Deutsche Atlantische Gesellschaft e.V.

Die deutsche Politik und der Gaza-Konflikt – Uneingeschränkte Solidarität mit Israel?

Audioaufzeichnung Atlantic Talk Diskussion vom 3. Mai 2024, 19:00 Uhr:

Wie weit darf und kann Solidarität mit Israel gehen? Wo hört legitime Kritik an Israel auf und wo schlägt sie um in Antisemitismus? Fragen, die seit dem terroristischen Angriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 und dem folgenden Krieg in Gaza in Deutschland wieder intensiver denn je diskutiert werden.

„Solidarität mit Israel? Auf jeden Fall! Das ist eine Pflicht, nicht nur für die Deutschen, sondern für alle, die auf der Basis der UNO und der UNO-Charta stehen. […] Das bedeutet aber nicht, dass man automatisch solidarisch ist mit jeder Art von Politik, die dieser Staat betreibt. Zwischen den beiden muss man klar unterscheiden.“ So beantwortete der israelische Historiker und Antisemitismusforscher Professor Moshe Zimmermann eine der Kernfragen des Atlantic Talks der Deutschen Atlantischen Gesellschaft am 13. Mai im würdevollen Ambiente des Kaiserin Friedrich-Hauses in Berlin.

Mit dieser Diskussion beschäftigt sich auch Werner Sonne in seinem neuen Buch „Israel und wir – Geschichte einer besonderen Beziehung“. Der Atlantic Talk bot die Gelegenheit, das im C.H. Beck-Verlag erschienene Buch vorzustellen und seine Kernthesen kennenzulernen.

Neben Werner Sonne und Prof. Moshe Zimmermann diskutierten auch Claudia Buckenmaier, ehemalige Studioleiterin des ARD-Studios in Washington und Gerhard Conrad, Islamwissenschaftler und ehemaliger Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes.

Gemeinsam deckte die von der Journalistin Anke Plättner moderierte Runde verschiedenste Themen der deutsch-israelischen Beziehung ab, vom politischen Balanceakt zwischen historischer Verantwortung Deutschlands einerseits und Kritik an Israel andererseits, über die öffentlichen Meinung in Deutschland bis hin zur Rolle der Medien.

Der Abend unterstrich eindrücklich den Spagat, den die deutsche Zivilgesellschaft und Politik in Bezug auf Israel immer wieder leisten müssen. In Werner Sonnes Worten: „Wir dürfen hier keinen Antisemitismus zulassen. Punkt. Das ist völlig klar. Aber wenn es dann darum geht, sich für ein palästinensischen Staat, für die Rechte der Palästinenser einzusetzen, dann ist das eben auch legitim.“

Das Buch „Israel und wir. Geschichte einer besonderen Beziehung“ ist am 20. März 2024 im C.H. Beck Verlag erschienen. Mehr Informationen finden Sie hier.

Zu Gast:

Werner Sonne

Journalist und Autor

Werner Sonne begann seine Karriere 1964 als Zeitungsredakteur und Reporter beim Kölner Stadtanzeiger. Im Anschluss daran arbeitete er für United Press International (UPI) in Bonn, bevor er zwischen 1968 und 1981 dreizehn Jahre lang als Korrespondent für den WDR in Bonn und Washington tätig war. Im Jahr 1982 wurde Sonne Stellvertretender Chefredakteur der Landesprogramme im WDR-Fernsehen in Köln. Nach 1984 war er zwanzig Jahre lang als Korrespondent der ARD in Warschau, Bonn, Washington und zuletzt in Berlin tätig. Von 2004 bis 2012 war er Berliner Studioleiter des ARD-Morgenmagazins.

Professor (emeritus) Moshe Zimmermann

Professor für neuere deutsche Geschichte

1986-2013 Direktor des Richard-Koebner-Zentrums für Deutsche Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem; Relevante Publikationen: Wilhelm Marr - The Patriarch of Antisemitism, New York 1986; Die deutschen Juden 1914-1945, München 1997; Deutsch-jüdische Vergangenheit: Judenfeindschaft als Herausforderung, Paderborn 2005; Deutsche gegen Deutsche. Das Schicksal der Juden 1938-1945. Berlin 2008; Die Angst vor dem Frieden. Berlin 2010; (mit E.Conze u.a) Das Amt und die Vergangenheit. München 2010; Vom Rhein an den Jordan. Göttingen 2016

Dr. Gerhard Conrad

Intelligence Advisor der Münchener Sicherheitskonferenz

Dr. Gerhard Conrad (*1954) ist Intelligence Advisor der Münchener Sicherheitskonferenz und derzeit derzeit Visiting Professor für Intelligence Studies am King’s College London, Lehre an der Hochschule des Bundes für Verwaltung, Berlin, im Master-Studiengang „Intelligence and Security Studies (MISS)“ und an der Pariser Universität Sciences Po. Er ist seit 2008 Träger des Bundesverdienstkreuz am Bande. Von 2016 bis 2019 leitete er das multinationale EU Intelligence Analysis and Situation Center (EU INTCEN) in Brüssel. Von 1990 bis 2019 war er Beamter im Bundesnachrichtendienst (BND), Analyse und Operationen in Nah-/Mittelost, und Leiter des BND-Leitungsstabs für die Präsidenten Uhrlau und Schindler, Vertreter des Dienstes in Damaskus und London.

Claudia Buckenmaier

Leiterin des ARD-Fernsehstudios in Washington, D.C.

Claudia Buckenmaier wuchs im schwäbischen Hechingen auf. In Tübingen und Frankfurt am Main studierte sie Politikwissenschaft und Germanistik, worauf sie ein Volontariat beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) anschloss. Ab 1993 war sie dort freie Mitarbeiterin im Programmbereich Zeitgeschehen/Fernsehen. 1997 wurde sie beim NDR feste Redakteurin in der Auslandsredaktion und moderierte die Sendung Weltbilder. Ab 1999 war sie Redakteurin des NDR im ARD-Hauptstadtstudio Berlin.
Auslandserfahrung sammelte Buckenmaier, als sie 2006 vertretungsweise als Korrespondentin im ARD-Fernsehstudio London (NDR) arbeitete. Von Juli 2007 bis Juli 2012 war Claudia Buckenmaier Leiterin des ARD-Studios Stockholm und berichtete für die ARD aus Skandinavien und dem Baltikum. Seit Juli 2012 war sie Leiterin der Auslandsredaktion des NDR in Hamburg. Seit Juli 2017 ist sie ARD-Korrespondentin in Washington. Seit dem 1. Januar 2021 leitet Buckenmaier das Studio in Washington.

Moderation:

Anke Plättner

Journalistin

Anke Plättner ist Journalistin für WDR Berlin und das ARD Morgenmagazin

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Dr. Nicolas Fescharek

Referent
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