Der Siegerbeitrag im Essaywettbewerb „Jürgen Bornemann NATO’s Future Preis 2020“ der Deutschen Atlantischen Gesellschaft

Gewin­neres­say des Jür­gen Bor­n­e­mann NATO’s Future Preis von Sven Mor­gen mit einer Lau­da­tio von Hans-Joa­chim Gießmann

„Kli­ma­wan­del und Sicher­heits­po­li­tik sind nicht mehr zu trennen.“

Laudatio von Hans-Joachim Gießmann:

Unter die­sem Mot­to stand der dies­jäh­ri­ge Essay­wett­be­werb um den „Jür­gen Bor­n­e­mann NATO‘s Future Preis“, zu dem die Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on der Deut­schen Atlan­ti­schen Gesell­schaft: YATA Ger­ma­ny im Som­mer 2020 auf­ge­ru­fen hat­te. Teil­neh­men konn­ten jun­ge Leu­te im Alter bis zu 35 Jah­ren. Ziel des seit 2019 aus­ge­tra­ge­nen Jugend­wett­be­werbs ist der poin­tier­te Aus­tausch zu wich­ti­gen außen‑, frie­dens- und sicher­heits­po­li­ti­schen The­men unter beson­de­rem Augen­merk für die Rol­le und Auf­ga­ben der NATO als Regio­nal­or­ga­ni­sa­ti­on unter Kapi­tel VIII der Ver­ein­ten Nationen. 

Die fach­li­che Exper­ti­se der jün­ge­ren Genera­ti­on in Fra­gen der Außen- und Sicher­heits­po­li­tik zu för­dern, ist unmit­tel­ba­res Anlie­gen des Essay­wett­be­werbs. Namens­ge­ber des Prei­ses ist der 2019 ver­stor­be­ne ehe­ma­li­ge deut­sche Direk­tor des Inter­na­tio­na­len Mili­tärsta­bes des NATO, Gene­ral­leut­nant a.D. Jür­gen Bor­n­e­mann, sei­nes Zei­chens zugleich Mit­glied des Vor­stan­des der Deut­schen Atlan­ti­schen Gesell­schaft (DAG) und Mit­be­grün­der der NATO- bzw. Atlan­tic Talk Rei­hen der DAG.

In der Aus­schrei­bung für den Wett­be­werb beton­te die Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on der Deut­schen Atlan­ti­schen Gesell­schaft, YATA, dass es in den öffent­li­chen Dis­kur­sen um die Bekämp­fung des Kli­ma­wan­dels als gesamt­ge­sell­schaft­li­cher Auf­ga­be gel­te, eine bis­lang „wei­test­ge­hend außer Acht“ gelas­se­ne „sicher­heits­po­li­ti­sche Kom­po­nen­te“ ein­zu­brin­gen. Ins­be­son­de­re sei zu berück­sich­ti­gen, dass die Kon­se­quen­zen des Kli­ma­wan­dels in der poli­ti­schen Pra­xis der Minis­te­ri­en sowie bei der ope­ra­ti­ven Pla­nung und Durch­füh­rung von Aus­lands­ein­sät­zen der Bun­des­wehr bereits in Rech­nung gestellt wür­den. Der »ver­netz­te Ansatz«, dem sich die Sicher­heits­po­li­tik der Bun­des­re­gie­rung ver­schrie­ben hat und dem auch die NATO folgt, könn­te, so die YATA, „nur nach­hal­tig erfolg­reich sein, wenn kli­ma­ti­sche Fak­to­ren berück­sich­tigt wer­den“ (Aus­schrei­bung). Die Leit­fra­gen für den Essay lau­te­ten vor die­sem Hintergrund:

  • Wel­chen Ein­fluss hat der Kli­ma­wan­del auf die Zukunft der NATO? 
  • Wel­che Ent­wick­lun­gen beein­flus­sen die Ent­schei­dungs­fin­dung der NATO? 
  • Wie kann die NATO eine »kli­ma­sta­bi­le« Hand­lungs­fä­hig­keit des trans­at­lan­ti­schen Bünd­nis­ses jen­seits der 2030erJah­re gewährleisten? 
  • Wel­che Pro­zes­se soll­ten jetzt ange­sto­ßen wer­den, um auch unter den Ein­flüs­sen des Kli­ma­wan­dels das obers­te Ziel der NATO – Sicher­heit und Sta­bi­li­tät auf dem Bünd­nis­ge­biet sicher­zu­stel­len – mit Blick auf Tech­nik, Per­so­nal und gesell­schaft­li­chen Rück­halt lang­fris­tig errei­chen zu können?

Der Kli­ma­wan­del und sei­ne Fol­gen für die Sicherheit

Dass Kli­ma­wan­del und Sicher­heit nicht (mehr) von­ein­an­der zu tren­nen sind, die Per­spek­ti­ve einer erwei­ter­ten Sicher­heit die Fol­gen des Kli­ma­wan­dels in Rech­nung zu stel­len hat, ist natür­lich kei­ne neue Erkenntnis. 

Bereits vor 30 Jah­ren beschrieb die inter­na­tio­na­le Kli­ma­for­schung ein­dring­lich und mah­nend die Lang­zeit­fol­gen des Kli­ma­wan­dels, dabei auch der anthro­po­ge­nen Mit­ver­ant­wor­tung, ins­be­son­de­re der fixen Idee eines gren­zen­lo­sen Wohl­stan­des durch glei­cher­ma­ßen gren­zen­lo­ses Wachs­tum. Bereits zu die­sem Zeit­punkt wur­de der bis dahin welt­weit auf anthro­po­ge­ne Wei­se frei­ge­setz­te Umfang des Treib­haus­ga­ses CO2 auf ca. 200 Mrd. Ton­nen geschätzt (Bro­lin 1990: 15). Nach Anga­ben der Welt­or­ga­ni­sa­ti­on für Meteo­ro­lo­gie der Ver­ein­ten Natio­nen (WMO, 23. 11. 2020) wur­de 2020, trotz der durch die Covid-19 Pan­de­mie ver­ur­sach­ten län­ge­ren Ein­schrän­kun­gen in der welt­wei­ten Pro­duk­ti­on, ein neu­er Höchst­stand ver­zeich­net, was für die kom­men­den Jah­re nichts Gutes ver­heißt – selbst wenn wenigs­tens die für den Aus­stoß von Treib­haus­ga­sen haupt­ver­ant­wort­li­chen Staa­ten eine radi­ka­le indus­trie­po­li­ti­sche Wen­de voll­zö­gen. Treib­haus­ga­se haben eine Ver­weil­dau­er von meh­re­ren bis zu Hun­der­ten Jah­ren, so dass selbst bei abneh­men­den Emis­sio­nen (wie sie aktu­ell auch in Fol­ge der Pan­de­mie im west­li­chen Euro­pa ver­zeich­net wer­den) der Zuwachs noch vie­le Jahr­zehn­te anhal­ten wird. Dass die War­nun­gen der Exper­ten bis­lang nicht auf aus­rei­chend frucht­ba­ren Boden fie­len, belegt auch die CO2-Bilanz mit har­ten Fak­ten. Der Anstieg nimmt seit 1969 bestän­dig zu, erreich­te nach den neu­es­ten Zah­len einen Höchst­wert von 36,6 Mrd. Ton­nen und wird unge­ach­tet brem­sen­der Maß­nah­men bis 2050 wei­ter anwach­sen, auf geschätzt 43,1 Mrd. Ton­nen – pro Jahr. Allein seit 1990 ist betrug der pro­zen­tua­le Anstieg der Erd­er­wär­mung nach Anga­ben der WMO-Exper­ten mehr als 45% (WMO-News a.a.O.). Letzt­ma­lig, so der Gene­ral­se­kre­tär der WMO, Pet­te­ri Taalas, gab es eine ver­gleich­ba­re Tem­pe­ra­tur und CO2-Kon­zen­tra­ti­on in der Atmo­sphä­re vor 3–5 Mil­li­ar­den Jah­ren, aller­dings bei einem deut­lich gerin­ge­ren Umfang der Welt­be­völ­ke­rung als heut­zu­ta­ge 7,7 Mil­li­ar­den Men­schen (ebd.) Koh­len­di­oxid ist dabei natür­lich nur ein Indi­ka­tor von meh­re­ren, und nicht alle davon sind allein durch mensch­li­ches Han­deln verursacht. 

Preis­ver­lei­hung des Jür­gen Bor­n­e­mann NATO’s Future Preis beim NATO Talk 2020

Weit über­wie­gend wird heu­te in der Kli­ma­for­schung geteilt, dass mensch­li­ches Han­deln den Kli­ma­wan­del beschleu­nigt und die­se Beschleu­ni­gung sich als zuneh­men­des Pro­blem für die Zivi­li­sa­ti­on als Gan­zes erweist. In ver­ein­fach­ter phy­si­ka­li­scher Sicht wird das Tem­pe­ra­tur­gleich­ge­wicht auf der Erde durch die Wech­sel­pro­zes­se zwi­schen ein­fa­cher und Infra­rot­strah­lung auf­recht­erhal­ten, wobei letz­te­re – als Wär­me­strah­lung von der Erd­ober­flä­che reflek­tiert – durch natür­li­che Atmo­sphä­ren­be­stand­tei­le wie stra­to­sphä­ri­scher Was­ser­dampf, Koh­len­di­oxid, Methan, Di-Stick­stoff­oxid, Fluor­koh­len­was­ser­stof­fe und Ozon absor­biert und dadurch teil­wei­se an die Erd­ober­flä­che zurück­ge­ge­ben wird. Gleich­zei­tig bie­tet die ver­wund­ba­re Atmo­sphä­ren­schicht einen Schutz­man­tel gegen schäd­li­che kos­mi­sche Strah­lung. Eine höhe­re Kon­zen­tra­ti­on der Gase in der Atmo­sphä­re lässt auf grö­ße­re Rück­strah­lung schlie­ßen, wodurch – unter ande­rem – der Effekt des Tem­pe­ra­tur­an­stiegs welt­weit zu erklä­ren ist. Kli­ma­ti­sche Schwan­kun­gen bre­chen den sta­tis­ti­schen Trend nicht, tau­gen also auch nicht dazu, die kli­ma­ti­schen Lang­zeit­ent­wick­lung und damit ver­bun­de­nen Fol­gen zu bestrei­ten. Dass in Russ­land der Per­ma­frost­bo­den taut, ozea­ni­sche Inseln dro­hen, im Meer zu ver­sin­ken, der das Kli­ma in Euro­pa bestim­men­de Golf­strom abzu­rei­ßen droht, die Anzahl und Stär­ke der tro­pi­schen Stür­me in der Kari­bik und den Küs­ten­re­gio­nen Ame­ri­kas zuneh­men, die Tro­cken­zo­nen Afri­kas sich aus­brei­ten und gleich­zei­tig exor­bi­tan­te Nie­der­schlags­men­gen die Ern­ten in Süd­ost­asi­en ver­nich­ten, sind eben­so unum­stöß­li­che wie beun­ru­hi­gen­de Fakten.

Die Ursa­chen des Kli­ma­wan­dels sind viel­fäl­tig, etwa die Hälf­te der nach­ge­wie­se­nen Wir­kun­gen waren bis­her auf Ener­gie­ver­brauch und Ver­kehr zurück­zu­füh­ren, was die Ver­ant­wor­tung der Indus­trie­na­tio­nen für die Ent­wick­lung alter­na­ti­ver tech­ni­scher Lösun­gen unter­streicht. Nicht gering­zu­schät­zen sind aber auch ande­re Wir­kun­gen, deren Ursa­chen auf schlech­te Regie­rungs­füh­rung, öko­lo­gi­schen Raub­bau oder man­geln­de Beherr­schung von schäd­li­chen Umwelt­ein­flüs­sen zurück­zu­füh­ren sind. Scha­dens­wir­kung, ver­ur­sacht durch eine defi­zi­tä­re öko­lo­gi­sche Prä­ven­ti­ons­fä­hig­keit bei gleich­zei­tig stark anstei­gen­der Nach­fra­ge bedingt unter ande­rem durch Bevöl­ke­rungs­wachs­tum und erhöh­ten Ver­brauch, ist jeden­falls dort nicht mit tech­no­lo­gi­schen Alter­na­ti­ven zu ver­mei­den, wo selbst die ver­füg­ba­ren Tech­no­lo­gien nicht aus­rei­chend beherrscht oder kon­trol­liert werden.

Die Betrof­fen­heit von den sozia­len und wirt­schaft­li­chen Fol­gen des Kli­ma­wan­dels, kann im Ver­gleich der ent­wi­ckel­ten zu den weni­ger ent­wi­ckel­ten Län­dern welt­weit als umge­kehrt pro­por­tio­nal zur Mit­ver­ant­wor­tung bei den anthro­po­ge­nen Wirk­fak­to­ren ange­se­hen werden. 

Sicher­heit und Sicher­heits­po­li­tik im Zeit­al­ter des Klimawandels

Das Ver­ständ­nis von Sicher­heit hat sich in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten grund­sätz­lich gewan­delt. Die Not­wen­dig­keit einer umfas­sen­de­ren Betrach­tung beschrieb bereits der Bericht der Welt­kom­mis­si­on für Umwelt und Ent­wick­lung vor mehr als 30 Jah­ren wie folgt: „Kon­flik­te kön­nen nicht nur auf­grund von poli­ti­schen und mili­tä­ri­schen Bedro­hun­gen der natio­na­len Sou­ve­rä­ni­tät ent­ste­hen, sie kön­nen eben­so gut aus­bre­chen infol­ge von Umwelt­zer­stö­run­gen und des Ver­spie­lens von Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten. Das Han­deln zur Min­de­rung von Umwelt­be­dro­hun­gen der Sicher­heit erfor­dert eine natio­na­le und glo­ba­le Neu­de­fi­ni­ti­on von Prio­ri­tä­ten. Eine sol­che Neu­be­stim­mung könn­te erreicht wer­den, wenn man sich gene­rell auf eine umfas­sen­de­re Defi­ni­ti­on von Sicher­heit ver­stän­di­gen könn­te und wenn mili­tä­ri­sche, poli­ti­sche, umwelt­be­ding­te und ande­re Kon­flikt­quel­len ein­be­zo­gen werden.“ 

Auf den Blick ein­leuch­tend ist die Annah­me, dass sich eine Sicher­heits­po­li­tik, die sich auch mit Risi­ken und Bedro­hun­gen nicht­mi­li­tä­ri­schen Ursprungs aus­ein­an­der­zu­set­zen hat, nicht allein auf mili­tä­ri­sche Instru­men­te und Ansät­ze ver­las­sen darf. Gegen Fol­ge­ri­si­ken des Kli­ma­wan­dels, wie das Abtau­chen von Land­flä­chen unter den Mee­res­spie­gel, die Ver­rin­ge­rung frucht­ba­rer, bewirt­schaf­tungs­fä­hi­ger Flä­chen, die Aus­brei­tung tro­pi­scher und epi­de­mi­scher Krank­hei­ten u.a. sind weder mili­tä­ri­sche Abschre­ckung noch natio­nal­staat­li­che Allein­gän­ge wirk­sam. Die Fol­gen des Kli­ma­wan­dels mögen sich für unter­schied­li­che Tei­le der Welt­be­völ­ke­rung zwar zu mehr oder weni­ger unter­schied­li­chen Risi­ken oder Bedro­hun­gen aus­wei­ten, in letz­ter Kon­se­quenz trifft aber die Zer­stö­rung der Repro­duk­ti­ons­be­din­gun­gen und Exis­tenz­grund­la­gen von Tei­len der Mensch­heit in zuneh­men­der Deut­lich­keit auch die Zivi­li­sa­ti­on als Gan­zes. Anders for­mu­liert: Wird „Secu­ri­ty“ auf den begriff­li­chen Mini­mal­kern als Exis­tenz­be­wah­rung ohne Sor­ge (se cura) redu­ziert, so spre­chen Aus­wei­tung und Ver­wick­lung exis­tenzbedro­hen­der Risi­ken in logi­scher Kon­se­quenz auch für eine Aus­deh­nung des Bezugs­rah­mens von Sicher­heits­po­li­tik als eine die Exis­tenz bewah­ren­de Poli­tik. Die Ange­mes­sen­heit sicher­heits­po­li­ti­scher Zie­le muss vor die­sem Hin­ter­grund beur­teilt wer­den. Die Umset­zung von Sicher­heits­kon­zep­ten bedarf rah­men­set­zen­der Fak­to­ren – wie das inter­na­tio­na­le Recht, die staat­li­che Sou­ve­rä­ni­tät und natio­na­le Ver­fas­sungs­nor­men – in Rech­nung zu stel­len, erst danach stellt sich die Fra­ge nach den geeig­ne­ten Instru­men­ten, um die pos­tu­lier­ten Zie­le zu erreichen.

Nicht ganz zu Unrecht könn­te die­ser Her­an­ge­hens­wei­se unter­stellt wer­den, die Idee von Sicher­heits­po­li­tik und damit auch deren Steue­rungs­fä­hig­keit zu über­for­dern. Von der Ten­denz einer „Ver­si­cher­heit­li­chung“ war zum Bei­spiel nach dem Ende des Ost-West-Kon­flikts in der kri­ti­schen Frie­dens­for­schung die Rede, bei der plötz­lich alle Poli­tik­be­rei­che aus vor­nehm­lich einer Ver­tei­di­gungs­per­spek­ti­ve her­aus beur­teilt wür­den, wodurch eher abgren­zen­de als eigent­lich erfor­der­li­che koope­ra­ti­ve Poli­tik­mus­ter unter­stützt wer­den. In jün­ge­rer Zeit wird in der Frie­dens­for­schung auch davor gewarnt, Vor­sor­ge­maß­nah­men gegen den Kli­ma­wan­del und deren Fol­gen vor allem aus sicher­heits­po­li­ti­scher Per­spek­ti­ve zu betrach­ten oder gar in Ver­tei­di­gungs­über­le­gun­gen einzubeziehen.

Tat­säch­lich gilt aber wis­sen­schaft­lich und auch poli­tisch mitt­ler­wei­le weit­ge­hend unbe­strit­ten, dass die „glo­ba­len Risi­ken“, zu denen der Kli­ma­wan­del gehört, aus­schließ­lich durch glo­ba­le Zusam­men­ar­beit und mit­tels kol­lek­tiv abge­stimm­ter Maß­nah­men ver­rin­gert wer­den könn­ten. Zugleich aber ist eben­so nicht zu bestrei­ten, dass mili­tä­risch aus­ge­tra­ge­ne Kon­flik­te für die Ent­wick­lung einer sol­chen Koope­ra­ti­on hin­der­lich sind, und dazu bei­tra­gen, dass gemein­sa­me Lösungs­an­sät­ze nicht den Weg in die Pra­xis finden. 

NATO TALK Kofe­renz am 16.11.2020 live aus dem Gaso­me­ter Berlin

Ver­ein­facht trifft die For­mel zu: Nicht alles ist Sicher­heit, aber ohne Sicher­heit ist alles nichts. Sie wäre aber durch eine wei­te­re For­mel zu ergän­zen: Natio­na­le Sicher­heit vor glo­ba­len Bedro­hun­gen gibt es nur als koope­ra­ti­ve Sicher­heit. Koope­ra­ti­ve Sicher­heit ent­steht durch Zusam­men­ar­beit, sie bedarf aber auch poli­tik­feld­in­te­grie­ren­der Her­an­ge­hens­wei­se, oder wie es heu­te in den all­ge­mein­po­li­ti­schen Sprach­ge­brauch Ein­gang gefun­den hat, einer Poli­tik der ver­netz­tenSicher­heit – laut Wiki­pe­dia – als sicher­heits­po­li­ti­schen Ansatz, in dem „ver­schie­de­ne Instru­men­te, ins­be­son­de­re (aber nicht aus­schließ­lich) mili­tä­ri­sche, poli­zei­li­che, diplo­ma­ti­sche, ent­wick­lungs­po­li­ti­sche und huma­ni­tä­re“ so gebün­delt und auf­ein­an­der abge­stimmt wer­den, dass sie „ein koor­di­nier­tes, kohä­ren­tes und nach­hal­ti­ges Han­deln“ der Staa­ten oder auch Alli­an­zen ermöglichen.

Neben der zuneh­men­den Ver­knüp­fung der Fol­gen des Kli­ma­wan­dels und der Sicher­heit, gibt es einen wei­te­ren zu beach­ten­den Zusam­men­hang im Rah­men der Sicher­heits­vor­sor­ge und des Kri­sen­ma­nage­ments, die Aus­wir­kung des Kli­ma­wan­dels als einem Trei­ber für die Ver­schär­fung von Kon­flik­ten in Län­dern mit schwa­cher Regie­rungs­füh­rung bei gleich­zei­tig hohem Frag­men­tie­rungs­grad bedingt zum Bei­spiel durch Grä­ben zwi­schen eth­ni­schen oder reli­giö­sen Bevölkerungsgruppen. 

Nicht alles ist Sicher­heit, aber ohne Sicher­heit ist alles nichts

Die­se Fest­stel­lung bedeu­tet nicht, dass der Kli­ma­wan­del an sich als Ursa­che der Kon­flikt­kon­stel­la­tio­nen anzu­se­hen wäre, son­dern des­sen Fol­gen – in Form von Ver­lus­ten von furcht­ba­rem Land, zuneh­men­dem loka­len Man­gel an sau­be­rem Trink­was­ser und ein­ge­schränk­tem Zugang zu ande­ren lebens­wich­ti­gen Res­sour­cen bei gleich­zei­ti­gem Anstieg der Bevöl­ke­rungs­zah­len, sprung­haft anwach­sen­der Armuts­mi­gra­ti­on und chro­ni­scher Über­be­las­tung von defi­zi­tä­ren und sofern über­haupt funk­ti­ons­fä­hi­gen Sozi­al­sys­te­men – zu einer erkenn­bar höhe­ren Kon­flikt­vi­ru­lenz bei­tra­gen. Die Bedro­hung von Exis­tenz­be­din­gun­gen von Bevöl­ke­rungs­grup­pen oder – wie im Fal­le des anstei­gen­den Mee­res­spie­gels – gan­zer Völ­ker bedeu­tet einen unmit­tel­ba­ren Ver­lust an „mensch­li­cher Sicherheit“/ »human secu­ri­ty« (United Nati­ons, 2003), der das Poten­ti­al des unter Umstän­den auch gewalt­för­mi­gen Wider­stan­des gegen Akteu­re erhöht, die für die Ver­än­de­run­gen als haupt­ver­ant­wort­lich ange­se­hen wer­den. Anders als in der Ver­gan­gen­heit sind die Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels nicht mehr lokal unter Kon­trol­le zu hal­ten, son­dern sie besit­zen glo­ba­le Spreng­kraft für die gesam­te Zivi­li­sa­ti­on mit zeit­lich näher­lie­gen­den Kon­se­quen­zen für eini­ge Tei­le und nur schein­bar ver­zö­ger­ten Effek­ten für ande­re Tei­le der Welt­be­völ­ke­rung. Dar­aus ent­wi­ckelt sich ein die Gren­zen von Staa­ten über­grei­fen­des zivil­ge­sell­schaft­li­ches Pro­test­po­ten­zi­al, es droht aber auch eine Zuspit­zung von Kon­flik­ten zwi­schen Staa­ten, je nach Interessenlage.

Vor die­sem Hin­ter­grund ist die Fra­ge zu stel­len, ob es 

(1) oppor­tun und als effek­tiv ange­se­hen wer­den kann, für den mili­tä­ri­schen Zweck vor­ge­hal­te­ne Instru­men­te zur Prä­ven­ti­on und den Umgang mit Fol­ge­ef­fek­ten des Kli­ma­wan­dels ein­zu­set­zen, ob 

(2) Sys­te­me kol­lek­ti­ver Ver­tei­di­gung und Sicher­heit hier­für einen geeig­ne­ten Rah­men bil­den kön­nen und 

(3) sofern die bei­den ers­ten Fra­gen bejaht wer­den, wel­chen Bei­trag die NATO als euro-atlan­ti­sches Bünd­nis leis­ten könn­te bzw. erbrin­gen sollte. 

Fri­sche Ideen sind gefragt. Bedarf exis­tiert vor allem vor dem Hin­ter­grund der beschrie­be­nen Ent­wick­lun­gen, ent­steht aber zugleich durch die 2020 maß­geb­lich von Frank­reich und Deutsch­land ange­sto­ße­ne Reform­de­bat­te der NATO mit dem Ziel der Neu­fas­sung des seit zehn Jah­ren bestehen­den Stra­te­gi­schen Kon­zepts der Allianz.

Der Sie­ger­bei­trag des Wett­be­werbs im Jah­re 2020, ver­fasst von Sven Mor­gen, ent­spricht ganz der Erwar­tung neu­er Ideen. Er beweist Ori­gi­na­li­tät im begrün­de­ten Vor­schlag zur Schaf­fung eines NATO Kon­tin­gents zur Kata­stro­phen­re­ak­ti­on. Kri­ti­ker mögen in der Bil­dung einer sol­chen Kom­po­nen­te eine wei­te­re Ver­mi­schung von mili­tä­ri­schen und zivi­len Auf­ga­ben ver­mu­ten und beto­nen, dass eine Bereit­stel­lung für den zivi­len Gebrauch die Effi­zi­enz der zivi­len Vor­sor­ge deut­lich ver­stär­ken wür­de. Zutref­fend ist zwar, dass auch der zivi­len Vor­sor­ge mehr Res­sour­cen zuge­führt und auch in sicher­heits­po­li­ti­scher Hin­sicht mehr Auf­merk­sam­keit bei­gemes­sen wer­den müss­ten. Zugleich gilt aber dass dop­pelt ver­wen­dungs­fä­hi­ge mili­tä­ri­sche Mit­tel poli­tisch weni­ger umstrit­ten sind als eine poten­zi­el­le Ver­stär­kung mili­tä­ri­scher Poten­tia­le als dop­pelt ver­wen­dungs­fä­hi­ge „zivi­le“ Mit­tel. Zudem ist zu fra­gen, war­um etwa die ohne­hin vor­han­de­nen und für zwin­gen­de mili­tä­ri­sche Bedar­fe vor­ge­hal­te­nen Trans­port- und Ver­sor­gungs­ka­pa­zi­tä­ten der Streit­kräf­te nicht im Prä­ven­ti­ons- oder Kata­stro­phen­fall auch für die Bekämp­fung der Fol­gen des Kli­ma­wan­dels ein­ge­setzt wer­den kön­nen – aller­dings nach kla­ren recht­li­chen Vor­ga­ben wie etwa der im deut­schen Grund­ge­setz gere­gel­ten Amts­hil­fe. Die Ent­schei­dungs­ho­heit ver­blie­be poli­ti­scher Kon­trol­le anheim­ge­stellt. Die NATO ver­fügt als Sys­tem gegen­sei­ti­ger kol­lek­ti­ver Sicher­heit über geeig­ne­te poli­ti­sche, orga­ni­sa­to­ri­sche und tech­ni­sche Struk­tu­ren, um in Ein­satz­fall auch kom­ple­xe und zeit­kri­ti­sche Auf­ga­ben der Kata­stro­phen­re­ak­ti­on im poli­ti­schen Auf­trag kon­trol­liert durch­füh­ren zu kön­nen. Lesen Sie hier­zu den Essay von Sven Morgen.

Quel­len:

Bro­lin, Bert, Kli­ma­ti­sche Ver­än­de­run­gen in Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart, in: Paul J. Crutzen/Michael Mül­ler (Mün­chen: 1990): Das Ende des blau­en Pla­ne­ten? Der Kli­ma­kol­laps: Gefah­ren und Aus­we­ge, S. 15

Lucke, Fran­zis­kus von, Tho­mas Diez, and Zehra Well­mann (2016): ‘Kli­ma­kämp­fe: Eine Kom­pa­ra­ti­ve Stu­die Der Ver­si­cher­heit­li­chung von Kli­ma­wan­del’. Zeit­schrift Für Inter­na­tio­na­le Bezie­hun­gen 23, no. 2. 112–43.

Schleuss­ner, Carl-Fried­rich, Jona­than F. Don­ges, Reik V. Don­ner, and Hans Joa­chim Schell­nhu­ber (2016): ‘Armed-Con­flict Risks Enhan­ced by Cli­ma­te-Rela­ted Dis­as­ters in Eth­ni­cal­ly Frac­tio­n­a­li­zed Coun­tries’. Pro­cee­dings of the Natio­nal Aca­de­my of Sci­en­ces113, no. 33 (16 August 2016). 9216–21.

United Nati­ons (2003): Human Secu­ri­ty Now. Pro­tec­ting and Empowe­ring Peop­le. New York.

WBGU (2007): Welt im Wan­del: Sicher­heits­ri­si­ko Kli­ma­wan­del (Vol. 4).

Gewinneressay: „Strategiewandel durch Klimawandel“ 

Sven Morgen

Natio­na­le und inter­na­tio­na­le Kata­stro­phen­hil­fe als zukünf­ti­ge Bünd­nis­auf­ga­be – Die Not­wen­dig­keit einer NATO Dis­as­ter Respon­se Force

„It’s the end of the world as we know it”

R.E.M. 

Der vor­an­schrei­ten­de Kli­ma­wan­del wird mit einer Erhö­hung von kata­stro­pha­len Natur­er­eig­nis­sen ein­her­ge­hen. Die Band­brei­te reicht dabei von Hit­ze­wel­len, Dür­re­pe­ri­oden und Wald­brän­den, über Stark­re­gen, Über­schwem­mun­gen und Sturm­flu­ten, bis hin zu Win­ter- sowie Tro­pen­stür­men und Hur­ri­kans, die sowohl in quan­ti­ta­ti­ver als auch qua­li­ta­ti­ver Dimen­si­on zuneh­men und die Mensch­heit vor bis­lang unbe­kann­te Her­aus­for­de­run­gen stel­len wer­den. Wenn ein­zel­ne oder meh­re­re Staa­ten direkt von Natur­ka­ta­stro­phen betrof­fen und mit den poten­ti­ell ver­hee­ren­den und dis­rup­ti­ven Aus­wir­kun­gen kon­fron­tiert sind, kann dies direk­te oder indi­rek­te sicher­heits­po­li­ti­sche Fol­gen für die NATO und ihrer Mit­glie­der haben. 

Natur­ka­ta­stro­phen zeich­nen sich dadurch aus, dass sie mas­si­ve mensch­li­che und wirt­schaft­li­che Schä­den ver­ur­sa­chen kön­nen. Zur Bewäl­ti­gung wer­den umfang­rei­che staat­li­che und gege­be­nen­falls mili­tä­ri­sche Res­sour­cen gebraucht. Je nach Inten­si­tät und zeit­li­cher Dau­er der Scha­dens­er­eig­nis­se kön­nen natio­na­le Res­sour­cen und Fähig­kei­ten dabei unzu­rei­chend sein, was zu einer Über­for­de­rung der staat­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit führt und inter­na­tio­na­le Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen not­wen­dig macht. Dies gilt sowohl für Staa­ten außer­halb, als auch inner­halb der NATO, da durch Natur­ka­ta­stro­phen her­vor­ge­ru­fe­ne volks­wirt­schaft­li­che Schä­den und poli­ti­sche Legi­ti­ma­ti­ons­ver­lus­te zu poli­ti­schen Kri­sen füh­ren kön­nen, die sich wie­der­um nega­tiv auf die Sta­bi­li­tät und Leis­tungs­fä­hig­keit auswirken. 

Sven Mor­gen, 1. Platz, Jür­gen Bor­n­e­mann NATO’s Future Preis

Jen­seits des Bünd­nis­ge­bie­tes kön­nen Natur­ka­ta­stro­phen bspw. fra­gi­le Staa­ten end­gül­tig zu „fai­led sta­tes“ machen und so Räu­me für nicht­staat­li­che Gewalt­ak­teu­re, Ter­ro­ris­mus und orga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät öff­nen. Es kön­nen gewalt­sa­me Kon­flik­te, loka­le, regio­na­le und inter­na­tio­na­le Migra­ti­ons­be­we­gun­gen sowie Ver­tei­lungs­kon­flik­te ent­ste­hen, die wie­der­um desta­bi­li­sie­ren­de Fol­gen für die inter­na­tio­na­le Ord­nung haben kön­nen. Eine pro­ak­ti­ve und ent­schie­de­ne Kata­stro­phen­hil­fe kann des­halb dazu bei­tra­gen, die durch kata­stro­pha­le Natur­er­eig­nis­se ver­ur­sach­ten unmit­tel­ba­ren Schä­den und mit­tel­ba­ren sicher­heits­po­li­ti­schen Fol­gen zu min­dern oder ganz zu verhindern. 

Bis­lang fand Kata­stro­phen­hil­fe aller­dings vor­nehm­lich im natio­na­len Rah­men statt. Nur bei grö­ße­ren Scha­dens­er­eig­nis­sen gibt es groß ange­leg­te inter­na­tio­na­le Hilfs­ak­tio­nen. Legt man die Erkennt­nis zugrun­de, dass ein unge­bremst fort­schrei­ten­der Kli­ma­wan­del die Wahr­schein­lich­keit, Inten­si­tät und Quan­ti­tät von kata­stro­pha­len Natur­er­eig­nis­sen mas­siv stei­gern wird, ist davon aus­zu­ge­hen, dass in einer 2‑, 3‑, 4- oder sogar 5 Grad wär­me­ren Welt die uni­la­te­ra­len Reak­ti­ons­fä­hig­kei­ten selbst moder­ner Staa­ten nicht mehr aus­rei­chen wer­den, um den viel­fäl­ti­gen Fol­gen von Natur­ka­ta­stro­phen adäquat zu begegnen. 

Gemäß eines erwei­ter­ten Sicher­heits­ver­ständ­nis­ses soll­te die NATO, als Sys­tem kol­lek­ti­ver Sicher­heit, des­we­gen die natio­na­le sowie inter­na­tio­na­le Kata­stro­phen­hil­fe zukünf­tig noch stär­ker als ele­men­ta­re und (über-)lebensnotwendige Bünd­nis­auf­ga­be begrei­fen. Dafür soll­ten bereits bestehen­de Kapa­zi­tä­ten (wie z.B. das Euro-Atlan­tic Dis­as­ter Respon­se Coor­di­na­ti­on Cen­ter – EADRCC) ver­stärkt und neue Fähig­kei­ten geschaf­fen wer­den. Bis­lang hat die Kata­stro­phen­hil­fe der NATO weit­ge­hend aus den bestehen­den Kapa­zi­tä­ten und Struk­tu­ren her­aus gewirkt, wie bspw. 2005 in Reak­ti­on auf das Erd­be­ben in Paki­stan, als die NATO Respon­se For­ce und die NATO Joint Logistic Sup­port Group zum Ein­satz gebracht wur­den. Mit der per­spek­ti­visch wei­ter­hin bestehen­den Not­wen­dig­keit einer stär­ke­ren Bereit­schaft zur Bünd­nis­ver­tei­di­gung im Osten und mul­ti­plen Bedro­hungs­la­gen durch trans­na­tio­na­len Ter­ro­ris­mus im Süden des Bünd­nis­ses scheint es nicht sinn­voll, den kli­ma­wan­del­be­dingt zu erwar­ten­den Anstieg an natio­na­len und inter­na­tio­na­len Kata­stro­phen­hil­fee­in­sät­zen mit den bestehen­den Struk­tu­ren auf­zu­fan­gen. Die Fol­ge wäre eine Über­deh­nung der mili­tä­ri­schen Fähig­kei­ten, wel­che unmit­tel­bar schwer­wie­gen­de Fol­gen für die Sicher­heit des Bünd­nis­ses hätte. 

Sie­ger­eh­rung durch DAG-Prä­si­dent BM a.D. Chris­ti­an Schmidt MdB und YATA-Prä­si­den­tin Vero­ni­ka Fucela.

Mit dem Auf­bau einer NATO Dis­as­ter Respon­se For­ce (NDRF) könn­ten die not­wen­di­gen Kapa­zi­tä­ten und Fähig­kei­ten zur Ver­fü­gung gestellt und eine schnel­le und ziel­ge­rich­te­te Kata­stro­phen­hil­fe durch die NATO ent­we­der inner­halb, oder außer­halb des Bünd­nis­ge­bie­tes ermög­licht wer­den. An solch einer Ein­heit könn­ten sich die NATO-Mit­glie­der ent­we­der direkt mit eige­nen Kapa­zi­tä­ten und Fähig­kei­ten, oder durch finan­zi­el­le Unter­stüt­zung an den Ein­satz­kos­ten betei­li­gen. So wäre eine sinn­vol­le Kom­bi­na­ti­on und Koor­di­na­ti­on der bestehen­den Fähig­kei­ten sowie eine fai­re Las­ten­ver­tei­lung mög­lich. Den Fol­gen von Natur­ka­ta­stro­phen kann mit mili­tä­ri­schen Fähig­kei­ten und Kapa­zi­tä­ten grund­sätz­lich gut begeg­net wer­den. Um jedoch in sol­chen Ein­sät­zen mög­lichst ziel­ge­rich­tet und effek­tiv wir­ken zu kön­nen, ist ein spe­zi­el­les Port­fo­lio an Fähig­kei­ten und Kapa­zi­tä­ten not­wen­dig. So sind ins­be­son­de­re schnel­le und glo­ba­le stra­te­gi­sche Ver­le­ge­fä­hig­kei­ten, Auf­klä­rung und Kom­mu­ni­ka­ti­on, fle­xi­ble Com­mand and Con­trol-Kapa­zi­tä­ten, Logis­tik zu Land, See und Luft sowie tech­ni­sche Unter­stüt­zung und Pio­nier­fä­hig­kei­ten not­wen­dig, um in allen vier Pha­sen der Kata­stro­phen­be­wäl­ti­gung (emer­gen­cy, res­to­ra­ti­on, recon­struc­tion, rebuil­ding) effek­tiv han­deln zu kön­nen. Neben der Stär­kung der unmit­tel­ba­ren Reak­ti­ons- und Hand­lungs­fä­hig­keit im Kata­stro­phen­fall wür­de die NDRF auch zu mehr Resi­li­enz füh­ren und damit das Bünd­nis ins­ge­samt stär­ken. Dies ist beson­ders in den kom­men­den Jahr­zehn­ten wich­tig, in denen der Kli­ma­wan­del auch in öko­lo­gi­schen, sozia­len und poli­ti­schen Berei­chen mas­si­ve Umwäl­zun­gen und gro­ße Belas­tun­gen für die NATO-Staa­ten mit sich brin­gen wird. Die gegen­sei­ti­ge Unter­stüt­zung im Fal­le einer Natur­ka­ta­stro­phe kann auch zur Stei­ge­rung der Bünd­nis­so­li­da­ri­tät bei­tra­gen und somit den Zusam­men­halt stär­ken, da alle NATO-Mit­glie­der poten­zi­ell durch die vom Kli­ma­wan­del ver­stärk­ten Natur­ka­ta­stro­phen betrof­fen sein wer­den und von dem Fähig­keits­auf­wuchs und der gegen­sei­ti­gen Unter­stüt­zung pro­fi­tie­ren wür­den. Über das Bünd­nis­ge­biet hin­aus könn­ten die NDRF in geo­stra­te­gisch wich­ti­gen Regio­nen aktiv Hil­fe anbie­ten und somit die regio­na­le Sta­bi­li­tät sichern. Im Kon­text einer auf­zie­hen­den Sys­tem­kon­kur­renz gegen­über Chi­na kann inter­na­tio­na­le Kata­stro­phen­hil­fe als soft-power Instru­ment auch das Anse­hen der NATO und des Wes­tens steigern. 

Die Schaf­fung einer NATO Dis­as­ter Respon­se For­ce wäre ein deut­li­ches Signal an das Bünd­nis und dar­über hin­aus, dass der Kli­ma­wan­del und des­sen sicher­heits­po­li­ti­sche Impli­ka­tio­nen ernst genom­men wer­den und die NATO auch zukünf­tig in einer Welt, wie wir sie uns heu­te noch nicht vor­stel­len kön­nen, ein wich­ti­ger und hand­lungs­fä­hi­ger Akteur sein wird. 


Ein Beitrag von:

Sven Morgen M.A.

Sven Morgen, erwarb seinen Master of Arts in Politikwissenschaft an der Universität Erfurt. Sein bei der Friedrich-Schiller-Universität in Jena angesiedeltes Dissertationsprojekt trägt den Titel: "Bündnissolidarität als außenpolitische Handlungsform - Deutschland in der NATO" und soll im Frühjahr 2021 abgeschlossen sein. Derzeit ist Sven Morgen als freier Berater für Germanwatch e.V. tätig.

Moderation:

Prof. Dr. Dr. Hans-Joachim Gießmann

Geschäftsführer (2008-2019) der Berghof Foundation; Politikwissenschaftler

Hans Joachim Giessmann ist Direktor Emeritus der Berghof Foundation und Associate Professor an der Universität Hamburg. Von 2008 bis 2019 war er Executive Director der Berghof Foundation. Zuvor war er stellvertretender wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik in Hamburg. Von 2009 bis 2014 war er Mitglied des Global Advisory Council for Terrorism des Weltwirtschaftsforums und von 2011 bis 2012 Vorsitzender des Rates.
Seit 2014 unterstützt er den afghanischen Friedensprozess, derzeit mit Schwerpunkt auf den Verhandlungen in Doha zwischen den Delegationen der Islamischen Republik Afghanistan und der Taliban-Bewegung. Darüber hinaus unterstützt er die Bemühungen nationaler Akteure um die Wiederherstellung des Friedens und die Etablierung eines Nationalen Dialogprozesses in Äthiopien.
Als Autor, Herausgeber oder Mitherausgeber hat er 35 Bücher und mehr als 300 wissenschaftliche Artikel mit Übersetzungen in mehr als 10 Sprachen veröffentlicht. Er ist weltweit in den Medien präsent, in den USA zum Beispiel bei CNN, ABC NBC, NPR, Washington Post und der Los Angeles Times. Hans J. Giessmann ist Mitglied im Vorstand der Deutschen Atlantischen Gesellschaft.

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Kamala Jakubeit MSSc

Wissenschaftliche Mitarbeiterin · YATA Germany Vorstandsmitglied
Atlantic Talk Berlin
Dorotheenstraße 84 · 10117 Berlin
030 20649-134
030 20649-136
Bildnachweise für diese Seite
 Copyright
climate-change-2254711 Pixabay zugeschnitten
Kamala Jakubeit Leonhard Simon zugeschnitten
E9i1ERTWUA893W7 Auswärtiges Amt https://twitter.com/AuswaertigesAmt/status/1430091972321103899/photo/1
Für Abbildungen, die hier nicht gelistet sind, ist kein Urheber-Nachweis notwendig, oder wir selbst sind der Urheber.