Der Name der Stadt Rehburg-Loccum sollte jeden verteidigungspolitisch Interessierten aufhorchen lassen â Denn wenn die Evangelische Akademie Loccum zu einer Ihrer hoch angesehenen Tagungen einlĂ€dt, reisen ExpertInnen aus zahlreichen LĂ€ndern in die beschauliche Stadt an, um kontrovers und unter »Chatham House Rules« zu diskutieren. Umso erfreulicher, dass die Evangelische Akademie Loccum auch der YATA Germany einige FreiplĂ€tze fĂŒr die diesjĂ€hrige Konferenz angeboten hat.
Begonnen hat die dreitĂ€gige Tagung am Anreisetag, dem 27. Januar 2020, mit einer EinfĂŒhrung in das Thema Letaler Autonomer Waffen-Systeme (sog. »LAWS«) und den Fokus auf die zum Teil sehr unterschiedlichen BegriffsverstĂ€ndnisse und Definitionen unter und zwischen den Staaten, welche seit einigen Jahren in Genf in der Konvention ĂŒber bestimmte konventionelle Waffen (Convention on certain Conventional Weapons, sog. »CCW«) an einer völkerrechtlichen Einigung arbeiten.
Weiter ging es mit einer Einheit zum Einfluss des unaufhaltsamen technologischen Fortschritts, sowie den militĂ€rischen Anforderungen und BedĂŒrfnisse auf die zukĂŒnftige Entwicklung autonomer Waffensysteme. Abgerundet wurde der erste Tagungstag mit einer Auseinandersetzung zu den Auswirkungen und Konsequenzen der Entwicklung autonomer Waffensysteme auf das internationale MĂ€chtegleichgewicht, das HumanitĂ€re Völker- und Kriegsrecht, sowie die Friedensethik â unter anderem mit der Szene wohl bekannten Panelisten wie Dr. Frank Sauer (@drfranksauer) und Dr. Henning Lahmann. AnschlieĂend folgte ein gemĂŒtlicher Ausklang auf der Galerie.
Am Folgetag beschĂ€ftigten sich die TeilnehmerInnen mit den diplomatischen VorgĂ€ngen und Erwartungen auf der CCW in Genf und der Suche nach Lehren aus anderen RĂŒstungskontroll- und RĂŒstungsverbotsvertrĂ€gen, insbesondere aus dem BiowaffenĂŒbereinkommen und konventioneller Waffenkontrolle. Nach der Mittagspause ging es sportlich weiter mit einem Marathon der Ideen fĂŒr zentrale Bausteine eines zukĂŒnftigen Rechtsrahmens, namentlich der Operationalisierung menschlicher Kontrolle (sog. »meaningful human control«), der Vertrauensbildung durch Zertifizierung von LAWS, der Integration aller Stakeholder und einer effektiven RĂŒstungskontrolle.
Zum besseren VerstĂ€ndnis der verschiedenen Positionen nahmen die TeilnehmerInnen im anschlieĂenden »Foresight-Workshop« die Rollen verschiedener Interessengruppen ein und versuchten aus fĂŒr sie ungewöhnlichen Perspektiven heraus VorschlĂ€ge fĂŒr ein zukĂŒnftiges Regelungssystem ĂŒber LAWS zu entwickeln.
Die Ergebnisse wurden am Morgen des nĂ€chsten Tages vorgestellt und kontrovers diskutiert. Die Abschlussdiskussion, u.A. mit dem stĂ€ndigen Vertreter Deutschlands bei der UN-AbrĂŒstungskonferenz Herrn Botschafter Peter Beerwerth beschĂ€ftigte sich noch einmal final mit einem realistischen Blick in die Zukunft und gab vorsichtige Hoffnung auf eine konstruktive Fortsetzung der GesprĂ€che auf der CCW im kommenden Halbjahr.
Maximilian Kretschmann, YATA Germany Mitglied






