Das scheinbar doch nicht mehr so âewigeâ arktische Eis im Norden schmilzt, und die Region weckt zahlreiche geopolitische Begehrlichkeiten. In der Arktis geht es um Rohstoffe, um neu entstehende und ökonomisch hochsensible Schifffahrtsrouten und um die militĂ€rische Absicherung alter und neuer Einflusszonen zwischen dem Beringmeer und dem Nordatlantik.
Zu Gast im Atlantic Talk Podcast ist diesmal der Politikwissenschaftler und freischaffende Berater fĂŒr Arktisfragen und arktische Sicherheit, Michael DĂ€umer. Mit ihm spricht Moderator Oliver Weilandt darĂŒber, welche sicherheitspolitischen Folgen die zunehmend eisfreie Arktis hat.
Ein chinesisches Schiff ist entlang der 24.000 km langen und zunehmend eisfreien russischen KĂŒste 14 Tage schneller in Rotterdam als ĂŒber die sĂŒdliche Route, den Suezkanal und das Mittelmeer. Zwar könnten die Staaten Europas wirtschaftlich davon profitieren. Aber fĂŒr das transatlantische BĂŒndnis der NATO stellt ein intensiver Ausbau dieser Route sicher eine innere Belastung dar.
Mag es daran liegen, dass das im Juni dieses Jahres beschlossene langfristige strategische Konzept der NATO dem neuen geopolitischen Brennpunkt keinen einzigen Satz widmet? WĂŒrden Russland und China hier eng zusammenarbeiten, könnten chinesische UâBoote ĂŒber die Nordpassage einen schwer kontrollierbaren Zugang zum Nordatlantik erhalten. Das wĂ€re beispielsweise durch den Tiefseegraben zwischen den Festlandssockeln von Grönland, Island und dem nördlichen Schottland möglich, dem sogenannten GIUK-Gap.
Zweifellos kommt den potenziellen neuen NATO-Partnern Finnland und Schweden in diesem Zusammenhang eine ebenso groĂe Bedeutung zu wie den zahlreichen schon bestellten SeefernaufklĂ€rungsflugzeugen Deutschlands und weiterer NATO-Partner.
Eine umfassende strategische AnnĂ€herung zwischen China und Russland hĂ€lt der Arktisexperte Michael DĂ€umer indes aktuell nicht fĂŒr sehr wahrscheinlich; zum einen wegen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine, zum anderen wegen der erheblichen infrastrukturellen Kosten, die der Ausbau einer nördlichen Schifffahrtsroute mit sich bringt. AuĂerdem stĂŒnde Russlands Interesse, sich zu einer eurasischen GroĂmacht zwischen Europa und Asien entwickeln, den chinesischen SouverĂ€nitĂ€tsinteressen zu sehr im Weg.
Viel hĂ€ngt in diesen Fragen aber auch von einer Entscheidung der Vereinten Nationen ab. Gleich mehrere der Arktis-Anrainer haben bei der Festlandssockelgrenzkommission der VN AntrĂ€ge auf Ausweitungen ihrer sogenannten »ausschlieĂlichen Wirtschaftszonen« (AWZ) gestellt. Kanada, das dĂ€nische Grönland und Russland wollen mit diesen AntrĂ€gen ihre AWZ von 200 Seemeilen gern erheblich erweitern.
Nach der Analyse geht es im GesprĂ€ch mit Michael DĂ€umer auch um eine âTherapieâ fĂŒr die Arktis. Er hĂ€lt Russland beispielsweise in der globalen Klimaforschung auch kĂŒnftig fĂŒr einen nicht verzichtbaren Partner und empfiehlt, sich den Blick auf eine Zeit nach dem russischen Krieg nicht zu verstellen.







