Deutsche Atlantische Gesellschaft e.V.

(34) Krieg in der Ukraine – neue Feinde, alte Freunde und das ewige Leiden der »Pufferstaaten«

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MilitĂ€rstrategisch muss man die Ukraine wohl als Pufferstaat zwischen Russland und der NATO bezeichnen. Solche Pufferstaaten erhöhen qua definitionem die StabilitĂ€t zwischen zwei GroßmĂ€chten, tragen dafĂŒr aber oft selbst unendliche Leiden davon. Lag dem Umgang der NATO ebenso wie der Umgang der EuropĂ€ischen Union mit der Ukraine solches strategisches Denken zugrunde, als beide ein eigenes militĂ€risches Eingreifen schon vor der russischen Invasion in die Ukraine kategorisch ausgeschlossen und die Ukraine damit der militĂ€rischen Übermacht Russlands preisgegeben haben?

So einfach sei das nicht, verneint Atlantic-Talk-Gast und DAG-PrĂ€sident Christian Schmidt. Nachdem man das Blockdenken lange Zeit als vergangen glaubte, hĂ€tten die NATO und die EU vor der Entscheidung gestanden, entweder »einen globalen – oder jedenfalls europĂ€ischen Krieg mit US-amerikanischer Beteiligung – zu provozieren oder einen regionalen Konflikt möglichst zu begrenzen«. Die militĂ€rische ZurĂŒckhaltung sei insofern richtig gewesen, selbst auf die Gefahr hin, missverstanden zu werden.

Christian Schmidt wurde im Mai 2021 auf Vorschlag der deutschen Bundesregierung vom Friedens-Implementierungs-Rat zur Umsetzung des Friedensabkommens von Dayton als Hoher ReprĂ€sentant fĂŒr Bosnien und Herzegowina gewĂ€hlt. Vor dem Hintergrund der russischen Großmachtambitionen mĂŒsse es nun innerhalb der EuropĂ€ischen Union auch dringend zu einer Neubewertung der EU-BeitrittsbemĂŒhungen der Staaten des Westbalkans kommen, fordert Schmidt. Er verweist beispielsweise auf die Entscheidung des serbischen MinisterprĂ€sidenten Alexandar Vucic, der in der UNO-Vollversammlung trotz der traditionellen NĂ€he Serbiens zu Russland fĂŒr die Verurteilung des russischen Angriffskriegs gestimmt hat. Auch auf dem Balkan wachse die Sorge, zwischen die Fronten zu geraten. 

Mit einem klaren Ja beantwortet Christian Schmidt die Frage von Moderator Oliver Weilandt, ob er denn die Überzeugung des Augustinus bis heute fĂŒr wahr halte, dass wer den Frieden will, den Krieg vorbereiten mĂŒsse. Ihm – so Schmidt – bestĂ€tige der Krieg in der Ukraine leider erneut: Es gibt auf dieser Welt eben nicht Frieden und Freiheit fĂŒr jeden zu allen Zeiten. »Si vis pacem para bellum« sei fĂŒr ihn daher bis heute die Formel, um jene einzuhegen, die den Frieden stören. 

Zu Gast:

Bundesminister a. D. Christian Schmidt

Hoher ReprĂ€sentant fĂŒr Bosnien und Herzegowina; PrĂ€sident der Deutschen Atlantischen Gesellschaft

Bundesminister a. D. Christian Schmidt trat 2021 das Amt des Hohen ReprĂ€sentanten fĂŒr Bosnien und Herzegowina an und ist seit 2006 PrĂ€sident der Deutschen Atlantischen Gesellschaft. Seit 1990 war er Abgeordneter des Deutschen Bundestages. Von 2002 bis 2005 war er Verteidigungspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und im Anschluss bis 2013 Parlamentarischer StaatssekretĂ€r beim Bundesminister der Verteidigung. 2014 wurde er zum Bundesminister fĂŒr ErnĂ€hrung und Landwirtschaft ernannt; ein Amt, das er bis 2018 bekleidete. Er ist stellvertretender Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung.

Moderation:

Oliver Weilandt

GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Hörfunkagentur Internationaler Audiodienst (iad)

Oliver Weilandt moderiert den »Atlantic Talk Podcast« der Deutschen Atlantischen Gesellschaft. Der Agenturleiter und Autor zahlreicher Radiofeature und politischer Hintergrundberichte auf den Wellen der ARD sowie in den Programmen des Deutschlandradios verantwortet unter anderem auch das Privatfunkprogramm der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Dario Weilandt

Leiter Kommunikation und Digitale Medien
LennĂ©straße 11 · 10785 Berlin
030 20649-134
030 20649-136
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