âDie TĂŒrkei, Israel, Saudi-Arabien und Iran sind mĂ€chtige Staaten in der Region. Und dann gibt es bewaffnete Gruppen, die sehr viel Machtpotential habenâ, fasst Professor Dr. Stephan Stetter die regionalen MachtverhĂ€ltnisse im Nahen Osten zusammen. Hinzu kommen die GroĂmĂ€chte in der Region, in der sich in den letzten Monaten und Jahren politisch viel verschoben hat: Der Gaza-Krieg geht weiter, die iranischen UnterstĂŒtzergruppen verlieren an Einfluss, mehrere groĂe Player Ă€ndern ihre Strategie in der Golf-Region, und vor allem wurde das Assad-RĂ©gime in Syrien gestĂŒrzt. Der Atlantic Talk Podcast blickt heute mit dem Professor fĂŒr Internationale Politik und Konfliktforschung an der UniversitĂ€t der Bundeswehr MĂŒnchen aus drei Blickwinkeln auf den Nahen Osten.
Zuerst geht es um die Situation in Syrien. In dem vielschichtigen Land hat die islamistische Miliz HaiÊŸat Tahrir asch-Scham (HTS) im Dezember 2024 die Regierung Assads gestĂŒrzt und die Regierung ĂŒbernommen â mit UnterstĂŒtzung der TĂŒrkei und âmit Argusaugen beobachtet von den Golfstaatenâ. Syrien ist als groĂes, zentral platziertes Land und Drehkreuz im Nahen Osten mit Zugang zum Mittelmeer geopolitisch wichtig. Zugleich haben die verschiedenen religiösen und ethnischen Gruppen Bindungen in die NachbarlĂ€nder hinein. Russland habe sich weitgehend zurĂŒckgezogen, und wie sich die Zusammenarbeit mit Syrien kĂŒnftig gestaltet, sei offen, sagt Stetter. Die syrische Regierung versuche âeine Art Balancingâ zwischen den auswĂ€rtigen KrĂ€ften. Zumal nicht klar sei, was die USA wollen. Die rund 2.000 US-Soldaten im Land sind bisher eine Ă€uĂerst wichtige UnterstĂŒtzung fĂŒr die Kurden. Thema ist auch die Rolle Israels, das zwar keine territorialen aber durchaus machtpolitische Ambitionen habe.
Davon ausgehend weitet Moderator Dario Weilandt mit seinem Gast im zweiten Teil den Blick und schaut ĂŒber Syrien hinaus auf die Regional-MĂ€chte des Nahen Ostens. Wie wirkt sich der sinkende Einfluss des Iran aus? Und wer hat kein Interesse daran, dass der Iran als machtpolitischer Akteur ganz wegbricht? Droht angesichts der weit fortgeschrittenen Uran-Anreicherung im iranischen Atomprogramm ein nukleares WettrĂŒsten im Nahen Osten? Darauf schaut auch Saudi-Arabien, das ein wichtiger politischer Akteur geworden ist, erklĂ€rt Stetter: âWo finden die GesprĂ€che statt, die Russland mit den USA fĂŒhrt? In Saudi-Arabien!â.
Teil drei dieser Podcast-Folge widmet sich den Interessen der GroĂmĂ€chte im Nahen Osten. Russland, das âeine riesige Kriegswirtschaftâ aufbaut, werde versuchen, seinen Einfluss im Nahen Osten nicht komplett zu verlieren. Ein gutes Arrangement mit Syrien habe fĂŒr Russland groĂe strategische Bedeutung fĂŒr seinen Einfluss auf dem afrikanischen Kontinent. China werde weiterhin eine weniger sicherheitspolitische als ökonomische Strategie im Nahen Osten verfolgen, so die EinschĂ€tzung Stetters. Könnte sich das Ă€ndern durch Indien, das sein wirtschaftliches und sicherheitspolitisches Engagement im Nahen Osten ausgeweitet hat? StöĂt das Land in eine LĂŒcke, die möglicherweise die USA eröffnen, auch wenn die sich nicht ganz zurĂŒckziehen? Und welche Rolle spielt Europa im Spielfeld der GroĂ- und RegionalmĂ€chte des Nahen Ostens?
Sehr viele konkurrierende und kooperierende Akteure unterschiedlicher GröĂenordnung bringen also eigene Strategien und unterschiedliches militĂ€risches und ökonomisches Potenzial mit ein.
Das macht den Weg zu dauerhaftem Frieden und StabilitĂ€t im Nahen Osten nicht einfacher. Es lĂ€ge aber auch im Interesse aller Akteure, die Lage nicht komplett eskalieren zu lassen, sagt Prof. Stetter. Daher scheint ein ganz groĂer FlĂ€chenbrand in der Gegend auf absehbare Zeit unwahrscheinlich.





