Deutsche Atlantische Gesellschaft e.V.

PlĂ€ne von Donald Trump: Der Truppenabzug spielt Moskau in die HĂ€nde

Die PrĂ€senz amerikanischer Truppen in Deutschland ist nicht nur wichtig fĂŒr die Nato und die atlantische Gemeinschaft. Sie sichert auch Amerikas FĂ€higkeit zu globaler PrĂ€senz. Ein Gastbeitrag in der FAZ

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Der amerikanische PrĂ€sident Donald Trump will rund 9500 amerikanische Soldaten aus Deutschland abziehen und die Zahl der amerikanischen Truppen hier auf 25.000 begrenzen. Sollte dieser Plan umgesetzt werden, wĂŒrden die amerikanischen StreitkrĂ€fte in Deutschland um mehr als ein Viertel reduziert.

Die amerikanischen Truppen in Deutschland und Europa, ihre FĂŒhrungskommandos und logistischen KapazitĂ€ten haben zwei wesentliche Funktionen: Sie tragen, erstens, entscheidend zur Abschreckungs- und VerteidigungsfĂ€higkeit der Nato bei. FĂŒr die VerstĂ€rkung der VerbĂŒndeten am Rande des BĂŒndnisgebiets wĂ€hrend einer Krise oder fĂŒr die kollektive Verteidigung der Nato im Falle eines Angriffs spielen sie eine herausragende Rolle.

Von ihnen geht eine ganz entscheidende Abschreckungswirkung aus. Zudem bildet das Hauptquartier der amerikanischen LuftstreitkrĂ€fte in Europa in Ramstein das RĂŒckgrat des Oberkommandos der Nato-LuftstreitkrĂ€fte und Luftverteidigung in ganz Europa.

Lebendige BrĂŒcke ĂŒber den Atlantik

Die amerikanischen Truppen und militĂ€rischen Einrichtungen in Deutschland sind, zweitens, die wesentliche Basis fĂŒr die UnterstĂŒtzung von nationalen EinsĂ€tzen der Vereinigten Staaten im Mittelmeerraum und im Nahen und Mittleren Osten.

Zugleich bilden die Amerikaner in den StreitkrĂ€ften in Deutschland eine lebendige BrĂŒcke ĂŒber den Atlantik. Dies liegt im gemeinsamen deutsch-amerikanischen Interesse. Auch deshalb unterstĂŒtzt Deutschland die PrĂ€senz amerikanischer Truppen auch finanziell weiter.

Aufgrund der drastischen Verschlechterung der sicherheitspolitischen Lage seit 2014 haben Amerika und die europĂ€ischen VerbĂŒndeten ihre militĂ€rische PrĂ€senz im Osten Europas deutlich erhöht. Russland setzt seine aggressive Politik unverĂ€ndert fort und rĂŒstet seine konventionellen und nuklearen StreitkrĂ€fte weiter auf.

Nahe der Nato-Ostgrenze stehen rund 60.000 russische Boden- und Luftlandetruppen in hoher Einsatzbereitschaft, die die baltischen Staaten und Polen innerhalb weniger Tage bedrohen könnten. Russlands nuklearfÀhige Kurz- und Mittelstreckenraketen in Kaliningrad und im westlichen Teil des Landes können fast jede europÀische Stadt erreichen.

Eine einseitige Verringerung der amerikanischen StreitkrĂ€fte ohne angemessene Gegenleistung Russlands wĂŒrde nicht nur der Sicherheit unserer VerbĂŒndeten in Osteuropa schaden, sondern auch die Nato insgesamt schwĂ€chen und Moskau in die HĂ€nde spielen. DarĂŒber hinaus wĂŒrden die strategische FlexibilitĂ€t und HandlungsfĂ€higkeit Amerikas im Nahen und Mittleren Osten erheblich beeintrĂ€chtigt.

Ohne Amerika kein sicheres Europa

Zahlreiche Kongressabgeordnete wenden sich gegen einen Abzug, weil er Amerikas Einsatz fĂŒr die gemeinsame transatlantische Sicherheit in Zweifel ziehen wĂŒrde.

Amerikas ungeschmĂ€lertes Engagement fĂŒr die Sicherheit und StabilitĂ€t Europas bleibt unentbehrlich. Gleichzeitig mĂŒssen die europĂ€ischen Nationen angesichts der vielen regionalen und globalen Herausforderungen deutlich mehr fĂŒr ihre eigene und die gemeinsame Sicherheit im euro-atlantischen Raum tun.

Amerika und Europa mĂŒssen zusammenarbeiten, um die politischen, wirtschaftlichen, technologischen und militĂ€rischen Herausforderungen zu bewĂ€ltigen, die von China und Russland fĂŒr die gesamte transatlantische Gemeinschaft ausgehen.

Als wichtiger europĂ€ischer BĂŒndnispartner trĂ€gt Deutschland große Verantwortung fĂŒr den Zusammenhalt und die Einsatzbereitschaft der Nato wie auch fĂŒr die Einheit der EuropĂ€er. Es leistet wichtige BeitrĂ€ge zur Sicherheit Europas und zu den EinsĂ€tzen der Nato auf dem Balkan, in Afghanistan und im Irak und hat seine Verteidigungsausgaben in den letzten Jahren erheblich erhöht.

Deutschland muss und wird seine militĂ€rischen und finanziellen Zusagen gegenĂŒber der Nato erfĂŒllen, wie es auch weiterhin Verantwortung außerhalb der Nato ĂŒbernimmt. Eine gerechte Lastenteilung zwischen VerbĂŒndeten in allen Bereichen der Sicherheitspolitik ist fĂŒr die transatlantische Gemeinschaft und fĂŒr den Zusammenhalt der EuropĂ€er unverzichtbar.

Die Nato ist der Ort, an dem die nordamerikanischen und europĂ€ischen VerbĂŒndeten alle Fragen besprechen, die ihre gemeinsame Sicherheit betreffen. Geplante VerĂ€nderungen der StreitkrĂ€fte, die strategische Auswirkungen haben, mĂŒssen dort erörtert werden. VerbĂŒndete konsultieren einander, bevor sie endgĂŒltige Entscheidungen treffen. Nur gegenseitiges Vertrauen hĂ€lt ein BĂŒndnis zusammen.

Die Vereinigten Staaten und ihre europĂ€ischen VerbĂŒndeten und Partner mĂŒssen zusammenstehen gegen eine Vielzahl an Herausforderungen, von denen sie alle betroffen sind. Amerika muss eine europĂ€ische Macht bleiben. Aber es braucht Europa, um die globale Supermacht zu bleiben, die es heute ist.

Ein Beitrag von:

Generalleutnant a.D. Heinrich Brauß

Ehemaliger Beigeordneter NATO-GeneralsekretĂ€r fĂŒr Verteidigungspolitik und StreitkrĂ€fteplanung (2013 – 2018)

Heinrich Brauß ist Generalleutnant a. D. der Bundeswehr, Leiter der jĂ€hrlichen NATO Talk-Konferenz der Deutschen Atlantischen Gesellschaft und seit Oktober 2018 Senior Associate Fellow der Deutschen Gesellschaft fĂŒr AuswĂ€rtige Politik (DGAP) in Berlin. General Brauß war von Oktober 2013 bis Juli 2018 Beigeordneter NATO-GeneralsekretĂ€r fĂŒr Verteidigungspolitik und StreitkrĂ€fteplanung (Assistant Secretary General for Defence Policy and Planning) im Internationalen Stab der NATO in BrĂŒssel wie auch Vorsitzender des Defence Policy and Planning Committee des Nordatlantikrats. Er ist ĂŒberdies Verfasser der DAG-Publikation NATO 75 – Entwicklung · Erfolge · Herausforderungen.

Botschafter a.D. Dr. Klaus Scharioth

Deutscher Botschafter in den Vereinigten Staaten (2006 – 2011)

Dr. Klaus Scharioth schloss sein Studium der Rechtswissenschaften in Bonn, Freiburg und Genf mit dem ersten juristischen Staatsexamen ab, bevor er Internationale Beziehungen und Völkerrecht und Internationale Wirtschaft an der Fletcher School of Law and Diplomacy sowie an der Harvard Law School und der John F. Kennedy School of Government studierte. 1976 trat er in den diplomatischen Dienst ein und leitete von 1993 bis 1996 das BĂŒro des NATO-GeneralsekretĂ€rs in BrĂŒssel. Im AuswĂ€rtigen Amt diente er unter anderem als Referatsleiter Verteidigungs- und Sicherheitspolitik, Unterabteilungsleiter fĂŒr Internationale Sicherheit und Nordamerika sowie anschließend als Politischer Direktor und Leiter der Politischen Abteilung (1999-2002). Vor seiner letzten Verwendung als deutscher Botschafter in den Vereinigten Staaten (2006-2011) war er StaatssekretĂ€r des AuswĂ€rtigen Amtes (2002-2006).

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