Sollte Benjamin Netanjahu die Regierungsbildung in Israel bis spĂ€testens Weihnachten gelingen, so wĂŒrde das Land kĂŒnftig von der am weitesten rechtsstehenden Koalition in der Geschichte Israels regiert. Am 13. November hatte der israelische StaatsprĂ€sident Jizchak Herzog den frĂŒheren MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt. Netanjahus rechtsgerichtete Likud-Partei will eine Koalition mit drei weiteren Parteien bilden: mit zwei ultraorthodoxen und einer als rechtsradikal geltenden Partei, der »Partei Religiöser Zionismus«.
Was das innen- aber auch auĂen- und sicherheitspolitisch bedeuten könnte, bespricht Moderator Oliver Weilandt mit dem vielfach ausgezeichneten Autor und israelischen Historiker fĂŒr neuere Geschichte Professor Moshe Zimmermann.
Unser Gast Moshe Zimmermann hat den israelischen Verteidigungskrieg von 1967 miterlebt, aus dem die Besetzungen der von PalĂ€stinensern bewohnten Gebiete resultierten. Er war damals 24-jĂ€hriger Student. Jetzt, 55 Jahre spĂ€ter, hat er wenig Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben von Juden und Arabern zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer. Die Zweistaatenlösung ist von der RealitĂ€t ungezĂ€hlter Siedlungs- und StraĂenbauprojekte lĂ€ngst ĂŒberholt. Und die Vorstellung von einer kulturell begrĂŒndeten gemeinsamen Heimat zweier Völker und Nationen auf einem Land ohne Grenzen werde von der Mehrheit der israelischen WĂ€hlerinnen und WĂ€hler ganz offensichtlich nicht gewollt.
Aus dieser Perspektive heraus bewertet Zimmermann auch die Demokratie Israels als zunehmend bedroht. Freie Wahlen und die Rechtsstaatlichkeit reduzierten sich auf die technische Seite der Demokratie. Von einem Bollwerk der Demokratie inmitten feindlicher Nachbarn will der Besatzungskritiker Zimmermann jedenfalls nicht sprechen, eher komme ihm der Vergleich von LĂ€ndern in den Sinn, in dem eine Despotie der Mehrheit herrsche.
Weniger besorgt zeigt sich Zimmermann in den auĂenpolitischen Beziehungen Israels. Die Gefahr eines vom Iran begonnenen Krieges gegen die Atommacht Israel hĂ€lt er fĂŒr unwahrscheinlich. Israel benutze Iran als ein Art »Buhmann«. Man brauche ja einen Erzfeind, der einen zu allem berechtigt, was man tut. »Und der Iran kooperiert glĂ€nzend«, sagt Zimmermann.
Die Selbstpositionierung Israels im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine bewertet er als ein neutrales Abwarten an der Seitenlinie: Die Beziehungen zu Russland und dessen Einfluss insbesondere auf Syrien seien zu wichtig, als dass Israel der Ukraine das erbetene Luftabwehrsystem Iron Dome ĂŒberlassen könne; zu wichtig seien andererseits die Beziehungen zu den USA, um die Ukraine militĂ€risch gar nicht zu unterstĂŒtzen. Und so wĂ€ge Israel seine globalen Interessen auch hinsichtlich seiner Beziehungen zu China strategisch genauestens ab. Zwar seien die USA unzweifelhaft der wichtigste Partner Israels. Der RĂŒckzug der USA aus dem nahen und mittleren Osten scheint den Ausbau der Beziehungen zu China auch in Bereichen der kritischen Infrastruktur aber immer notwendiger und lukrativer zu machen.
Und die Beziehungen zu Deutschland? Nun, Israel lasse ja gerade drei UâBoote fĂŒr drei Milliarden Dollar bei ThyssenKrupp bauen. Derer drei seien zwar militĂ€risch ĂŒberflĂŒssig, aber die Hauptmotivation fĂŒr den UâBoot-Deal, wegen dem auch Benjamin Netanjahu vor einem Untersuchungsausschuss steht, lasse sich ohnehin auf die Korruptionsmöglichkeiten zurĂŒckfĂŒhren.






