Immer weiter hat der Iran in den letzten Jahrzehnten seine Machtstellung im Nahen und Mittleren Osten ausbauen können. LĂ€ngst habe er auch Saudi-Arabien in den Schatten gestellt. Seine Langstreckenwaffen reichten schon heute bis nach Deutschland und sein Atomprogramm sei weit fortgeschritten, sagt Dr. Guido Steinberg, Islamwissenschaftler und Forscher der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. Eine ernste und umfĂ€ngliche militĂ€rische Auseinandersetzung zwischen Israel und der auf das Engste mit der »Islamischen Republik Iran« verbundenen Hisbollah im Libanon und sogar die Entsendung israelischer Bodentruppen hĂ€lt er mittelfristig fĂŒr unvermeidlich. Ob der massive Angriff der Hisbollah mit 170 auf Israel abgefeuerten Drohnen und Raketen vom 13. Juni dazu der entscheidende Anlass sein wird, das sei am heutigen Tag (13.06.2024) noch nicht zu sagen.
Der langjĂ€hrige Referent fĂŒr Islamistischen Terror im Berliner Kanzleramt analysiert im GesprĂ€ch mit Moderator Oliver Weilandt das Netzwerk der schiitischen Proxys: von der Hamas in Gaza ĂŒber die jemenitischen Huthi, die Milizen in Syrien und dem Irak bis zur Hisbollah. Sie alle eint mit dem Mullah-RĂ©gime in Teheran ein tiefsitzender Hass auf den jĂŒdischen Staat Israel. Gleichzeitig werden sie aber missbraucht und instrumentalisiert fĂŒr die imperialistischen Ziele der iranischen FĂŒhrung um den 85-jĂ€hrigen »Obersten FĂŒhrer« Ajatollah Ali Chamenei.
Auch nach dem Tod des frĂŒheren iranischen PrĂ€sidenten Raisi im April dieses Jahres und angesichts des hohen Alters von Ali Chamenei zeichne sich keine wesentliche politische Ănderung durch eventuelle Nachfolger wie den Sohn des Ajatollahs Modschtaba Chamenei ab. Einen Sturz des im wesentlichen von den Revolutionsgarden kontrollierten Regimes sieht Steinberg seitens einer kĂŒnftigen neuen FĂŒhrungspersönlichkeit nicht. Die gröĂte Gefahr gehe vielmehr von der mangelnden UnterstĂŒtzung des Volkes aus, das bei weitem nicht geschlossen hinter der Regierung steht. Dass die Zivilgesellschaft schon Tausende von den Revolutionsgarden und ihren SchlĂ€gertrupps ermordete Kritiker verloren hat, lĂ€sst allerdings alles andere als eine »friedliche Revolution« erwarten.
Auch die geopolitischen Perspektiven wertet der Islamwissenschaftler Steinberg als wenig mutmachend. Die in den letzten Jahren ausgebauten Beziehungen des Iran zu Russland und China und nicht zuletzt die Aufnahme in die BRICS+-Gruppe stelle eine enorme internationale Aufwertung fĂŒr den Iran da. Diese Aufwertung ist auch die WĂ€hrung, mit der Russland die umfassende Belieferung mit iranischen Drohnen fĂŒr seinen Krieg in der Ukraine bezahlt. Auch hier wird fĂŒr Guido Steinberg deutlich, wie sich der Iran in eine Allianz von Feinden einreiht, die nicht nur Israel, sondern auch Europa und die Weltsicherheit zunehmend bedrohe.






