Zur Nürnberger Sicherheitstagung 2026 luden die Kooperationspartner Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit/Thomas-Dehler-Stiftung, Deutscher BundeswehrVerband, Deutsche Atlantische Gesellschaft e.V., Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V., Clausewitz-Gesellschaft e.V. und Reservistenverband Landesgruppe Bayern für den 24. und 25. April 2026 ein. Die Tagung stand unter dem Titel: „Weltordnung im Stresstest: Umbruch in der Geopolitik! Neue (Un)-Sicherheit?«.



Als Experten waren geladen: Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann MdEP (Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Europäischen Parlaments), General a. D. Eberhard Zorn (Ehem. Generalinspekteur der Bundeswehr), Mattia Nelles (Politischer Analyst, Mitbegründer und Leiter des Deutsch-Ukrainischen Büros), Laura Tatarelyte (Programmmanagerin für die Baltischen Staaten im Bereich Sicherheit und Verteidigung im Büro Vilnius der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit), Dr. Christoph von Marschall (Diplomatischer Korrespondent der Chefredaktion des Tagesspiegel), S. E. Ahmed Alattar (Außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate in Deutschland), Prof. Dr. Veronika Grimm (Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und Professorin an der Technischen Universität Nürnberg), Shahrzad Eden Osterer (Deutsch-iranische Journalistin und Autorin) sowie Dr. Sarah Kirchberger (Akademische Direktorin und Abteilungsleiterin für strategische Entwicklung in Asien-Pazifik am Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel)
Das Organisationskomitee der Nürnberger Sicherheitstagung habe bei der Titelgebung der Tagung im Februar des Jahres nicht geahnt, wie sehr sie mit dem Thema im Zenit liegen, so Oberstleutnant Josef Rauch, Landesvorsitzender des Deutschen BundeswehrVerbands, Landesverband Süddeutschland, bei der Eröffnung der Tagung. Bereits drei Tage nach der Festlegung des Themas hätten die USA und Israel den Iran und Israel zusätzlich die Hisbollah im Libanon angegriffen. Dieser Krieg habe gezeigt, dass die Weltordnungsmacht USA unter dem Präsidenten Donald Trump zwischenzeitlich zur Weltunordnungsmacht degeneriert sei.



Alle Länder Europas starrten darauf, was Deutschland tue, sagte die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Europäischen Parlaments Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann im Eröffnungspanel. Viele unserer Nachbarländer erwarteten und hofften darauf, dass Deutschland eine Führungsrolle übernehme. Es gebe viel zu tun um eine gemeinsame Beschaffung und militärische Mobilität zu verwirklichen. Daran arbeite man in Brüssel. Die Beschaffungssituation der Bundeswehr sei wesentlich besser, als es die mediale Berichterstattung spiegele, so der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr General a.D. Eberhard Zorn. Die Bundeswehr habe bislang Lücken aufgefüllt und plane jetzt für zukünftige Herausforderungen. Einig waren sich Strack-Zimmermann und Zorn bei der Beurteilung, dass eine Europäische Armee absehbar nicht realistisch umsetzbar sei.
Die Videoaufzeichnung des ersten Teils der Konferenz finden Sie hier.
Der Politische Analyst Mattia Nelles, führt aus, dass die Ukraine besser dastehe, als zu Beginn des Krieges. Die Ukraine habe es geschafft, den Preis für die Russische Armee soweit in die Höhe zu treiben, dass sich der Krieg nicht mehr lohne. Die Ukraine schaffe es durch kluge Nutzung von Drohnen ihre Nachteile auszugleichen. Erstmals sei es im April gelungen, eine russische Stellung ausschließlich von Drohnen und UGVs zu erobern. Zudem sei das Land von einem Empfängerland von Waffen zu einem Exporteur herangewachsen. Für ihn stelle sich mit Blick auf Deutschland die Frage, wie schnell die Bundeswehr die Lehren aus dem Ukrainekrieg ziehen und umsetzen kann.
Laura Tatarelyte, die Programmmanagerin für die Baltischen Staaten im Bereich Sicherheit und Verteidigung im Büro Vilnius der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit sprach eindringlich davon, wie dankbar die litauische Bevölkerung darüber sei, dass die Bundeswehr sich in Litauen engagiere. Täglich seien Störaktionen und Propagandaaktionen von russischer Seite in Litauen sichtbar, beispielsweise durch GPS-Störungen. Dies zeige, dass der Krieg nicht mehr an geographischen Grenzen halte, sondern längst in unserem Alltag angekommen sei. Die Verteidigung gegen diese Art des Angriffs erfordere nicht nur Investitionen beispielsweise in Drohnen, sondern auch sehr stark in Menschen.



Mit dem Thema transatlantischen Beziehungen beschäftigte sich Dr. Christoph von Marschall, Diplomatischer Korrespondent der Chefredaktion des Tagesspiegel. Die Ordnung, mit der wir groß geworden sind, gibt es nicht mehr. Europa müsse seine Verteidigung selbst organisieren. International spiele Europa derzeit keine Rolle. Nach Trump werden die USA nach seiner Einschätzung sich wieder fangen. Europa sei zwar ökonomisch stark, aber nicht verteidigungsfähig ohne die USA und militärisch ein Zwerg. Solange die Ukrainer kämpfen, kauften sie Europa Zeit, die wir vertrödelt haben. In einem Szenario in dem die USA militärisch im Pazifik gebunden wären, müssten die Europäer die Verteidigung in Europa ohnehin selbst organisieren. Deshalb muss eine mentale Zeitenwende stattfinden und wir müssen die Welt nehmen, wie sie ist. Das beute Resilienz.
Die Videoaufzeichnung des zweiten Teils der Konferenz finden Sie hier.
Aus der Sicht seines Landes bewertete der Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate in Deutschland Ahmed Alattar die Situation in Iran. Statt eines Regimewechsels setzten die VAE auf einen Politikwechsel und hofften darauf, dass es kein Chaos in Iran gebe als Auswirkung eines Regimewechsels. Von einem solchen Szenario nach einem Regimewechsel gehen die VAE aus, so der Botschafter. Man hoffe auf ein schnelles Ende der Krisensituation in der Region.
Prof. Dr. Veronika Grimm zeichnete die Bedeutung der Geoökonomie in Bezug auf die geopolitischen Blöcke nach. Es sei wichtig, sich der ökonomischen Abhängigkeiten zu stellen um geopolitisch Handlungsfähig zu werden. Europa investiere viel zu wenig in Forschung und Entwicklung von Waffensystemen im Vergleich zu den USA.
Shahrzad Eden Osterer, Deutsch-iranische Journalistin und Autorin warf einen Blick auf das Thema Iran. Schon früh hätten viele davor gewarnt, Sanktionen gegen den Iran zu lockern. Viel habe der Westen versäumt. Beschwichtigungen seien der Weg insbesondere Europas gewesen. Die Menschen in Iran seien froh darüber, dass die Islamische Republik nun angegriffen werde. Verhandlungen mit diesem Régime führten zu nichts.



Über die Rolle des Akteurs China sprach Dr. Sarah Kirchberger, Akademische Direktorin und Abteilungsleiterin für strategische Entwicklung in Asien-Pazifik am Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel. Das erratische Handeln der US-Administration werde auch in China mit Unverständnis aufgenommen. China fühle sich durch die Präsenz von US-Truppen und ihrer Verbündeten direkt vor ihrer Küste bedroht und umzingelt. Umgekehrt fühlten sich die Staaten vor der Küste Chinas von China bedroht. China versuche wirtschaftlich und militärisch unverwundbar zu werden und gleichzeitig Abhängigkeiten anderer Länder zu sich aufzubauen. Wir müssten damit rechnen, dass jegliche Abhängigkeiten von China ausgenutzt werden, so Kirchberger. Zudem sei mit einem militärischen Konflikt im Indopazifik zu erwarten. Da eine europäische militärische Beteiligung im indopazifischen Raum von Seiten der USA neuerdings abgelehnt würde empfehle sie Europa sich mit gleichgesinnten Partnern im Indopazifik stärker vernetzen.
Mit einer herzlichen Einladung zur kommenden Nürnberger Sicherheitstagung 2027 verabschiedetet Ulrich Lechte die Teilnehmer.



Die Videoaufzeichnung des dritten Teils der Konferenz finden Sie hier.






















