Die islamische Regierung Afghanistans und die islamistischen Taliban haben gegenseitig ausrichten lassen, dass sie nun zur Aufnahme von FriedensgesprÀchen bereit sind. Es ist ein Erfolg vieler diplomatischer Vermittlungsversuche, aber auch das Ergebnis einer gefÀhrlich einseitigen Vereinbarung zwischen den USA und den Taliban, dem sogenannten »Deal von Doha«.
Vor 20 Jahren hatten die US-gefĂŒhrten NATO-Truppen die islamistischen Taliban noch aus der Regierung gebombt. Bis zum Mai kommenden Jahres und 180.000 dokumentierte Todesopfer spĂ€ter ĂŒberlassen die Amerikaner das weitgehend schutzlose Land den Taliban. Den Preis fĂŒr die FriedensgesprĂ€che hat die US-Administration festgelegt. Gezahlt hat ihn die afghanische Regierung mit der Freilassung von 5.000 Taliban-Gefangenen. Die Gegenleistung der Taliban besteht im Kern nur aus ebendieser schmalen Zusage, mit der afghanischen Regierung ĂŒber Frieden zu sprechen.
»Aber«, sagt unser gerade aus Afghanistan nach Deutschland zurĂŒckgekehrter Gast, Prof. Dr. Hans-Joachim GieĂmann, »unterschĂ€tzen Sie den afghanischen PrĂ€sidenten nicht«. FĂŒr Ashraf Ghani steht fest: Ohne Staatsform einer demokratisch orientierten Republik geht es nicht. Doch auch die Taliban haben rote Linien, wenngleich es heute eine neue Generation von Taliban gebe, »die mit den alten ikonischen KĂ€mpfern nur noch begrenzt etwas zu tun haben«.
Was also wird aus Afghanistan, wo es bis heute tĂ€glich neue Opfer gibt? Etwa ein IS-Kalifat, ein gemĂ€Ăigtes Taliban-Emirat, oder doch eine demokratisch ausgerichtete Republik unter talibanischer FĂŒhrung?
Unser Gast kennt die VerhandlungsfĂŒhrer persönlich, hat den PrĂ€sidenten in den letzten Wochen mehrfach beraten und pendelt seit Jahren unter anderem als EmissĂ€r der Berghof-Foundation zwischen den Kontrahenten hin und her. »Die Kabuler Seite versteht nicht, dass die DiversitĂ€t der Gesellschaft, die sie widerspiegelt, ein Trumpf ist fĂŒr sie und nicht eine Carte blanche fĂŒr den Untergang«.
Die Zeit fĂŒr FriedensgesprĂ€che sei reif, sagt GieĂmann, die Vorstellungen darĂŒber, was aus Afghanistan am Ende von FriedensgesprĂ€chen werden könnte, gehen jedoch weit auseinander. Nur eines sei auch den Taliban klar: MilitĂ€risch kann in Afghanistan niemand einen Krieg gewinnen.






