Er konnte berichten, dass inzwischen alle der mehr als 50 im 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen geplanten Projekte vertraglich fixiert sind. Dies war auch durch das Bundeswehrbeschaffungsbeschleunigungsgesetz ab Sommer 2022 möglich, welches durch Nutzung der EU-rechtlichen Möglichkeiten die Vergabeprozesse um bis zu 10 Monate beschleunigte. Je nach Projekt und IndustriekapazitĂ€t wird das neue Material ab nĂ€chstem Jahr beginnend bis in die Jahre 2030 bis 2035 der Truppe zuflieĂen. Ăber den Materialaufwuchs hinaus muss auch in erheblichem MaĂe Munition zusĂ€tzlich beschafft werden, um die DurchhaltefĂ€higkeit der Bundeswehr sicherzustellen. Materiell sind die erforderlichen MaĂnahmen eingeleitet und bedĂŒrfen nun der nachhaltigen Finanzierung und Projektbegleitung.
Als Folge der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie vom Sommer 2023 wurden durch die zustĂ€ndigen Ministerien weitere Folgestrategiepapiere erarbeitet, so auch die Verteidigungspolitischen Richtlinien, denen dann in KĂŒrze eine neue MilitĂ€rstrategie fĂŒr die Bundeswehr folgen wird. Sicherheit fĂŒr Deutschland wird in allen Dokumenten als integrierte Sicherheit verstanden, incl. Innerer Sicherheit, Cybersicherheit, Klimafolgenschutz und Sicherheit im Weltall.

Allerdings definieren diese Strategiepapiere keine klaren Zeitziele oder weisen den einzelnen MaĂnahmen die erforderlichen Finanzmittel konkret zu. Diese Aufgabe obliegt den jeweiligen Ministerien. Auch fĂŒr die Bundeswehr stellt sich die Frage, wie es nach dem Auslaufen des 100-Milliarden-Euro-Sondervermögens nach 2027/28 weitergehen soll, wenn der Mittelbedarf des regulĂ€ren Verteidigungshaushalts von rd 51 Mrd. ⏠auf rd 80 Mrd. ⏠steigen muss. GerĂ€t muss auch betrieben und zusĂ€tzliches Personal bezahlt werden. Die dafĂŒr erforderlichen Haushaltsmittel mĂŒssen im regulĂ€ren Haushaltstitel bereitgestellt werden.
Die Ukraine ist weiterhin motiviert, ihre Freiheit gegen den russischen Angriffskrieg entlang einer 1400 km langen Front zu verteidigen, obwohl Russland weiter angreift und massiv zivile Ziele und kritische Infrastruktur unter Feuer nimmt. Putins Ziele gehen jedoch weit ĂŒber die Ukraine hinaus. Sein Fernziel ist es, Europa von den USA zu trennen, die Vorherrschaft ĂŒber Europa zu erlangen und den Westen zu schwĂ€chen. Daher arbeitet er mit anderen autoritĂ€ren Regimen wie dem Iran, Nordkorea und auch China zusammen, die Russland in dieser Absicht unterstĂŒtzen.
Russland hat seine Wirtschaft auf Kriegswirtschaft umgestellt und vergröĂert seine Armee. Nach westlichen Studien hat Russland bis 2026 auch noch genĂŒgend Finanzmittel zur KriegfĂŒhrung. Die Sanktionen gegen Russland und seine VerbĂŒndeten wirken nur langsam und erfordern einen langen Atem der Ukraine und der westlichen UnterstĂŒtzer. Russland wird aus dem Ukraine-Krieg insgesamt gestĂ€rkt hervor gehen, so die aktuellen EinschĂ€tzungen.
Die NATO ist durch die Beitritte von Finnland und Schweden stĂ€rker geworden und hat mit der EinfĂŒhrung des sog. New Force Modell die Weichen gestellt, um die Abschreckung auf neue Grundlagen zu stellen und so der russischen Bedrohung in allen Dimensionen etwas entgegenzusetzen. Das VerteidigungsbĂŒndnis hat an Geschlossenheit und StĂ€rke gewonnen. Leichte KrĂ€fte werden im Rahmen der sog. Allied Reaction Force mit höchster VerfĂŒgbarkeit bereitgehalten, um sie im Bedarfsfall an die NATO-Flanken verlegen zu können.
Derzeit baut Litauen die Infrastruktur als Voraussetzung fĂŒr die dauerhafte Stationierung der kĂŒnftigen Brigade der Bundeswehr, die ab 2025 bis 2027 dort ihre volle Einsatzbereitschaft herstellen wird.

In Europa haben sich inzwischen 22 Staaten zu einer gemeinsamen Luftverteidigung zusammengeschlossen, die von Bundeskanzler Scholz als European Sky Shield Initiative (ESSI) ins Leben gerufen wurde.
Auch im Nahen Osten ist Deutschland erheblich gefordert. Israel wird durch Deutschland materiell unterstĂŒtzt, gleichzeitig ist die Bundeswehr unverĂ€ndert an der UN-Mission im Libanon (UNIFIL) beteiligt.
Aus der Bedrohungslage ergeben sich neue Forderungen an die Bundeswehr und ihren Einsatzbereitschaftsgrad. Wie im kalten Krieg mĂŒssen kĂŒnftig alle KrĂ€fte stĂ€ndig einsatzbereit sein. Zudem muss eine Reserve zur Heimatverteidigung aufgebaut werden, um die DurchhaltefĂ€higkeit zu erhöhen. Dazu werden ausscheidende Soldaten weiter im Blick gehalten werden mĂŒssen, aber auch Firmen mĂŒssen bereit sein, ArbeitskrĂ€fte fĂŒr Reservedienstleistungen freizustellen.
Die groĂe Herausforderung fĂŒr die Bundeswehr insgesamt stellt die Gewinnung weiteren Personals dar, um das Ziel einer GesamtstĂ€rke von 203.000 Soldaten und den Aufbau einer Reserve von 260.000 Reservisten, davon 60.000 in einer Beorderung, zu erreichen.
Weitere Forderungen werden auf uns zukommen: Die NATO will die Anzahl der verfĂŒgbaren Brigaden von heute 82 auf 131 steigern. Hier wird Deutschland seinen Anteil beisteuern mĂŒssen. Das wiederum bedingt mehr Personal, Material und Infrastruktur â und damit weitere Finanzmittel, die in der Zukunft aufzubringen sind. Rund 80 Mrd Euro sind infrastrukturell in den nĂ€chsten 20 Jahren erforderlich, um Neubauten, Bauunterhalt und Investitionen in die energetische Sanierung zu finanzieren. Man darf also gespannt sein, wie diese Mehrforderungen in die aktuellen Haushaltsverhandlungen einflieĂen und sich in der Mittelfristigen Finanzplanung des Bundes abbilden lassen.
Der Wiederaufbau des Kerns einer Wehrersatzorganisation ist inzwischen angewiesen worden. Auch wenn es derzeit nicht nach einer politischen Mehrheit fĂŒr die Wiedereinsetzung der Wehrpflicht aussieht, so soll wenigstens eine Erfassung der infrage kommenden MĂ€nner und auch Frauen erfolgen.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Lage ernst ist, dies in der Bevölkerung auch wahrgenommen und nun die schnelle Umsetzung der eingeleiteten MaĂnahmen erwartet wird. Von den politisch Verantwortlichen wird erwartet, dass diese die Lage und deren Folgen fĂŒr Bundeswehr und Gesellschaft besser erklĂ€ren.









