Deutsche Atlantische Gesellschaft e.V.

Junge DAG und andere junge Sicherheitsanalysten fordern die Erhöhung des Verteidigungsetats

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Erschienen als Gastkommentar im Tagesspiegel

Junge Menschen in Deutschland sorgen sich um ihre Zukunft – aber nicht nur wegen des Klimawandels. Wir sorgen uns auch um die Zukunft unserer Sicherheit als Deutsche und EuropĂ€er. Im Grundgesetz heißt es: „Der Bund stellt StreitkrĂ€fte zur Verteidigung auf. Ihre zahlenmĂ€ĂŸige StĂ€rke und die GrundzĂŒge ihrer Organisation mĂŒssen sich aus dem Haushaltsplan ergeben.“ Allein diese Tatsache bedeutet, dass wir eine ernsthafte Debatte ĂŒber die Priorisierung im Haushalt sowie außerordentliche Finanzmaßnahmen fĂŒr unsere deutsche Sicherheitsarchitektur fĂŒhren mĂŒssen. 

Ein Haushaltsplan, der ĂŒber Jahre nicht ermöglicht, dass die Bundeswehr ihren Beitrag zur Verteidigung in der Nato leistet, steht im Widerspruch zum Grundgesetz. Deshalb appellieren wir an die Bundesregierung und die Verantwortlichen im Bundestag: Stellen Sie jetzt die ausreichende Finanzierung der Bundeswehr langfristig gesetzlich sicher.

Risiken und Bedrohungen fĂŒr Deutschland steigen

Die Nationale Sicherheitsstrategie bestĂ€tigt: Die Risiken und Bedrohungen fĂŒr Deutschland steigen, die Lage wird zunehmend unsicherer. Wir leben in einer Zeit des Umbruchs, deren sicherheitspolitische Konsequenzen noch nicht verlĂ€sslich abzuschĂ€tzen sind. Die SelbstverstĂ€ndlichkeit einer europĂ€ischen Friedensordnung ist durch den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine sichtlich zerstört. Die Periode der europĂ€ischen Friedensdividende ist vorĂŒber. Ein zunehmend instabiler werdendes Russland wird auf absehbare Zeit eine veritable Bedrohung fĂŒr seine gesamte EuropĂ€ische Nachbarschaft – also auch fĂŒr uns – sein. 

Hinzu kommen wachsende Machtambitionen und die damit verbundene AufrĂŒstung Chinas. Die somit entstehenden Herausforderungen fĂŒr die StabilitĂ€t in den fĂŒr uns wirtschaftlich bedeutendsten Regionen Asiens – und damit fĂŒr unsere Schutzmacht USA â€“ zeichnen sich bereits ab. Schon seit Obamas „Schwenk nach Asien“ ist bekannt, dass die USA dort, und nicht mehr in Europa, den Schwerpunkt ihrer Nationalen Sicherheitsinteressen sehen.

FĂŒr eine Bundeswehr, die seit 2016 nicht mehr nur fĂŒr AuslandseinsĂ€tze plant, sondern deren Kernauftrag nun wieder Landes- und BĂŒndnisverteidigung ist, hat das Folgen. Bereits seit 2014, dem Jahr der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim und dem Angriff auf den Osten der Ukraine, wissen wir aus dem jĂ€hrlichen Bericht zur Materiallage der Bundeswehr und den Berichten der Wehrbeauftragten Hans-Peter Bartels und Eva Högl von der fehlenden Einsatzbereitschaft der Bundeswehr. 

Mehr Budget fĂŒr die Verteidigung 

Dieser Zustand hĂ€lt bis heute an. Noch letztes Jahr war das deutsche Heer in den Worten des Heeresinspekteurs Alfons Mais â€žmehr oder weniger blank“. Seitdem hat die Bundeswehr (richtigerweise) erhebliches Material und Munition an die Ukraine abgeben, welches sie eigentlich selbst benötigt. Das Sondervermögen soll nun Abhilfe schaffen, wird aber bei weitem nicht ausreichen. Die Nationalen Sicherheitsstrategie verspricht, zukĂŒnftig zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts fĂŒr Verteidigung auszugeben. Das entspricht 75 bis 80 Milliarden Euro.

HierfĂŒr wird nun das Sondervermögen herangezogen, obwohl dies klar als Zusatz zu einem Zwei-Prozent-Versprechen angedacht war. Zudem reicht das Sondervermögen keine vier Jahre, um die Differenz zu den kĂŒnftig offenbar geplanten 52 Milliarden Euro im regulĂ€ren Verteidigungshaushalt aufzufĂŒllen. Und dann? Wird eine kĂŒnftige Regierung nach der Wahl 2025 den Verteidigungshaushalt, um die fehlenden mindestens 25 Milliarden Euro jĂ€hrlich erhöhen? Wir vertrauen den Versprechungen nicht. 

Als nĂ€chste Generation, die in eine sichere Zukunft blicken will, stellen wir in dieser Situation fest: Die Bundesregierung schĂŒtzt uns nicht. WĂ€hrend unsere Generation als Rekrutinnen und Rekruten schwört „das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“, sorgt die Politik nicht dafĂŒr, dass sie dies in den kommenden Jahren auch kann.

Der Verteidigungshaushalt stieg in den letzten Jahren nie hinreichend an, um veraltetes GerĂ€t umfassend zu ersetzen, Munitionslager aufzufĂŒllen, alle Einheiten auszustatten und wachsender Personal- und Betriebskosten zu bedienen. In Zeiten hoher Inflation und steigender Kosten droht er sogar real zu sinken.

FĂŒr die heute in Verantwortung stehende Generation wurde von ihren VorgĂ€ngern gut vorgesorgt. Die Regierungen von Willy Brandt ĂŒber Helmut Schmidt bis Helmut Kohl investierten regelmĂ€ĂŸig ĂŒber drei Prozent des BIP fĂŒr Verteidigung. Das entsprach in den 80er Jahren mehr als 18 Prozent des Bundeshaushalts. Die Nato war stark und die Bundeswehr ein zentraler Pfeiler.

Auf Kosten der jungen Generation 

Heute sieht es anders aus: Im Jahr 2022 gab Deutschland nur 1,4 Prozent des BIP fĂŒr Verteidigungsausgaben aus – dieses Jahr werden es kaum mehr werden. Von ehemals rund 18 Prozent macht das Verteidigungsbudget im Jahr nach Beginn des russischen Angriffskriegs gerade einmal zehn Prozent des Bundeshaushalts aus. Dabei sollte klar sein: Jedes Waffensystem, das heute nicht beschafft oder auf den Weg gebracht wird, fehlt in den kommenden Jahren und Jahrzehnten. 

Allein der Verweis auf solide Staatsfinanzen ist eine Rechnung auf Kosten der jungen und der kommenden Generation. Bereits heute bedarf es laut dem jĂŒngsten Bericht der Wehrbeauftragten 300 Milliarden Euro, um die volle Einsatzbereitschaft der Bundeswehr herzustellen. 

Wir wissen, dass wir Deutschland und Europa nicht nur heute, sondern auch in Zukunft schĂŒtzen mĂŒssen. Aber bis wir Verantwortung ĂŒbernehmen können, das Richtige zu tun, wird es zu spĂ€t sein. Heute getĂ€tigte Investitionen in AusrĂŒstung entscheiden darĂŒber, ob unsere Demokratie auch in Zukunft wehrhaft ist. Es geht nicht nur um die sichere Zukunft unseres Landes; weil viele unserer VerbĂŒndeten sicherheitspolitisch von einem starken und wehrhaften Deutschland abhĂ€ngen, geht es auch um die Sicherheit Europas.

Autorinnen und Autoren: 

Leonhard Simon – PrĂ€sident der Jungen DAG
Sophie FlurschĂŒtz – Vorstandsmitglied der Jungen DAG
Joseph Verbovszky – Leiter AG Sicherheit der Jungen DGAP
Carsten Berger – Vorstandsmitglied der DGAP
Maximilian Keller – Vorstandsvorsitzender der Jungen DGAP
Nicole Kleeb – Vorstandmitglied der Jungen DGAP
Sena Staufer – Leiterin des Hauptstadtforums der Jungen DGAP
Paul Schmidt – Mitglied der Jungen DGAP
Philipp MĂŒhl – Vorstandsvorsitzender der Atlantic Community (Atlantische Initiative e.V.)
Ferdinand Hettler – Vorstandsvorsitzender der Zeppelin UniversitĂ€t Sicherheitspolitik (ZUSiPol)

Ein Beitrag von:

Leonhard Simon

GeneralsekretÀr, Youth Atlantic Treaty Organisation (YATA)

Leonhard Simon ist seit Juli 2022 der PrĂ€disdent der Jungen DAG (YATA Germany) und seit Juni 2025 GeneralsekretĂ€r der Youth Atlantic Treaty Organisation (YATA international). Er arbeitet als selbstĂ€ndiger Journalist und Politikberater und war zuvor Senior Public Relations Manager bei der Stiftung Internationaler Karlspreis zu Aachen sowie Communications- und Project Manager bei der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz. Seinen Master schloss er am Institut Barcelona d'Estudis Internacionals in Internationaler Sicherheit ab, nachdem er (Internationale) Politik in MĂŒnchen und Cork, Irland, studiert hatte.

Sofie FlurschĂŒtz

Former Board Member, Youth Atlantic Treaty Association (YATA) Germany (until 2025)

Sofie FlurschĂŒtz ist seit 2022 Board Member bei Youth Atlantic Treaty Association (YATA) Germany. Sie arbeitet als Freie Journalistin und Social Media Beraterin. Sofie studierte Intercultural Communication and European Studies (Master) und ist ehemalige Stipendiatin der Hanns-Seidel-Stiftung. Durch TĂ€tigkeiten in der Redaktion der Bundeswehr, im Bundespresseamt, im ZDF Studio Wien sowie bei The People Branding Company hat sie Erfahrung in den Bereichen Journalismus, PR und Agentur sammeln können. Sie ist seit 2020 Mitglied bei YATA Germany und erweitertes Vorstandsmitglied von WIIS Deutschland.

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