Eigentlich ist Taiwan (Offiziell die Republik China) ein unabhĂ€ngiger Staat, erlĂ€utert Ostasien-Expertin Dr. Gudrun Wacker, denn es hat eine eigene Verfassung mit Gewaltenteilung, eine StaatsprĂ€sidentin, einen Regierungschef und eine eigene Armee und ist insofern de facto ein unabhĂ€ngiger, demokratischer Staat â wird als solcher aber nur von 15 Staaten anerkannt. Der Rest hat sich auf die Ein-China-Politik festgelegt, nach der die Volksrepublik China international anerkannt ist und nicht der Inselstaat Taiwan, dessen rechtliche Stellung bis heute umstritten ist.
Die SWP-Senior Fellow und »Expert and Eminent Person« Gudrun Wacker erklĂ€rt im Atlantic Talk Podcast, wie sich die Beziehungen und AbhĂ€ngigkeiten zwischen dem Halbleiter-WeltmarktfĂŒhrer Taiwan und der Volksrepublik China ĂŒber die Jahre entwickelt haben, wie sich die Taiwaner in ihrem IdentitĂ€tsverstĂ€ndnis immer stĂ€rker vom Festland-China absetzen, die Mehrheit in Meinungsumfragen aber zugleich fĂŒr die Beibehaltung des Status quo votiert.
Nirgends treffen die Interessen der systemischen Rivalen USA und China so hart aufeinander wie in der Taiwan-StraĂe zwischen China und Taiwan, zwischen Autokratie und Demokratie. Wie ist es einzuordnen, wenn die Volksrepublik China erklĂ€rt, eine Vereinigung mit Taiwan friedlich anzustreben, aber vor wenigen Wochen in ihrem neuesten WeiĂbuch erklĂ€rt, nicht auf Gewalt zu verzichten? Was bedeutet die Reaktion von US-PrĂ€sident Joe Biden, die USA wĂŒrden direkt eingreifen, falls China militĂ€risch gegen Taiwan vorgehen sollte?
Die Einteilung Bidens in »Gut und Böse« bezeichnet Gudrun Wacker im GesprĂ€ch mit Moderator Oliver Weilandt als »nicht hilfreiches Framing« in Bezug auf den Indo-Pazifik, denn gerade hier sei eine Einteilung der Welt in Autokratien und Demokratien nicht zielfĂŒhrend. Sie hĂ€lt es fĂŒr zentral, dass die USA ihre strategische AmbiguitĂ€t nicht in Richtung einer »ambigen strategischen AmbiguitĂ€t« verĂ€ndern.
China werde niemals einen Gewaltverzicht versprechen, denn dann könnte sich Taiwan fĂŒr unabhĂ€ngig erklĂ€ren. Vielmehr werde China, so die Ostasien-Expertin, weiter militĂ€rische Ăberlegenheit demonstrieren und mit tĂ€glichen Cyberangriffen und Desinformationskampagnen die Demoralisierung der taiwanischen BĂŒrgerinnen und BĂŒrger verfolgen â quasi »Gewinnen ohne zu kĂ€mpfen«.
Deutschland und Europa sollten sich dennoch unbedingt auch auf Szenarien vorbereiten, die sich aus einem offen ausgetragenen Taiwan-Konflikt ergeben wĂŒrden â aber unter anderem durch mehr Austausch auf Minister-Ebene die informellen Beziehungen zu Taiwan intensivieren.






