaktion Radio im ARD-Hauptstadtstudio in Berlin. Sie ist Host des sicherheitspolitischen Podcast StreitkrÀfte und Strategien des NDR. Von 2017 bis 2022 war sie Sprecherin von BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier. Als Hörfunk-Korrespondentin des NDR hat sie in Washington, Berlin und Bonn gearbeitet. Engelke begann ihre journalistische Laufbahn beim NDR.

Moderation:

Sina-Maria Schweikle

Verteidigungspolitische Korrespondentin im Berliner ParlamentsbĂŒro, SĂŒddeutsche Zeitung

Sina-Maria Schweikle hat nach Abschluss ihres Studiums in MĂŒnchen von 2019 bis 2021 in Libanon gearbeitet - erst fĂŒr eine politische Stiftung, dann fĂŒr eine humanitĂ€re Hilfsorganisation. Dort hat sie auch angefangen, journalistisch zu arbeiten. Seit 2022 ist sie bei der SĂŒddeutschen Zeitung, seit MĂ€rz 2024 als verteidigungspolitische Korrespondentin im Berliner ParlamentsbĂŒro.

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Dr. Nicolas Fescharek

Referent
LennĂ©straße 11 · 10785 Berlin
030 20649-134
030 20649-136
Bildnachweise fĂŒr diese Seite
 Copyright
DW 2023 Leo Simon 230411_lsimon_dag-8-150x150.jpeg
Botschafter Michalis CC BY-NC 2.0 USAID U.S. Agency for International Development botschafter-michalis-e1707218784731-150x150.jpg
RL01045 SW © Robert Lehmann RL01045-SW-scaled-e1761923092435-150x150.jpg
Anna Engelke ARD Hauptstadtstudio/ Thomas Kierok image002-scaled-e1738396762165-150x150.jpg
Autorenportraits Friedrich Bungert Schweikle_Bild-scaled-e1730364943780-150x150.jpg
Dr. Nicolas Fescharek Leo Simon dr-nicolas-fescharek-150x150.jpg
CS Mitgliederversammlung 4 DAG / Andreas Schwarz CS-Mitgliederversammlung-4-150x150.png
FĂŒr Abbildungen, die hier nicht gelistet sind, ist kein Urheber-Nachweis notwendig, oder wir selbst sind der Urheber.
Double Opt-in by Forge12