âWenn man von oben auf den Globus schaut, dann werden alle Nachbarnâ, sagt Professor Wolfgang Koch, âund damit sind auch die Konfliktherde eng benachbartâ. Die nördlichen Meere rund um die Arktis sind kalt und mitunter zugefroren, aber zugleich auch ökologisch, ökonomisch und geopolitisch heiĂ umworben â denn das Eis wird durch die ErderwĂ€rmung weniger, die bereits jetzt bedeutsamen polaren Seerouten noch bedeutsamer. China spricht bereits von einer âpolaren SeidenstraĂeâ. Der Engpass zwischen Norwegischer See und dem Atlantik hat eine hohe strategische Bedeutung. Umso wichtiger ist deshalb das Wissen ĂŒber diese Region.
In dieser Folge des Atlantic Talk Podcasts geht es um moderne Technologien der Ortung und Navigation, der Kommunikation und der KI-gestĂŒtzten Datenfusion â unter Wasser, auf dem Wasser und ĂŒber dem Wasser. Zu Gast ist Professor Dr. Wolfgang Koch, Leiter der Abteilung âSensordaten- und Informationsfusionâ am Fraunhofer-Institut fĂŒr Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie (FKIE) und Vorsitzender und MitgrĂŒnder des Fachausschusses »Unterwasserortung, ânavigation und âkommunikation« der âDeutschen Gesellschaft fĂŒr Ortung und Navigationâ (DGON).
Eine besondere Rolle spielt bei der maritimen Ortung und Navigation nach wie vor der Schall. Auf Grundlage der Sonar-Technik (Sound navigation and ranging, Schall-Navigation und âEntfernungsbestimmung) sammeln multiple Systeme Daten: Schiffe, sensorbestĂŒckte UâBoote, unbemannte Systeme an der WasseroberflĂ€che und Unterwasser-Drohnen. Ăber dem Wasser sind fliegende AufklĂ€rungsdrohnen unterwegs, aus dem All beobachten Satelliten die Region.
Im GesprĂ€ch mit Moderator Oliver Weilandt erlĂ€utert Koch, welche Rolle dabei moderne Technologien spielen, um in der FĂŒlle von Daten und âim Schall-Salat die Stecknadel im Heuhaufen zu findenâ: multistatisches Sonar, Quanten-Sensoren und der Multisensor-Ansatz der SARah-Satelliten.
Ăhnlich wie bei der Entwicklung des zukĂŒnftigen Luftkampfsystems âFuture Combat Air Systemâ (FCAS) geht es auch bei den kĂŒnftigen maritimen Systemen zur AufklĂ€rung, Navigation und Kommunikation um das ZusammenfĂŒgen und die Auswertung aller relevanten Daten. Koch spricht von einer âkognitiven Maschineâ, die das menschliche Wahrnehmen unterstĂŒtzt, Lagebilder erzeugt und mithilfe von kĂŒnstlicher Intelligenz den menschlichen Entscheiderinnen und Entscheidern Handlungsoptionen unterbreitet. Dazu muss das KI-basierte System eine Reihe von besonderen FĂ€higkeiten haben: Grenzen und LĂŒcken des Lagebildes kennen, Fehlinformationen, Störungen und TĂ€uschungen erkennen und wissen, welche Handlungsoptionen mit dem Völkerrecht und dem moralischen Anspruch der NATO vereinbar sind.
Noch sind die Systeme in der Entwicklung und Deutschland sei bei einigen dieser Technologien âweit vorne mit dabeiâ. Damit das so bleibt, betont Professor Wolfgang Koch die Wichtigkeit der Kooperation von Wissenschaft, MilitĂ€r, Wirtschaft und Politik und plĂ€diert fĂŒr eine Zeitenwende in der Forschung zu diesen Technologien, die im Grunde alle Dual-Use-Charakter haben.






