Deutschland und die USA: Bestandsaufnahme einer kriselnden Beziehung

Aus­wer­tung der YATA-Umfra­ge zum aktu­el­len Stand der deutsch-ame­ri­ka­ni­schen Beziehung.

Die Fest¬≠stel¬≠lung, die Bezie¬≠hun¬≠gen zwi¬≠schen Deutsch¬≠land und den USA h√§t¬≠ten schon bes¬≠se¬≠re Zei¬≠ten gese¬≠hen, wird in j√ľngs¬≠ter Zeit hoch¬≠fre¬≠quent in Gespr√§¬≠che zu aller¬≠lei trans¬≠at¬≠lan¬≠ti¬≠schen The¬≠men ein¬≠ge¬≠streut. Dabei scheint die¬≠se Flos¬≠kel von bes¬≠ten¬≠falls √ľber¬≠sicht¬≠li¬≠cher Aus¬≠sa¬≠ge¬≠kraft. Kurz vor der Pr√§¬≠si¬≠dent¬≠schafts¬≠wahl in den Ver¬≠ei¬≠nig¬≠ten Staa¬≠ten ent¬≠stand so im Bem√ľ¬≠hen um eine Quan¬≠ti¬≠fi¬≠zie¬≠rung der trans¬≠at¬≠lan¬≠ti¬≠schen Bezie¬≠hungs¬≠kri¬≠se aus den Rei¬≠hen von Youth Atlan¬≠tic Trea¬≠ty Asso¬≠cia¬≠ti¬≠on Ger¬≠ma¬≠ny (YATA Ger¬≠ma¬≠ny) und der Deut¬≠schen Atlan¬≠ti¬≠schen Gesell¬≠schaft (DAG) eine Umfra¬≠ge, die von zahl¬≠rei¬≠chen jun¬≠gen Men¬≠schen beant¬≠wor¬≠tet wur¬≠de und so zumin¬≠dest einen klei¬≠nen Bei¬≠trag zur Beschrei¬≠bung der aktu¬≠el¬≠len Lage liefert.

Beson¬≠ders inter¬≠es¬≠sier¬≠te die Urheber/Innen dabei, ob sich die Stim¬≠me der j√ľn¬≠ge¬≠ren Genera¬≠ti¬≠on mehr oder min¬≠der deut¬≠lich davon abhebt, was die √∂ffent¬≠li¬≠che Mei¬≠nung und Debat¬≠te schwer¬≠punkt¬≠m√§¬≠√üig pr√§gt.

Soviel vor­weg: Es gab weni­ge Über­ra­schun­gen. Die Umfra­ge zeigt bei aller Defi­zit­ori­en­tie­rung in der Ana­ly­se der deutsch-ame­ri­ka­ni­schen Bezie­hun­gen jedoch auch, dass und vor allem wo Hoff­nung auf Bes­se­rung besteht.

Wie ange­deu­tet und erwar­tet, fiel die Bewer­tung des gegen­wär­ti­gen Bezie­hungs­stan­des im Schul­no­ten­sys­tem beschei­den aus; die Ver­set­zung in die nächs­te Jahr­gangs­stu­fe erscheint ernst­haft gefährdet.

Inter¬≠es¬≠san¬≠ter, weil aus¬≠sa¬≠ge¬≠kr√§f¬≠ti¬≠ger, ist jedoch ein Ein¬≠blick in die Gr√ľn¬≠de f√ľr die schlech¬≠te Durch¬≠schnitts¬≠no¬≠te. So nen¬≠nen etwa 20% der Befrag¬≠ten als Quel¬≠le des Pro¬≠blems die Ungleich¬≠heit der Part¬≠ner, die sich in einem kaum weg¬≠zu¬≠dis¬≠ku¬≠tie¬≠ren¬≠den Macht¬≠ge¬≠f√§l¬≠le mani¬≠fes¬≠tiert. Auch der Begriff des Miss¬≠trau¬≠ens f√§llt auf¬≠f√§l¬≠lig oft, wobei die wenigs¬≠ten Ant¬≠wor¬≠ten spe¬≠zi¬≠fi¬≠zie¬≠ren, ob sich das Ver¬≠trau¬≠ens¬≠de¬≠fi¬≠zit auf insti¬≠tu¬≠tio¬≠nel¬≠le Gr√∂¬≠√üen oder wom√∂g¬≠lich auf indi¬≠vi¬≠du¬≠ell han¬≠deln¬≠de Per¬≠so¬≠nen bezieht.

Der Detail¬≠reich¬≠tum, mit dem vie¬≠le der offen gestell¬≠ten Fra¬≠gen beant¬≠wor¬≠tet wur¬≠den, zeigt deut¬≠lich, in wel¬≠cher Tie¬≠fe und Inten¬≠si¬≠t√§t sich die Teilnehmer/Innen der Befra¬≠gung gewid¬≠met und mit dem trans¬≠at¬≠lan¬≠ti¬≠schen Bezie¬≠hungs¬≠ge¬≠flecht befasst haben. Selbst ohne hier eine detail¬≠lier¬≠te Aus¬≠wer¬≠tung der mit¬≠un¬≠ter hoch¬≠in¬≠ter¬≠es¬≠san¬≠ten Denk¬≠an¬≠st√∂¬≠√üe zu bie¬≠ten ‚Äď die¬≠se gewis¬≠sen¬≠haf¬≠te Befas¬≠sung mit dem The¬≠ma ver¬≠leiht den von der Mehr¬≠heit der Teil¬≠neh¬≠men¬≠den in √ľber¬≠ra¬≠schen¬≠der Einig¬≠keit getrof¬≠fe¬≠nen Aus¬≠sa¬≠gen Gewicht und regt an, einen Teil der Defi¬≠zit¬≠ana¬≠ly¬≠se genau¬≠er zu betrachten.

Mit gro¬≠√üer Mehr¬≠heit tei¬≠len die Befrag¬≠ten den Ein¬≠druck, die deutsch-ame¬≠ri¬≠ka¬≠ni¬≠schen Bezie¬≠hun¬≠gen w√ľr¬≠den seit vie¬≠len Jah¬≠ren nicht mit der Hin¬≠ga¬≠be gepflegt, die sie ob ihrer stra¬≠te¬≠gi¬≠schen Bedeu¬≠tung zwei¬≠fel¬≠los ver¬≠dien¬≠ten. Die¬≠se Fest¬≠stel¬≠lung ist gleich aus zwei Gr√ľn¬≠den interessant:

Ers¬≠tens bie¬≠tet sie neben der (nega¬≠ti¬≠ven) Bewer¬≠tung des sta¬≠tus quo auch gleich einen Vor¬≠schlag zur Ver¬≠bes¬≠se¬≠rung und hebt sich somit wohl¬≠tu¬≠end von unin¬≠spi¬≠rier¬≠ten Ver¬≠zweif¬≠lungs¬≠ru¬≠fen ab, wie sie gele¬≠gent¬≠lich im √∂ffent¬≠li¬≠chen Raum zu ver¬≠neh¬≠men sind. Die durch¬≠aus selbst¬≠kri¬≠ti¬≠sche Fest¬≠stel¬≠lung, dass Bezie¬≠hungs¬≠ar¬≠beit nicht aus¬≠schlie√ü¬≠lich dar¬≠in bestehen kann, auf eine ein¬≠sei¬≠tig durch den ame¬≠ri¬≠ka¬≠ni¬≠schen Part¬≠ner ein¬≠ge¬≠lei¬≠te¬≠te und umge¬≠setz¬≠te Ver¬≠bes¬≠se¬≠rung zu war¬≠ten, zeigt ‚Äď wenn auch abs¬≠trakt ‚Äď einen Weg des eige¬≠nen kon¬≠struk¬≠ti¬≠ven Han¬≠delns auf.

Zwei¬≠tens, und das freut sowohl YATA als auch DAG, liegt hier¬≠in der zen¬≠tra¬≠le Daseins¬≠zweck von Orga¬≠ni¬≠sa¬≠tio¬≠nen wie den unse¬≠ren. Auf bei¬≠den Sei¬≠ten des Atlan¬≠tiks Ver¬≠st√§nd¬≠nis f√ľr die Posi¬≠tio¬≠nen der ande¬≠ren Sei¬≠te zu schaf¬≠fen und dabei zum gemein¬≠sa¬≠men Dia¬≠log ein¬≠zu¬≠la¬≠den, ist der Mar¬≠ken¬≠kern der Deut¬≠schen Atlan¬≠ti¬≠schen Gesell¬≠schaft und ihrer Nach¬≠wuchs¬≠or¬≠ga¬≠ni¬≠sa¬≠ti¬≠on YATA Ger¬≠ma¬≠ny. Dies haben die Befrag¬≠ten offen¬≠sicht¬≠lich erkannt und sehen hier¬≠in den ein¬≠zi¬≠gen Aus¬≠weg aus der Kom¬≠mu¬≠ni¬≠ka¬≠ti¬≠ons- und Beziehungsmisere.

Ja, die Pr√§¬≠si¬≠dent¬≠schafts¬≠wah¬≠len der Ver¬≠ei¬≠nig¬≠ten Staa¬≠ten ste¬≠hen unmit¬≠tel¬≠bar bevor und das Ergeb¬≠nis wird auch uns in Deutsch¬≠land betref¬≠fen. Ein wei¬≠te¬≠res Ergeb¬≠nis der Umfra¬≠ge sei des¬≠halb hier erw√§hnt: Hoff¬≠nun¬≠gen und Sor¬≠gen kor¬≠re¬≠lie¬≠ren stark mit dem erwar¬≠te¬≠ten Wahl¬≠aus¬≠gang. Gleich¬≠zei¬≠tig spricht sich eine Mehr¬≠heit der Befrag¬≠ten f√ľr ver¬≠st√§rk¬≠te diplo¬≠ma¬≠ti¬≠sche Anstren¬≠gun¬≠gen aus, die auf allen Ebe¬≠nen und unab¬≠h√§n¬≠gig vom Namen des n√§chs¬≠ten US-Pr√§¬≠si¬≠den¬≠ten auch von Deutsch¬≠land aus¬≠ge¬≠hen m√ľssen.

YATA Ger¬≠ma¬≠ny und die DAG wer¬≠den also bei jed¬≠we¬≠dem Wahl¬≠er¬≠geb¬≠nis ihre Arbeit f√ľr die trans¬≠at¬≠lan¬≠ti¬≠schen Bezie¬≠hun¬≠gen fort¬≠set¬≠zen und wis¬≠sen dabei sp√§¬≠tes¬≠tens jetzt die Mehr¬≠heit der jun¬≠gen Genera¬≠ti¬≠on hin¬≠ter sich. 

Pieter Brandt

YATA Board, Officer of the German Air Force

Pieter Brandt ist Offizier der deutschen Luftwaffe und sieht den gr√∂√üten Wert der NATO dort, wo wir vom ‚Äěscharfen Ende der Demokratie‚Äú sprechen. Sowohl in nationalen als auch internationalen Ausbildungsabschnitten konnte er hautnah erleben, was das B√ľndnis zu leisten im Stande ist. Vor allem im Einsatz hat ihn der Zusammenhalt unter den ‚ÄěNATO nations‚Äú tief beeindruckt. Schon seit einigen Jahren ist Pieter Brandt Mitglied in der Deutschen Atlantischen Gesellschaft und wurde er durch die Ausschreibung zum NATO‚Äôs Future Seminar auf YATA Germany aufmerksam.

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