Was genau ist da eigentlich passiert zwischen den hoffnungsvollen Jahren von Glasnost, der Perestroika und heute? Das aktuelle Themenfeld in einem Atlantic Talk zu Russland ist schlichtweg riesig. Da ist der aktuelle Krieg um Bergkarabach, da sind die Kriege in Syrien und Libyen, die folgenreiche Besetzung der Krim und der Ukraine-Konflikt, die noch zurĂŒckhaltende russische UnterstĂŒtzung von PrĂ€sident Lukaschenko in Belarus. Zur AuĂenpolitik Russlands gehört aber auch die Doppelgesichtigkeit von AbrĂŒstung und AufrĂŒstung, der Streit mit der NATO um den INF- sowie den New-START-Vertrag.
Hat die russische Gesellschaft die groĂe Friedensphase nach dem Ende des Kalten Krieges vielleicht ganz anders erlebt? Hat »der Westen« gerade zwischen 1990 und 2010 die FrĂŒchte der AnnĂ€herung verfaulen lassen und eine echte Integration Russlands durch Selbstherrlichkeit oder SelbstbeschĂ€ftigung verspielt? Dann trĂŒge der Westen Mitverantwortung fĂŒr die grundlegende Abkehr Russlands von Europa. Oder liegt der aggressiven DestruktivitĂ€t russischer AuĂenpolitik, den Desinformationskampagnen und Cyberangriffen, Wahlmanipulationen und Hackerangriffen vor allem die Angst vor inneren AufstĂ€nden, die Angst vor der StraĂe zugrunde? Ist es Angst, die den russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin und sein antiliberales Oligarchen-System dazu verleitet, Europa im Namen eines heiligen und ewigen Russlands die kalte Schulter zu zeigen â und Kritiker dieses neuen »ewigen« Russlands in den Tod zu schicken?
Host und Moderator Oliver Weilandt geht diesen Fragen im GesprĂ€ch mit dem Politologen Dr. Stefan Meister nach. Stefan Meister hat Politikwissenschaft und OsteuropĂ€ische Geschichte an den UniversitĂ€ten Jena, Leipzig und Nischni Nowgorod studiert. Er war mehrere Jahre Leiter des Robert-Bosch-Zentrums fĂŒr Mittel- und Osteuropa, Russland und Zentralasien, auĂerdem Programmleiter fĂŒr Osteuropa, Russland und Zentralasien der Deutschen Gesellschaft fĂŒr AuswĂ€rtige Politik sowie Senior Policy Fellow im Wider Europe Team des European Council on Foreign Relations. Seit Juli 2019 leitet Stefan Meister das BĂŒro der Heinrich-Böll-Stiftung in der georgischen Hauptstadt Tiflis, von wo aus er auch fĂŒr Armenien und Aserbaidschan zustĂ€ndig ist.






