Deutsche Atlantische Gesellschaft e.V.

(65) Indien zwischen Kaschmir-Krisen und Aufstieg zur drittgrĂ¶ĂŸten Volkswirtschaft

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In der Region Jammu und Kaschmir im Norden Indiens schwelt seit Jahrzehnten der Kaschmir-Konflikt. Wegen der regelmĂ€ĂŸigen GewaltausbrĂŒche zwischen Indien und Pakistan und weil beide Staaten Atomwaffen besitzen, gilt Kaschmir als eine der gefĂ€hrlichsten Regionen der Welt. Die letzte Eskalation Anfang Mai 2025 wurde ausgelöst durch einen Terroranschlag bei Pahalgam. Indien reagierte mit der „Operation Sindoor“, mit gezielten MilitĂ€rschlĂ€gen auf mutmaßliche Terrorcamps in Pakistan, was wiederum zu Gegenangriffen Pakistans fĂŒhrte. Es kam zu schweren KĂ€mpfen an der Grenze und zu gegenseitigen Anschuldigungen und Sanktionen. Inzwischen gibt es eine Waffenruhe, doch es herrscht weiter eine diplomatische Eiszeit.

In dieser Folge des Atlantic Talk Podcasts schauen Moderator Dario Weilandt und sein Gast Dr. Tobias Scholz (Stiftung Wissenschaft und Politik, zugeschaltet aus Indien) mit etwas Abstand auf diesen Kurzkrieg. WĂ€hrend Indien versucht, den indischen Teil Kaschmirs zu einer wirtschaftlich attraktiven Region zu machen, stellen sich islamistische Gruppen aus Pakistan dagegen, erlĂ€utert Dr. Scholz. FĂŒr den jĂŒngsten Terroranschlag mache Indien jedoch nicht nur diese Terrorgruppen verantwortlich, sondern auch Pakistan direkt. So drohe aus einem Konflikt zwischen Indien und den Terrorgruppen ein bilateraler Konflikt zwischen Indien und Pakistan zu entstehen.

Dazu trĂ€gt auch bei, dass Indien den Indus-Wasservertrag ausgesetzt hat, der seit 1960 die Wasserverteilung der fĂŒr Pakistan wichtigen Lebensader regelt. Wenn Indien das Wasser selbst nutzen wĂŒrde, könnte das aus Sicht Pakistans eine rote Linie ĂŒberschreiten. Das sei „eine schlechte Entscheidung Indiens aus globaler Perspektive“, urteilt Dr. Scholz. Denn durch das Aussetzen dieses internationalen Vertrags erscheine Indien, das eigentlich in einer Opferrolle ist, nun als aggressiver Akteur.

Wie gefĂ€hrlich ist eine solche Situation in Anbetracht der Tatsache, dass Indien und Pakistan nicht nur ĂŒber Nuklearwaffen verfĂŒgen, sondern darĂŒber hinaus auch China einen Teil der Kaschmir-Region beansprucht und ebenfalls Nuklearmacht ist? Dr. Scholz sieht keine direkte Gefahr fĂŒr den Einsatz von Nuklearwaffen, denn daran lasse derzeit keiner der drei Staaten ein Interesse erkennen. Die Gefahr gehe eher davon aus, dass durch nicht-staatliche Terrorgruppen bilaterale Konflikte mit der Zeit soweit eskalieren, dass dann eine nukleare Schwelle erreicht werden könnte. Vom „nuklearen SĂ€belrasseln Pakistans“ lasse sich jedoch weder die Regierung noch die Bevölkerung Indiens verunsichern.

Im letzten Teil richtet der Atlantic Talk Podcast den Blick auf Indiens wachsende Rolle in der Welt. Dr. Scholz betont, schon jetzt sei Indien ein Akteur, der FachkrĂ€fte in alle Welt sendet. Wirtschaftlich hat Indien Japan bereits nach einigen Indizes ĂŒberholt und könnte wohl in zwei bis drei Jahren zur drittgrĂ¶ĂŸten Volkswirtschaft der Welt aufsteigen. Gleichzeitig hat das Land immer noch rund 800 Millionen Einwohner, die von akuter Armut betroffen sind. Wie positioniert sich das Land außenpolitisch und was bedeutet das fĂŒr die Beziehungen im Konfliktfeld zwischen den USA und China? Darum geht es ebenso wie um die erneuten Verhandlungen zwischen der EU und Indien ĂŒber ein Freihandelsabkommen sowie Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaften. Dr. Tobias Scholz sieht ein Momentum dafĂŒr, dass die Verhandlungen diesmal gelingen könnten.

Zu Gast:

Dr. Tobias Scholz

SĂŒdasienwissenschaftler, Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP)

Tobias Scholz ist SĂŒdasienwissenschaftler bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Promoviert hat er im Rahmen eines PhD-joint-Programms am King‘s-College London und an der National University of Singapore. Er hat einen M.A. in Internationalen Beziehungen von der Freien UniversitĂ€t Berlin, der Humboldt UniversitĂ€t und der UniversitĂ€t Potsdam und erwarb seinen B.A. an der Georg-August UniversitĂ€t Göttingen. Von 2019-2020 war er als Projekt-Assistent in der Digitalen Kommunikation bei der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz tĂ€tig.

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Dr. Nicolas Fescharek

Referent
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