âEU und NATO sind wie zwei GehirnhĂ€lften, die nicht genug miteinander kommunizierenâ, sagt Dr. Nicole Koenig, Head of Policy der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz, aber das Ă€ndere sich jetzt. Europa ist dabei, sich neu zu sortieren. Seit der RĂŒckkehr von Donald Trump ins WeiĂe Haus haben sich die USA von ihrer Rolle als sicherheitspolitischer Garant Europas zurĂŒckgezogen. Europa muss sich selbst verteidigen können.
Was bedeutet das fĂŒr einen hoffentlich baldigen Waffenstillstand in der Ukraine, fĂŒr Europas eigene Verteidigung und fĂŒr das europĂ€ische SicherheitsgefĂŒge insgesamt? Moderator Dario Weilandt spricht mit Dr. Nicole Koenig darĂŒber, wer denn zur âKoalition der Willigenâ gehören könnte, die die Ukraine maĂgeblich unterstĂŒtzen will â auch mit weniger UnterstĂŒtzung durch die USA. Zu den 30 Staaten zĂ€hlen Frankreich, GroĂbritannien, viele EU-Staaten, aber auch Australien, Kanada und Japan. Zugleich gebe es aber auch LĂ€nder, die sagen, sie können nicht dabei sein, denn sie mĂŒssen zu sehr auf eigene Verteidigung achten.
GroĂe FĂ€higkeitslĂŒcken sieht Koenig insbesondere in der Luft- und Raketenabwehr. Hier will die NATO ihre KapazitĂ€ten um 400 % steigern. In der Produktion von Munition ist Russland bislang noch deutlich schneller als die NATO. âRussland produziert in drei Monaten so viel wie die ganze Nato in einem Jahr!â
Die EuropĂ€ische Union hat neue Programme aufgelegt: âReArm Europeâ und das neue SAFE-Programm (âSecurity Action for Europeâ) mit 150 Milliarden Euro fĂŒr die gemeinsame RĂŒstungsbeschaffung. Das werde manchen EU-LĂ€ndern helfen, aber es sei klar, âder GroĂteil der Investitionen muss auf nationaler Ebene passierenâ. Am Ende sei die Frage, um wie viel werden sich die Nationalstaaten verschulden.
Die Expertin fĂŒr EU-AuĂen- und Sicherheitspolitik sagt, es habe in den vergangenen drei Jahren viele âDĂ©jĂ -vu-Momenteâ bei europĂ€ischen Veranstaltungen zur Verteidigung gegeben: âEigentlich wussten alle, was es braucht â gröĂere gemeinsame Beschaffungen, StĂŒckpreise senken, langfristige VertrĂ€ge, mehr Ressourcen â, aber man hatte das GefĂŒhl, so richtig aufgewacht ist man nicht.â Seit diesem Jahr beobachte sie jedoch ein höheres Tempo.
Wie sollte die neue deutsche Bundesregierung agieren? Und schafft es die EuropĂ€ische Union im Bereich Sicherheit und RĂŒstung mit einer Stimme zu sprechen und dabei ihre demokratischen Werte nach innen und auĂen zu vertreten?
Auch wenn nicht klar ist, wie sehr und wie schnell sich die USA tatsĂ€chlich aus Europa zurĂŒckziehen, zwischen strategischer Autonomie Europas â vielleicht sogar âals letzte Bastion der liberalen Demokratieâ â und guten transatlantischen Beziehungen sieht Dr. Nicole Koenig jedenfalls keinen Widerspruch.








