Deutsche Atlantische Gesellschaft e.V.

(49) Von BRICS zu BRICS Plus – Staatenbunderweiterung mit großer symbolischer Wirkung

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Brasilien, Russland, Indien, China und SĂŒdafrika bilden die Staatengemeinschaft BRICS. 2024 sollen Argentinien, Ägypten, Äthiopien, Iran, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate dazukommen. Damit werden die BRICS zu den BRICS Plus. 16 weitere Staaten haben sich um die Mitgliedschaft beworben. In dieser Folge des Atlantic Talk Podcast geht es um die Frage, welche Ziele diese Staatengruppe aktuell verfolgt und welche Dynamik ihre Erweiterung bedeutet.

Zu Gast ist Dr. Melanie MĂŒller von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Die promovierte Politologin ist Expertin fĂŒr die Region Afrika und hat erst kĂŒrzlich eine Studie zur Erweiterung der BRICS-Gruppe veröffentlicht. NatĂŒrlich habe China als grĂ¶ĂŸter und mĂ€chtigster Staat eine enorme Bedeutung in dieser Gruppe. Dennoch bringt die Erweiterung und das enorme Interesse an der Gruppe erhebliche Dynamik in der globalen Sicherheitsarchitektur mit sich.

Der „Elefant im Raum“ ist neben den teils starken GegensĂ€tzen zwischen einzelnen BRICS-Mitgliedsstaaten die Frage nach dem Umgang mit Russland, schließlich steht der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine im Gegensatz zum erklĂ€rten Ziel der BRICS-Staaten, der Friedensförderung. Dass sich zunĂ€chst einige afrikanische Staaten – darunter SĂŒdafrika – bei der Abstimmung von UN-Resolutionen zur Verurteilung des russischen Angriffs enthalten haben, sei zwar als ĂŒberraschend wahrgenommen worden. Afrika-Experten hĂ€tten das in gewisser Weise aber durchaus erwartet, nicht zuletzt wegen einer großen Sorge: Sollte es zu einem ausgewachsenen Handelskonflikt zwischen China und den USA kommen, wĂŒrden zum Beispiel die afrikanischen Staaten Gefahr laufen, zwischen den GroßmĂ€chten zerrieben zu werden. Melanie MĂŒller und Moderator Oliver Weilandt sprechen daher auch darĂŒber, wie die MilitĂ€rĂŒbung SĂŒdafrikas mit Russland am Jahrestag des Kriegsbeginns zu bewerten ist.

Um die SelbsteinschĂ€tzung der BRICS Plus-Staaten als „Globaler SĂŒden“ besser zu verstehen, sei es hilfreich, deren Kritik an der bisherigen Dominanz der westlichen Industriestaaten unter US-amerikanischer FĂŒhrung zu hören. Dazu zĂ€hlten die Unzufriedenheit bezĂŒglich der Beteiligung der Staaten des Globalen SĂŒdens in multinationalen Foren, aber auch die fehlende Freigabe von Patentrechten fĂŒr Impfstoffe in der Corona-Pandemie. „Den Westen und die EU sehen diese Staaten nicht mehr unbedingt als die bevorzugten Partner an“, erklĂ€rt MĂŒller. Mit dem Bedeutungsgewinn der BRICS-Erweiterung wachse im Westen nun allerdings auch die Sorge, dass sich China damit „einen Club der VerbĂŒndeten“ schaffe.

Es sei noch offen, welche gemeinsame Vorstellung eines „inklusiven Multilateralismus“ BRICS-Staaten wie Russland, China und Iran haben können. Umso spannender sei die Frage, was man strukturell international verĂ€ndern könnte, um beispielsweise afrikanischen Staaten politisch und wirtschaftlich auf Augenhöhe zu begegnen.

Zu Gast:

Dr. Melanie MĂŒller

Researcher and Senior Associate Forschungsgruppe: Afrika und Mittlerer Osten, Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP)

Dr. Melanie MĂŒller ist derzeit Forscherin und Senior Associate in der Forschungsgruppe Afrika und Nahost bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Ihre Forschung konzentriert sich auf SĂŒdafrika, Simbabwe und Mosambik, mit Schwerpunkten in politischen Transformationen, Rohstoffgovernance und Lieferkettenverantwortung, insbesondere metallischer Rohstofflieferketten. Sie leitet seit Juli 2022 das Forschungsnetzwerk Nachhaltige Globale Lieferketten und hatte zuvor von Juli 2020 bis Juli 2023 die Leitung des Projektes Transnationale Governance-AnsĂ€tze fĂŒr nachhaltige Rohstofflieferketten inne. Vor ihrer TĂ€tigkeit bei der SWP war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Freien UniversitĂ€t Berlin und beschĂ€ftigte sich mit Themen wie Migration, Menschenrechten und Nachhaltigkeit in staatlichem Handeln.

Moderation:

Oliver Weilandt

GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Hörfunkagentur Internationaler Audiodienst (iad)

Oliver Weilandt moderiert den »Atlantic Talk Podcast« der Deutschen Atlantischen Gesellschaft. Der Agenturleiter und Autor zahlreicher Radiofeature und politischer Hintergrundberichte auf den Wellen der ARD sowie in den Programmen des Deutschlandradios verantwortet unter anderem auch das Privatfunkprogramm der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Dr. Nicolas Fescharek

Referent
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