Traditionell eröffnet der Abteilungsleiter Politik im Bundesministerium der Verteidigung mit seiner EinschĂ€tzung zur âStrategischen Lage zum Jahresbeginnâ dasâŠ

NATO 2030 â MilitĂ€risch stark, Politisch geeint, Globaler orientiert
Russlands Aggression gegen die Ukraine im Jahr 2014 und die Annexion der Halbinsel Krim hat die europĂ€ische Sicherheitsordnung grundlegend verĂ€ndert. Die NATO reagierte mit einer Neuausrichtung ihrer Strategie. Nach zwanzig Jahren Fokussierung auf Krisenintervention, Stabilisierung und AufstandsbekĂ€mpfung auĂerhalb der NATO-Grenzen, sind Abschreckung und Kollektive Verteidigung wieder ihre Hauptaufgabe geworden. Seither setzt das BĂŒndnis schrittweise ein umfangreiches Programm ins Werk, um sein Abschreckungs- und Verteidigungsdispositiv zu erneuern, allerdings unter ganz anderen politischen und militĂ€rischen Bedingungen als im Kalten Krieg.
Nur wenige Jahre spĂ€ter sieht sich das westliche BĂŒndnis einer noch gröĂeren und weit komplexeren Herausforderung und Bedrohung gegenĂŒber: Der Aufstieg des autoritĂ€ren China zur Weltmacht in politischer, wirtschaftlicher, technologischer und militĂ€rischer Hinsicht verĂ€ndert das gesamte internationale System. Die Vereinigten Staaten sehen in China ihren Hauptrivalen und verlagern ihren strategischen Schwerpunkt in den indo-pazifischen Raum. Dies hat signifikante Auswirkungen auf die EuropĂ€er, die nun weit mehr fĂŒr ihre eigene Sicherheit tun mĂŒssen. Denn Russland versucht weiter, Europa und die NATO zu destabilisieren, vor allem durch Desinformation, Cyber-Angriffe, subversive Aktionen und AufrĂŒstung an Europas Grenzen.
InstabilitĂ€t und Gewalt im SĂŒden Europas, in Nordafrika und im Nahen sind darĂŒber hinaus weiter der NĂ€hrboden fĂŒr Terrorismus und Auslöser anhaltender Migration. Der Klimawandel hat strategische Auswirkungen auf den Wettbewerb um Ăl- und Gasvorkommen und fĂŒhrt zu verstĂ€rkter militĂ€rischer PrĂ€senz Russlands im Hohen Norden. Die neuen, disruptiven Technologien des âdigitalen Zeitaltersâ wirken sich massiv auf Sicherheit und Verteidigung aus und auf die kĂŒnftige Organisation, AusrĂŒstung und EinsatzgrundsĂ€tze von StreitkrĂ€ften. Und schlieĂlich bedrohen wachsende Interessenunterschiede und auch Spannungen zwischen einzelnen VerbĂŒndeten wie in Libyen, in Syrien und im östlichen Mittelmeer den Zusammenhalt und HandlungsfĂ€higkeit der NATO.
Diese vielfĂ€ltigen und gleichzeitigen Herausforderungen verlangen von der Allianz vor allem Einigkeit und Geschlossenheit und daher verstĂ€rkte politische Konsultation und Abstimmung unter allen VerbĂŒndeten. AngestoĂen durch die âHirntod-VorwĂŒrfeâ des französischen PrĂ€sidenten Macron haben sie denn auch einen internen Reflexionsprozess initiiert, wie das BĂŒndnis weiterentwickelt werden soll, damit es seinen Hauptzweck â Sicherheit und StabilitĂ€t fĂŒr alle BĂŒndnispartner â auch unter den drastisch verĂ€nderten strategischen Bedingungen erfĂŒllen kann. GeneralsekretĂ€r Stoltenberg hat sich dazu der UnterstĂŒtzung einer Expertengruppe versichert, die ihre Empfehlungen im November 2020 vorgelegt hat. Auf deren Grundlage werden seither NATO-intern VorschlĂ€ge fĂŒr die Staats- und Regierungschefs entwickelt, die bei ihrem Treffen im Juni 2021, erstmals mit dem neuen amerikanischen PrĂ€sidenten Biden, Weisung fĂŒr ein neues Strategisches Konzept der NATO erteilen werden, das die Hauptaufgabenfelder einer âNATO 2030â benennt.
Wir wollen die wichtigsten Herausforderungen und daher die Kernthemen, denen sich die Allianz auf ihrem Weg zur NATO 2030 widmen muss, im Einzelnen diskutieren und fragen, wie sich Europa und Deutschland positionieren sollten, um einen neuen transatlantischen Konsens mit den USA zu erzielen.
Wir wĂŒrden uns freuen, Sie bei dieser Veranstaltungsreihe verschiedener Regionalkreise der DAG begrĂŒĂen zu dĂŒrfen, fĂŒr die wir als Kooperationspartner die Zeitschrift SIRIUS der Stiftung Wissenschaft und Demokratie (SWuD) gewinnen konnten.





