Regionale Ordnung am Golf

Was ändert sich in der Ära Biden?

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Die Welt bei einem Kaffee, die Gesprächsreihe, mit der die Deutsche Atlantische Gesellschaft aktuell durch Deutschland reist und dabei für das transatlantische Bündnis relevante Regionen und Länder weltweit in den Blick nimmt, war mit einer neuen Station in Nürnberg zu Gast, wo sie die strategisch wichtige Golfregion unter die Lupe nahm.

In einer Kooperationsveranstaltung mit dem Deutsch-Amerikanischen Institut Nürnberg wurde gefragt: 

Regionale Ordnung am Golf – Was ändert sich in der Ära Biden?

Zu Beginn der Amtszeit Joe Bidens sind mehrere (Wieder-) Annäherungsprozesse im komplexen zwischenstaatlichen Gefüge des Nahen Ostens erkennbar. Dies stellt die USA, die spätestens seit dem Zweiten Golfkrieg ein nicht wegzudenkender Akteur in der regionalen Ordnung sind, vor neue Herausforderungen und drängt die Frage nach Kontinuität oder Wandel in den Politikansätzen auf: Nachdem sein Amtsvorgänger Donald Trump im September 2020 selbstsicher mit den „Abraham-Abkommen“ einen außenpolitischen Erfolg feierte und die Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten bzw. mit Bahrain in die Wege leitete, bemüht sich Außenminister Antony Blinken derzeit um einen Ausbau dieses Friedensarrangements. Umgekehrt fährt Biden eine härtere Linie gegenüber dem verbündeten saudischen Königreich, nachdem er den Geheimdienstbericht zum Mord am Journalisten und Regimekritiker Jamal Khashoggi veröffentlichen ließ, in dem Kronprinz Mohammed Bin Salman als Drahtzieher direkt verantwortlich gemacht wird. Auch stellte er die Waffenlieferungen an die Ölmonarchie auf den Prüfstand, was letztlich die US-Position in der saudisch geführten Militärkampagne in Jemen verändert. Sind dies Anzeichen für neue Standards in der Golfpolitik, die Menschenrechtsverletzungen stärker als zuvor in den Blick nehmen? Oder wird diese Politik zu sehr vom Anspruch überschattet, „forever wars“ in Afghanistan und dem Irak zu beenden, sodass regionale Verschiebungen – auch nach dem Ende der Luft‑, Land- und Seeblockade Katars im Januar 2021 oder hinsichtlich der schrittweisen Annäherung der arabischen Staaten an das Assad-Régime in Syrien – weniger im Fokus stehen?

Gemeinsam konnten wir Orientierung bieten und haben uns gefreut, Sie zu dieser Kooperationsveranstaltung mit dem Deutsch-Amerikanischen Institut Nürnberg begrüßen zu dürfen:

Zu Gast:

Prof. Dr. Thomas Demmelhuber

Professor für Politik und Gesellschaft des Nahen Ostens an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Thomas Demmelhuber ist seit Oktober 2015 Professor für Politik und Gesellschaft des Nahen Ostens an der FAU Erlangen-Nürnberg. 2015 wurde er ebenso zum Visiting Professor am College of Europe (Natolin) ernannt. Zuvor war Demmelhuber Juniorprofessor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Politik und Internet an der Universität Hildesheim (2012-2015). Demmelhuber hat zahlreiche Bücher herausgegeben, hervorzuheben sind hierbei das 2018 erschienene The Routledge Handbook on the European Neighbourhood Policy (zusammen mit Tobias Schumacher & Andreas Marchetti) sowie das 2020 bei Routledge publizierte Buch zum Thema Authoritarian Gravity Centres: A Cross-Regional Study of Authoritarian Promotion and Diffusion (gemeinsam mit Marianne Kneuer). Er wirkt ferner in zahlreichen wissenschaftlichen Vereinigungen in Beirat und Vorstand mit, bspw. seit 2018 als Vorstandsmitglied der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Vorderer Orient (DAVO) und für die Periode von 2020 bis 2023 als Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Orient-Instituts in Beirut (OIB).

Jeff Montrose

Lehrbeauftragter für US-Außen- und Sicherheitspolitik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt / Buchautor / Veteran

Jeff Montrose, geboren 1972, ging als Siebzehnjähriger zur US-Armee und wurde 2004/2005 im Irakkrieg als Zugführer, später als stellvertretender Kompaniechef eingesetzt. Aus Gewissensgründen quittierte er den Dienst und lebt seitdem in Deutschland, wo er zunächst als Englischlehrer arbeitete. Seit 2010 ist er Lehrbeauftragter für US-Außen- und Sicherheitspolitik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, seit 2016 auch Gastdozent für US-Außenpolitik an der Universität Hamburg. Im August 2021 erschien im Econ-Verlag sein Buch „In der Wüste des Wahnsinns Was ich im Irakkrieg erlebt und endlich begriffen habe“: Ein schonungsloser Einblick in das Leben als Kampfsoldat und zugleich ein fundiertes Hinterfragen von Sinn und Zweck militärischer Auslandseinsätze.

Staatsministerin a.D. Kerstin Müller

Senior Associate Fellow im Programm Naher Osten und Nordafrika der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik

Kerstin Müller ist seit April 2019 Senior Asscoiate Fellow im Programm Naher Osten und Nordafrika der DGAP. Insbesondere der israelisch-palästinensische Konflikt und die deutsch-israelischen Beziehungen stehen seit vielen Jahren im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Zuletzt leitete sie von 2013 bis 2018 als Direktorin das Israelbüro der Heinrich-Böll-Stiftung in Tel Aviv. Zuvor war die studierte Juristin von 1994 bis 2013 für Bündnis 90/Die Grünen Mitglied des Deutschen Bundestag. In dieser Zeit war sie von 1994 bis 2002 Fraktionsvorsitzende der Bundestagsfraktion und in der zweiten Legislaturperiode der rot-grünen Regierungskoalition von 2002 bis 2005 als Staatsministerin im Auswärtigen Amt tätig. Von 2005 bis 2013 war sie als Mitglied des Auswärtigen Ausschuss außenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/ Die Grünen, sowie stellvertretende Vorsitzende des Unterausschuss für zivile Krisenprävention. Neben ihrer Expertise im Themenbereich Nahost gehören die transatlantischen Beziehungen, sowie die zivile Krisenprävention zu den Schwerpunkten ihrer Arbeit. Ihre akademische Ausbildung absolvierte die Juristin an der Universität Köln.

Moderation:

Prof. em. Dr. Andreas Falke

Lehrstuhl für Auslandswissenschaften im Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg / Direktor Deutsch-Amerikanisches Institut Nürnberg

Nach dem Studium der Sozialwissenschaften und Amerikanistik in Göttingen, Miami, USA und St. Louis, USA folgten für Andreas Falke eine Promotion sowie eine Habilitation in Politikwissenschaften an der Universität Göttingen. Im Zuge von Forschungsaufenthalten in den USA war er Thyssen-Stipendiat an der Library of Congress, Visiting Fellow an der Brookings Institution (Washington D. C.) und Kennedy Memorial Fellow an der Harvard University. Von 1992 bis 2002 war er Principal Economic Specialist an der amerikanischen Botschaft in Bonn und Berlin, worauf er Lehrstuhlinhaber für Auslandswissenschaft (Englischsprachige Kulturen mit dem Schwerpunkt Wirtschafts- und Sozialordnung) an der Universität Erlangen-Nürnberg wurde. Seit 2004 ist er zudem Direktor des Deutsch-Amerikanischen Instituts, Nürnberg. Andreas Falke ist Beiratsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Amerikastudien (DGfA), Mitglied des Herausgebergremiums der Amerikastudien und seit 2015 auch Mitglied im Beirat der Stiftung Bayerisches Amerika Haus München und Mitglied der Bayrischen Amerika Akademie.

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Christina Forsbach

Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Dorotheenstraße 84 · 10117 Berlin
030 20649-134
030 20649-136
Bildnachweise für diese Seite
 Copyright
Bild Schmidtartikel NATO
Für Abbildungen, die hier nicht gelistet sind, ist kein Urheber-Nachweis notwendig, oder wir selbst sind der Urheber.