âEs ist der Versuch, Europa mit ins Spiel zu bringenâ, sagt Werner Sonne zum Vorschlag von BundesauĂenministerin Annalena Baerbock, eine EU-Kontrollmission am GrenzĂŒbergang zwischen Gaza und Ăgypten wieder aufzunehmen: âDas kann man durchaus fĂŒr einen guten Versuch haltenâ.
Es ist ein Aspekt der groĂen Frage: âWie geht es weiter mit dem Gaza-Streifen?â Und die wiederum ist ein Aspekt der noch gröĂeren Frage: âWie soll es ĂŒberhaupt weitergehen mit der PalĂ€stinenserfrage?â
Dass mit Norwegen, Spanien und Irland nun neuerdings insgesamt 146 Staaten PalĂ€stina als eigenstĂ€ndigen Staat anerkennen, bewertet der langjĂ€hrige ARD-Korrespondent als âweiteren symbolischen Versuch, Israel in die Enge zu treiben und endlich eine Lösung zu findenâ. Doch auch hinter diesem Versuch stĂŒnden weitere Fragen: âWelcher Staat soll denn anerkannt werden? Wie soll er aussehen? Aus welchen Gebieten soll er bestehen?â
Werner Sonne erlĂ€utert im GesprĂ€ch mit Moderator Oliver Weilandt viele der komplexen ZusammenhĂ€nge im Nah-Ost-Konflikt â allgemein und insbesondere in Bezug auf die gegenwĂ€rtige Situation nach dem Ăberfall von Terrorkommandos der Hamas auf israelische Zivilistinnen und Zivilisten am 7. Oktober 2023 mit grauenvollen Massakern an der Zivilbevölkerung, mehr als 240 entfĂŒhrten Menschen und den darauf folgenden Angriffen Israels auf Gaza mit dem Ziel, die Hamas zu vernichten und die Geiseln zu befreien. Zahlreiche wiederum zivile Opfer in Gaza fĂŒhren seitdem zu einem Widerspruch zwischen humanitĂ€rem und militĂ€rischem Völkerrecht.
Innenpolitisch stelle sich fĂŒr Israel die Frage, ob und wie lange die ultrarechte Regierung Netanjahus an der Macht bleibt. LĂ€ngst droht der gröĂte innenpolitische Gegner des israelischen MinisterprĂ€sidenten, OppositionsfĂŒhrer Benny Gantz, mit RĂŒcktritt aus dem sogenannten Kriegskabinett, wenn der MinisterprĂ€sident nicht bald eine Perspektive fĂŒr die Zukunft Gazas formuliert.
Immerhin: An der diplomatischen Front gebe es jetzt etwas Bewegung, sagt Werner Sonne, dennoch sei die PalĂ€stinenserfrage sei derzeit besonders schwer zu beantworten. WĂ€hrend er einer Ein-Staaten-Lösung aus demografischen GrĂŒnden gar keine Chancen einrĂ€umt, bleibe die seit Jahrzehnten auch von westlichen Staaten angestrebte Zwei-Staaten-Lösung grundsĂ€tzlich eine Option; allerdings nicht in der unmittelbaren Zukunft: zum einen, weil völlig offen sei, wer in einem palĂ€stinensischen Staat die FĂŒhrung ĂŒbernehmen könnte und zum anderen wegen der derzeitigen israelischen Regierung:
âWir haben drei Spieler, die nicht wollen oder nicht können oder nicht infrage kommenâ. Deshalb sei eine Zwei-Staaten-Lösung âzum gegenwĂ€rtigen Zeitpunkt eine Illusionâ. Das sehe auch die deutsche Bundesregierung so.
Die wiederum â wie generell âwir Deutschenâ â, so Sonne, âhabe eine besondere Verantwortung gegenĂŒber dem Staat der Judenâ, die sich aus dem Holocaust ergebe. Diese besondere Beziehung beschreibt er auch in seinem gerade im Verlag C. H. Beck erschienen Buch âIsrael und Wirâ. Auch in Zeiten, in denen Israels Ansehen zunehmend unter Druck gerĂ€t und das Land weniger weltweite UnterstĂŒtzung erhĂ€lt, ergebe sich aus dieser Verantwortung stets der Einsatz fĂŒr das Existenzrecht Israels. Mit Blick auf die antisemitischen Ausschreitungen im Rahmen der Besetzung der Humboldt-UniversitĂ€t zu Berlin folge aus der erstmals von der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel so genannten »Deutschen StaatsrĂ€son«, dass Antisemitismus in Deutschland keinen Platz haben darf.






